Politik

20er Inzidenz nicht "Zielmarke" Spahn: Kommende Tage sind entscheidend

Ob Deutschland einen guten Sommer erlebt, hängt davon ab, "wie tief wir jetzt die Infektionszahlen runterbringen" glaubt Jens Spahn. Die kommenden Tage und Wochen seien entscheidend, sagt er im "ntv Frühstart".

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn hat im "ntv Frühstart" der Darstellung widersprochen, er habe in einem Interview Inzidenzen von unter 20 zum alleinigen Maßstab für breite Öffnungen erklärt. "Ich habe keine neue Zielmarke gesetzt", sagte Spahn. Ein Ziel aber sei klar: "Möglichst viel impfen, möglichst wenige Infektionen bis Ende Juni, dann wird es ein richtig guter Sommer." Die kommenden Tage und Wochen sind für Spahn entscheidend. "Die Frage, wie viel Ruhe wir vor diesem Virus haben im Sommer, hängt sehr stark davon ab, wie tief wir jetzt die Infektionszahlen runterbringen."

Er sei mit Blick auf die Fallzahlen sehr optimistisch, so Spahn. Dass die bundesweite 7-Tage-Inzidenz erstmals seit Oktober wieder unter der wichtigen Marke von 50 liegt, bezeichnete er als "ermutigend", verwies aber auch auf einen möglichen Feiertagseffekt mit weniger Tests.

Die derzeitige Lockerungsstrategie der Bundesländer hält der Gesundheitsminister generell für richtig. Er könne nur empfehlen, nach jedem Öffnungsschritt zwei bis drei Wochen zu warten, um die Auswirkungen auf das Infektionsgeschehen im Blick zu behalten. "Damit wir Trittsicherheit haben bei dem, was wir tun. Und dann den nächsten Schritt zu gehen. Und mein Eindruck ist, das machen die meisten Länder auch so."

Mehr Tests beim Fliegen und an den Grenzen

Spahn verteidigte sich gegen Kritik aus Albanien und von der Türkischen Gemeinde in Deutschland, die ihm Stimmungsmache gegen einige Bevölkerungsgruppen vorwerfen. Der Minister hatte in einem Interview gesagt, Auslandsreisen und Verwandtschaftsbesuche in der Türkei und auf dem Balkan hätten im vergangenen Jahr phasenweise rund 50 Prozent der Neuinfektionen ausgelöst. Das müsse in diesem Jahr verhindert werden. "Wenn sie auf die Länder schauen, wo die Infektion stattgefunden hat, sind unter den ersten zehn Ländern vor allem auch Länder des Westbalkans und die Türkei. Und die typischen Reiseländer der Deutschen" so Spahn bei ntv.

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Er habe sich die Lageberichte des Robert-Koch-Instituts aus dem Sommer 2020 noch einmal angeschaut. Damals hätten teils knapp 50 Prozent der gemeldeten Neuinfektionen ihren Ursprung im Ausland gehabt. Im Moment sei der Wert bei unter einem Prozent. "Das zeigt: Das hat viel zu tun gehabt mit den Reisen im Sommer."

Die Daten offenbarten auch, dass unter den infizierten Rückkehrern vom Westbalkan und aus der Türkei viele Menschen mittleren Alters und Kinder gewesen seien. "Das lässt auf Familienreisen tippen." Bei Kroatien oder Spanien seien eher jüngere Menschen betroffen gewesen. Beides gelte es diesen Sommer zu verhindern, über Tests beim Fliegen und an den Grenzen.

Quelle: ntv.de, psc

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