"Sind Sie ein V-Mann?"Skurriler Redner bei der AfD-Jugend löst Spekulationen aus

Ein Auftritt, der so irre ist, dass es sogar der radikalen AfD-Jugend zu viel wird: Auch am Tag nach seiner Rede spekuliert die Partei über ihren Nachwuchspolitiker Alexander Eichwald. Nun drohen ihm Konsequenzen.
Nach drei Minuten Rede herrscht in der Hessenhalle in Gießen zum Teil Fassungslosigkeit. "Meine Frage ist, ob Sie ein V-Mann des Verfassungsschutzes sind", ruft ein AfD-Mann in weißem Hemd unter dem Jubel seiner Parteifreunde ins Saalmikrofon. Danach überschlägt sich seine Stimme. "Anders kann man sich das doch gar nicht … also wirklich!"
Was den gescheitelten Mann im weißen Hemd so aus der Fassung bringt, ist der Auftritt eines Mannes namens Alexander Eichwald. Beim Gründungskongress der neuen AfD-Jugendorganisation in Gießen hat sich Eichwald am Samstag für einen Posten im Vorstand beworben. Die anschließende Kampfkandidatur verliert er allerdings eindeutig.
Und die Rede? Eichwald philosophiert über Schweine, die in Kuhställen geboren werden, aber trotzdem Schweine bleiben - und ruft seinen "Parteigenossen" zu, alle hier im Saal würden doch die "Liebe und Treue" zu Deutschland teilen. Eichwald spricht von einem "deutschen Volkskörper" und betont, es sei "nationale Pflicht, die deutsche Kultur vor fremden Einflüssen zu schützen". Während der Rede ist es so unruhig im Saal, dass der Versammlungsleiter die Anwesenden zur Ordnung mahnen muss.
Früher als Künstler aktiv?
Doch nicht nur der Inhalt der Rede ist bemerkenswert, sondern auch, dass Eichwald wild mit dem rechten Arm gestikuliert. Fast wirkt es, als habe er vorher vor einem Spiegel für einen effektvollen Auftritt geübt. Seinem Publikum bleibt vor allem das rollende "R" in Erinnerung, das durchaus Ähnlichkeiten mit dem von Diktator Adolf Hitler hat. Auf der Bühne verteidigt Eichwald sich für seine Aussprache: Er sei Russlanddeutscher und ihm so das rollende "R" seit der Kindheit in dieser Form beigebracht worden.
Auf der Webseite des Stadtrats von Herford wird Eichwald als "sachkundiger Bürger" aufgeführt. Er ist dort für die AfD-Fraktion im Stadtrat tätig. Demnach sitzt er seit Herbst 2025 für die Partei unter anderem im Jugendhilfeausschuss. Auf Nachfrage von RTL/ntv bestätigt der umstrittene Bundestagsabgeordnete Matthias Helferich, dass Eichwald aus seinem NRW-Landesverband stamme. Den Auftritt bezeichnet er als "unterhaltsam, aber verrückt".
Offenbar war Eichwald nicht immer ganz auf AfD-Parteilinie. Fotos sollen ihn 2019 als Praktikanten eines Gleichstellungsbüros einer Bundesbehörde zeigen. Wie die "Bild"-Zeitung berichtet, könnte Eichwald früher unter dem Namen "Alex Oak" als Künstler und Musiker aktiv gewesen sein. Die Konten bei verschiedenen Streaminganbietern seien inzwischen gelöscht, Fotos des Künstler-Ich von Eichwald finden sich aber noch immer im Netz.
Chrupalla droht mit Konsequenzen
Sowohl in der Gießener Halle als auch auf X gibt es nach Eichwalds Rede zahlreiche Spekulationen um den AfD-Mann. Zum Beispiel, er sei ein V-Mann des Verfassungsschutzes oder ein eingeschleuster Satiriker, der der AfD schaden wolle. Als Journalisten ihn darauf ansprechen, ob er diesen Auftritt wirklich ernst meine, antwortet der Jugendpolitiker kurz und knapp: "Ja".
Auch nach seinem Auftritt zieht Eichwald noch die Aufmerksamkeit auf sich. In einem fast bodenlangen schwarzen Trenchcoat steht er im Außenbereich und wird mehrfach auf seinen Auftritt angesprochen. Einem Fotografen-Team des "Spiegel" will er zunächst nicht für ein Portrait bereitstehen. Er stehe schon genug im Fokus, argumentiert er.
Doch ob Satire, eingeschleust oder einfach nur ein schräger Vogel: Eichwald bekommt bei der Stichwahl immerhin 12 Prozent der Stimmen. Knapp jeder zehnte Teilnehmer hält es demnach also für eine gute Idee, den Mann in den Vorstand der neuen AfD-Jugend zu wählen.
Eichwalds Auftritt könnte nun aber ein Nachspiel haben. Die AfD-Spitze prüft nach Angaben von Parteichef Tino Chrupalla die Rede. "Mit dem Inhalt sowie der Art und Weise seines Bewerbungsvortrags hat sich Alexander Eichwald von den Grundsätzen der Partei distanziert. Der Bundesvorstand missbilligt das ausdrücklich und sieht sich daher veranlasst, eine Prüfung seiner Daten und Mitgliedsrechte vorzunehmen", sagt Chrupalla der Deutschen Presse-Agentur.