Politik

Isolation einzelner Klassen Spahn für neues Corona-Konzept an Schulen

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Spahn will auf lebenspraktische Maßnahmen in den Schulen setzen.

(Foto: dpa)

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn fordert ein neues Vorgehen bei Corona-Infektionen von Schülern, um nicht gleich ganze Schulen schließen zu müssen. Stattdessen will er betroffene Klassen in Quarantäne schicken.

Gesundheitsminister Jens Spahn hat ein neues Konzept zur Eindämmung von Corona-Infektionen in Schulen vorgeschlagen. "Infektionsketten wirklich unterbrechen und gleichzeitig lebenspraktisch bleiben, das ist die Aufgabe", sagte Spahn dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. Konkret schlug er vor, dass beim Auftreten eines Infektionsfalls umgehend die betroffene Klasse in die häusliche Isolation geschickt wird. Bisher ist das teilweise nicht oder nur bei den unmittelbaren Sitznachbarn Infizierter der Fall.

"Nach negativen Schnelltests am fünften Tag könnten die Schülerinnen und Schüler wieder in die Schule zurückkehren", sagte Spahn. Ob das aus Sicht der Länder vor Ort umsetzbar sei, darüber müsse man am Mittwoch sprechen.

Dann wollen die Länderchefs zusammen mit Bundeskanzlerin Angela Merkel in einer Schalte über das weitere Vorgehen in der Corona-Pandemie entscheiden. Zur gegenwärtigen Infektionslage sagte Spahn: "Wir haben sicheren Boden unter den Füßen, aber wir sind noch nicht über den Berg." Es komme darauf an, ob die Zahlen in den nächsten Tagen sinken. "Davon wird am Mittwoch viel abhängen."

Experten gehen davon aus, dass der weitere Umgang mit den Schulen und den gut zehn Millionen Schülern und knapp 800.000 Lehrern an allgemeinbildenden Schulen, ein zentrales Streitthema werden wird. Um Kontakte zu reduzieren, dringt das Kanzleramt darauf, dass ein größerer Teil des Unterrichts zu Hause erfolgen sollte. Sonst habe man nach der ernüchternden Entwicklung der Corona-Neuinfektionen trotz der Schließung von Gastronomie, Freizeit- und Kulturreinrichtungen keine Chance, dass die zweite Corona-Welle abebbt, mahnt Kanzleramtschef Helge Braun.

Unterschiedliche Infektionslage in den Regionen

Immerhin haben sich die Kultusminister nach Informationen aus Länderkreisen am Freitag darauf verständig, nun einen verstärkten Unterricht von Oberstufen-Schülern zu Hause sowie eine Ausweitung der Maskenpflicht zu akzeptieren. Doch Zahlen der Kultusministerkonferenz und der nationalen Wissenschaftsakademie Leopoldina zeigen, warum es bisher so schwierig war, eine Einigung zu finden - weil unklar ist, welche Rolle Schulen in der Corona-Pandemie spielen.

Die Debatte krankt zudem an der sehr unterschiedlichen Lage in den Bundesländern: Die Schulen im Norden sind sehr viel weniger von Corona-Fällen betroffen als die im Süden. Nord-Ministerpräsidenten monierten schon vergangene Woche, dass etwa Bayerns Ministerpräsident Markus Söder gerne für sein Bundesland strengere Regeln für Schulen in dem von Corona-Neuinfektionen stark betroffenen Bayern einführen könne - statt immer nach neuen bundeseinheitlichen Regeln zu rufen.

Quelle: ntv.de, hek/dpa/rts