Politik

Hannover, Ansbach, Würzburg So chatteten die Attentäter mit dem IS

Die Attentäter von Hannover, Ansbach und Würzburg standen vor ihren Taten in Kontakt mit dem IS. Wie konkret die Chats der Täter mit ihren Instrukteuren aussahen, zeigen nun veröffentlichte Protokolle der Unterhaltungen.

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In diesem Regionalzug verletzte Riaz A. mehrere Menschen schwer.

(Foto: dpa)

Die Attentäter von Hannover, Ansbach und Würzburg standen kurz vor ihren Taten nicht nur in engem Kontakt mit der Terrororganisation Islamischer Staat, sie wurden regelrecht ferngesteuert. Wie die Kommunikation zwischen Attentätern und Islamisten konkret aussah, davon zeichnet die "Süddeutsche Zeitung" ein Bild. Das Blatt veröffentlicht Auszüge aus den Chat-Protokollen. Woher die Auszüge stammen, macht die "SZ" nicht kenntlich.

"Jetzt erlangst du das Paradies."

Der Attentäter von Würzburg etwa, der 17-jährige Riaz A., war 2015 ohne Eltern nach Deutschland gekommen. Er galt nicht als auffällig, ja sogar als gutes Beispiel für gelungene Integration. Niemand ahnte, dass der Jugendliche heimlich mit einem Instrukteur des IS chattete.

Instrukteur: "Mit welchen Waffen beabsichtigst du zu töten?"

Riaz A.: "Messer und Axt sind bereitgelegt."

Instrukteur: "Bruder, wäre es nicht besser, es mit einem Auto durchzuführen?"

Riaz A.: "Ich kann nicht Auto fahren."

Instrukteur: "Du solltest es lernen."

Riaz A.: "Das Erlernen kostet Zeit."

Instrukteur: "Der Schaden wäre auch erheblich größer."

Riaz A.: "Ich möchte heute Nacht ins Paradies kommen."

Kurz vor dem Attentat, am Abend des 18. Juli, waren Riaz A. und sein Chat-Partner offenbar in besonders engem Kontakt.

Riaz A.: "Hör dir eine wichtige Sache an."

Instrukteur: "Ja."

Riaz A.: "Bruder, ich sende dir mein Video. Ich werde heute in Deutschland einen Anschlag mit einer Axt unternehmen."

Riaz A. schickte ein Bekennervideo an die IS-Propagandaagentur Amaq: "Ich bin ein Gotteskrieger des Islamischen Staats. Ich werde euch mit meinem Messer töten und eure Köpfe mit der Axt spalten, so Gott will", sagt er in dem Video.

Instrukteur: "Nicht mit einem Messer. Mach es mit der Axt. Wenn du den Anschlag begehen wirst, so Gott will, wird der Islamische Staat die Verantwortung dafür übernehmen."

Riaz A.: "Ich sende dir jetzt das Video."

Instrukteur: "Sichere es schnell."

Riaz A.: "Bete, dass ich zum Märtyrer werde. Ich warte jetzt auf den Zug."

Riaz A. stieg dann, mit einer Axt und einem Messer bewaffnet, in einen Regionalzug. Wenig später schreibt er noch einmal.

Riaz A.: "Fang jetzt an."

Instrukteur: "Jetzt erlangst du das Paradies."

Riaz A. verletzte vier Reisende im Zug schwer. Auf der Flucht griff er Polizeibeamte an und wurde von einem Spezialeinsatzkommando erschossen.

"Töte sie alle auf einer großen Fläche"

Auch der Attentäter von Ansbach stand in Kontakt zu einem Chat-Partner des IS. Der 27-jährige Syrer Mohammad D. kam 2014 nach Deutschland. Seine Familie ist angeblich in Syrien gestorben, er selbst gab an, zuvor in Bulgarien misshandelt worden zu sein. Sein Asylantrag in Deutschland war abgelehnt worden, laut "SZ" unternahm Mohammad D. zwei Suizidversuche bevor er zum Attentäter wurde.

Mohammad D.: "Dieser Platz wird voll von Leuten sein."

Instrukteur: "Töte sie alle auf einer großen Fläche, dass sie am Boden liegen."

Am 24. Juli, dem Tag des Anschlags, chattet der 27-Jährige wieder mit seinem Instrukteur.

Mohammad D.: "Die Party ist bald zu Ende, und es gibt am Eingang eine Kontrolle."

Instrukteur: "Such dir einen Platz, und tauch in die Menge ein. Durch die Polizei brechen, rennen, und tue es."

Mohammad D. "Bete für mich. Du weißt ja nicht, was gerade mit mir passiert."

Instrukteur: "Vergiss das Fest, und gehe zum Restaurant. Mann, was ist mit dir los? Ich würde es wegen zwei Personen durchführen. Vertrau Gott, und lauf zum Restaurant los."

Mohammad D. ging zu einer Weinstube neben dem Festivalgelände. Dort zündete seine Rucksackbombe. 15 Menschen wurden verletzt, der Attentäter kam ums Leben. Vermutlich wurde die Bombe versehentlich gezündet. Der IS behauptete, D. sei ein erfahrener Kämpfer gewesen.

"Leyla" drängte Safia S. zum Anschlag

Auch im Fall der 16-jährigen Deutsch-Marokkanerin Safia S., die im Februar einen Bundespolizisten in Hannover niederstach, bestand Kontakt zwischen der Attentäterin und dem IS. Safia S. habe über einen Messenger-Dienst mit einer Instrukteurin namens "Leyla" in Kontakt gestanden, berichtet die "SZ".

Kurz vor der Tat habe "Leyla" Safia S. letzte Anweisungen gegeben. Der Plan: Die Schülerin soll einen Polizeibeamten in eine Ecke des Bahnhofs locken, zustechen, ihm seine Pistole stehlen und dann schießen. Safia S. habe anschließend erklärt, sie könne nicht mit einer Pistole umgehen. "Leyla" habe dann versprochen, ihr zu helfen. Sie brauche dafür nur ein Foto der Pistole, die Bundespolizisten in Deutschland verwendeten.

Die Schülerin schickte ihr kein Foto, aber sie versandte ein Bekennervideo an den IS. Am nächsten Tag nahm sie ein Gemüsemesser und ein Steakmesser, ging zum Bahnhof und stach einem Polizisten in den Hals. Der Beamte wurde schwer verletzt.

Quelle: n-tv.de, bdk

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