Fahrplan und praktische ProblemeSo sollen Schulen und Kitas wieder öffnen

Bis zu den Sommerferien soll jeder Schüler wenigstens teilweise wieder in die Schule gehen, und in Hessen sollen ab Juni wieder Kitas für alle öffnen. Aber wie die schrittweise Rückkehr zur Normalität konkret aussehen soll, ist immer noch unklar. Auch praktische Probleme warten schon. Der Fahrplan im Überblick.
Schüler sollen an die Schulen zurückkehren, viele Kleinkinder auch wieder Kitas besuchen. Darin sind sich alle 16 Bundesländer einig - doch wie diese Rückkehr konkret aussieht, ist unterschiedlich geregelt und zum Teil auch noch unklar. Ein Überblick über Gemeinsamkeiten, Unterschiede sowie offene Fragen zu Unterricht und Betreuung in der Corona-Krise:
Die grundsätzlichen Ziele
In ganz Deutschland soll jeder Schüler vor den Sommerferien zumindest zeitweise wieder in die Schule gehen. Sicher ist aber auch, dass es keinen gewöhnlichen Unterricht wie vor der Corona-Krise geben wird. In Kitas soll die Notbetreuung schrittweise ausgebaut werden. Es werde sichergestellt, dass bis zu den Ferien jedes Kind vor dem Übergang zur Schule noch einmal die Kita besuchen könne, heißt es in dem von Bundeskanzlerin Angela Merkel mit den Ministerpräsidenten der Länder am Mittwoch vereinbarten Beschluss. Nun entschied Hessen, dass Kitas ab Anfang Juni wieder für alle Kinder öffnen sollen. In Berlin wolle man jetzt schrittweise auf 70 Prozent des Normalbetriebs gehen, sagte der Regierende Bürgermeister Michael Müller (SPD).
Die Grundregeln
Die allgemeinen Regeln zum Schutz vor dem Coronavirus gelten im Prinzip auch in Schulen und Kitas. So soll in Schulen ein Mindestabstand von eineinhalb Metern gewährleistet werden. Das soll unter anderem dadurch erreicht werden, dass die Tische in den Klassenräumen entsprechend weit auseinander gestellt werden. Die Folge: In vielen Fällen müssen Klassen geteilt werden.
Schulen brauchen zudem Hygienekonzepte - ganz praktisch muss also gesichert sein, das Seife und Einmalhandtücher jederzeit vorhanden sind. Masken müssen in der Regel im Unterricht nicht getragen werden, allerdings gilt auch für Schüler die Maskenpflicht zum Beispiel im Nahverkehr.
Besonders schwierig ist der Schutz in Kitas. In einem Beschluss der Jugendministerkonferenz zur schrittweisen Kitaöffnung heißt es: "Es ist bei der Betreuung von kleineren Kindern nicht möglich, einen Abstand von mindestens eineinhalb Metern konsequent einzuhalten." Ein wichtiges Instrument seien die Hygienemaßnahmen.
Der Fahrplan
Die Länder entscheiden selbst, wann und wie sie Schulen und Kitas wieder öffnen. Entsprechend unterschiedlich sind die Fahrpläne. So konnten in Nordrhein-Westfalen die Viertklässler bereits am Donnerstag wieder zur Schule gehen, in Bayern kehren sie am Montag und in Baden-Württemberg noch eine Woche später zurück. Für alle Schüler geht es in den beiden Südländern erst nach den Pfingstferien Mitte Juni wieder los, in anderen Ländern dagegen schon im Mai.
Der Unterricht
In der Regel wird es einen Wechsel zwischen dem klassischen Unterricht in Klassenräumen und Digitalunterricht zu Hause geben. Dabei setzen die Länder auf rollierende Systeme. Das kann zum Beispiel für Grundschulen heißen: In einer Woche kommen die ersten und dritten Klassen in die Schule, in der nächsten die zweiten und vierten Klassen. Denkbar ist statt eines wöchentlichen Wechsels auch ein täglicher Wechsel.
Praktische Probleme
Im Alltag stehen Kitas und Schulen vor enormen Herausforderungen. Unklar ist zum Beispiel, ob die Abstandsregeln tatsächlich eingehalten werden können. "Mir wurde berichtet, dass selbst bei den Abiturprüfungen der Abstand zwischen den Jugendlichen in den Pausen nicht eingehalten wurde", erklärt der Vorsitzende des Bundeselternrats, Stephan Wassmuth. "Wie soll das dann erst bei den jüngeren Kindern werden?"
Schulen und Kitas müssen zudem berücksichtigen, dass ihnen nicht alle Lehrer und Betreuer zur Verfügung stehen. Ältere Lehrer oder Pädagogen mit Vorerkrankungen müssen zum Beispiel in der Regel nicht in der Schule unterrichten. Lehrer sollten also "Präsenz-, Fernunterricht und die Notbetreuung stemmen sowie die Vertretung von Kolleginnen und Kollegen, die zur Risikogruppe gehören, übernehmen", erklärt die Vorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), Marlis Tepe. Das sei die "Quadratur des Kreises".
Noch schwieriger ist der Neustart an den Kitas. GEW-Vorstandsmitglied Björn Köhler warnt deshalb: "Bereits heute anzukündigen, wann Kitas wieder vollständig geöffnet werden, ist voreilig."