Politik

Landtagswahlen im Osten So steht es um Brandenburg und Sachsen

In zwei ostdeutschen Bundesländern wird am Sonntag gewählt: Von einer Schicksalswahl, einem möglichen Rechtsruck ist die Rede. Wählen Menschen in den "abgehängten Regionen" anders? Was ist dran an diesem Klischee?

Den Volksparteien CDU und SPD droht ein Absturz bei den Landtagswahlen in Sachsen und Brandenburg. Zulegen werden voraussichtlich die Grünen, vor allem aber die AfD. Eine Erklärung dafür lautet: Den Menschen im Osten geht es weiterhin nicht annähernd so gut wie im Westen, die Landtagswahl ist eine Abrechnung mit den Parteien, die dafür verantwortlich sein sollen. Aber stimmt das? Ein Blick auf ausgewählte Wirtschafts- und Strukturdaten liefert Anhaltspunkte, wie die Lage im Osten Deutschlands wirklich aussieht.

Hinweis: Detaillierte Daten zur Lage in Brandenburg finden Sie hier, die Analyse für Sachsen erwartet Sie hier.

*Datenschutz

Gemessen am Bruttoinlandsprodukt (BIP) liegt Sachsen längst gut im Mittelfeld. Mit einer Wirtschaftsleistung von zuletzt gut 126 Milliarden kommt das Land im bundesweiten Vergleich auf Platz 8 bei einer Bevölkerung von knapp 4,1 Millionen. Das Land Brandenburg, in dem mit 2,5 Millionen Menschen deutlich weniger Einwohner leben, erreichte im vergangenen Jahr ein Bruttoinlandsprodukt von 73,7 Milliarden. Das reichte im innerdeutschen BIP-Ranking immerhin noch für Platz 11.

In beiden Bundesländern geht es - zumindest seit der Jahrtausendwende - wirtschaftlich weitgehend kontinuierlich nach oben. Der Konjunkturknick, der sich in der gesamtdeutschen BIP-Entwicklung im Jahr 2009 zeigt, fällt in Brandenburg und Sachsen flacher aus.

*Datenschutz

Wie dramatisch sich die Lage in den beiden Ländern verbessert hat, lässt sich an den Daten am Arbeitsmarkt ablesen. Anfang 2005 erreichten die regionalen Arbeitslosenquoten in Brandenburg und Sachsen noch fast griechische Verhältnisse. In der Spitze war in beiden Regionen jeder fünfte Einwohner im erwerbsfähigen Alter ohne Job.

Mehr als 20 Prozent arbeitslos?

In Teilen Ostdeutschlands bestand zeitweise tatsächlich akute Gefahr, dass ganze Regionen dauerhaft abgehängt werden könnten. Diese Situation hat sich in den vergangenen Jahren aus vielerlei Gründen deutlich entspannt. Die Arbeitslosenquoten sind auf Landesebene deutlich von ihren extremen Niveaus zurückgekommen. Die monatlich ermittelten Quoten nähern sich der gesamtdeutschen Lage immer weiter an.

*Datenschutz

Im August 2019 verzeichnete die Bundesagentur für Arbeit deutschlandweit einen Erwerbslosenanteil von 5,1 Prozent. Aus Brandenburg meldete die zuständige Regionaldirektion für den Monat August noch 5,6 Prozent Arbeitslose. Im wirtschaftlich stärkeren Sachsen sind unterdessen nur noch 5,4 Prozent arbeitslos: Die "klaffende Wunde" am Arbeitsmarkt schließt sich.

Wo stehen Brandenburg und Sachsen im bundesweiten Vergleich? Hier das Ranking der Bundesländer im Überblick:

*Datenschutz

Ist im Osten also eigentlich alles in Ordnung? Der Blick auf einzelne Kennzahlen aus der Statistik birgt gewisse Risiken, die es zu beachten gilt, wenn man mit diesen Daten hantiert. Was die ausgewählten Indikatoren zum Beispiel nicht zeigen, sind etwa die großen strukturellen Unterschiede in der Fläche. Auch die Frage, ob es unter einer anderen politischen Führungsriege besser oder schlechter gelaufen wäre, bleibt dabei offen.

*Datenschutz

In einem Punkt sind sich Sachsen und Brandenburg dagegen sehr ähnlich: In beiden Bundesländern gibt es regionale Schwächen und Stärken und teils erhebliche wirtschaftliche oder demografische Unterschiede. Wie der Wähler die wirtschaftliche Entwicklung wahrnimmt und darauf aufbauend eine Wahlentscheidung trifft, hängt damit natürlich vor allem von seinen persönlichen Perspektiven ab. Und diese Ansichten, so viel ist sicher, lassen sich mit nackten Zahlen nur schwer erfassen. Aber dafür gibt es ja Reporter vor Ort.

*Datenschutz

Quelle: n-tv.de

Mehr zum Thema