Politik

Auch die Börse reagiert Spannungen am Golf verschärfen sich

Der Iran beschlagnahmt zwei britische Öltanker in der Straße von Hormus. Bisher ist nur einer davon wieder frei. Die Besatzung des anderen muss weiter ausharren. Das verschärft die Spannungen am Persischen Golf. Auch die Börsen reagieren unterdessen darauf.

Der Iran hat in der Straße von Hormus einen britischen Tanker festgesetzt und damit die Spannungen am Persischen Golf weiter verschärft. Die "Stena Impero" habe gegen "internationale maritime Regeln" verstoßen, teilten die iranischen Revolutionsgarden mit. Auch ein zweites britisches Schiff wurde mehrere Stunden an der Weiterfahrt gehindert.

Die Spannungen am Persischen Golf belasteten mittlerweile auch die Börsen und trieben den Ölpreis kurzfristig nach oben. Die betroffene Meerenge im Golf von Oman ist eine der wichtigsten Seestraßen der Welt. Fast ein Drittel des globalen Ölexports wird durch die Meerenge verschifft. Der Preis für ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent legte zuletzt um 1,14 US-Dollar auf 63,07 Dollar zu.

Der Zwischenfall blieb auch nicht ohne Reaktionen aus dem Westen: Die britische Regierung warnte Teheran vor "ernsthaften Konsequenzen". Die USA kündigten derweil die Stationierung von Soldaten in Saudi-Arabien an. Auch die Bundesregierung äußerte sich: Das Auswärtige Amt rief den Iran "nachdrücklich" auf, die "Stena Impero" und ihre Besatzung "unverzüglich freizugeben". "Eine weitere regionale Eskalation wäre sehr gefährlich", erklärte ein Ministeriumssprecher. Ebenso verurteilte Frankreich das iranische Verhalten.

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Dieser Screenshot der Webseite Marine Traffic zeigt die Route des britischen Öltankers Stena Impero. Das Schiffe wurde auf dem Weg nach Saudi-Arabien von den Iranischen Revolutionsgarden gestoppt.

(Foto: picture alliance/dpa)

Die Iranischen Revolutionsgarden (IRGC) hatten nach eigenen Angaben zunächst den unter britischer Flagge fahrenden Öltanker "Stena Impero" in der Straße von Hormus gestoppt und in Richtung iranischer Küste gebracht. Zur Begründung hieß es, der Tanker habe internationale Vorschriften missachtet. Dem widersprach der schwedische Eigner und nannte das Vorgehen einen "Angriff" gegen das Schiff.

Mittlerweile ist der Öltankter nach iranischen Angaben in der iranischen Hafenstadt Bandar Abbas vor Anker gegangen. Er habe dort nach einem Zusammenstoß mit einem Fischerboot angelegt, teilte die Hafen- und Schifffahrtsbehörde der iranischen Provinz Hormosgan mit. Die "Stena Impero" sei "mit einem Fischerboot kollidiert", sagte ein Behördenvertreter der Nachrichtenagentur Fars. Dies sei auch der Grund für die Festsetzung gewesen, begründete der Chef der Hafen- und Schifffahrtsbehörde der iranischen Provinz Hormosgan, Allah-Morad Afifipoor. Entsprechend der rechtlichen Vorschriften seien Ermittlungen zur "Ursache für den Unfall" eingeleitet worden. Das Fischerboot habe nach dem Vorfall das britische Schiff kontaktiert, aber keine Antwort erhalten, sagte der Behördenchef weiter. Deshalb habe das Fischerboot, wie es in solchen Fällen vorgesehen sei, die Schifffahrtsbehörde eingeschaltet.

23 Besatzungsmitglieder dürfen nicht von Bord

An Bord befänden sich weiterhin die 23 Besatzungsmitglieder, die das Schiff bis Ende der Untersuchungen nicht verlassen dürften, gab ein Sprecher der Hafenbehörde bekannt. Von ihnen seien 18 aus Indien und fünf aus Russland, den Philippinen und Lettland, sagte der Sprecher Morad Afifipur der Nachrichtenagentur Isna.

In der Straße von Hormus wurde am Freitag außerdem ein Tanker der britischen Reederei Norbulk Shipping beschlagnahmt. Nach Angaben des Unternehmens war das unter liberianischer Flagge fahrende Schiff am frühen Abend von bewaffneten Sicherheitskräften gestoppt worden. Nach rund dreieinhalb Stunden hätten sie das Schiff wieder verlassen. Laut der iranischen Nachrichtenagentur Fars befindet sich die Öltanker inzwischen außerhalb iranischer Hoheitsgewässer.

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Dieser Screenshot der Webseite Marine Traffic zeigt die Route des unter liberianischer Flagge fahrenden "Mesdar" Öltankers. Besitzer ist die in Glasgow ansässige Firma Norbulk.

(Foto: picture alliance/dpa)

Wenige Stunden vor den Zwischenfällen hatte der Oberste Gerichtshof von Gibraltar beschlossen, den Anfang Juli festgesetzten iranischen Öltanker "Grace 1" für weitere 30 Tage festzusetzen. Die Behörden des britischen Überseegebiets verdächtigen den Iran, Syrien unter Verstoß gegen internationale Sanktionen mit Öl beliefern zu wollen.

Spirale der Eskalation seit Mai

Seit dem Ausstieg Washingtons aus dem internationalen Atomabkommen mit Teheran im Mai 2018 und der Verhängung neuer Sanktionen haben sich die Spannungen in der Golfregion verschärft. Die USA hatten am Donnerstag erklärt, das Kriegsschiff "USS Boxer" habe in der Straße von Hormus eine iranische Drohne zerstört. Regierung und Armee in Teheran erklärten hingegen, es werde keine Drohne vermisst.

Ende Juni hatte der Abschuss einer US-Aufklärungsdrohne durch die Revolutionsgarden über der Straße von Hormus fast zu einer militärischen Konfrontation geführt. US-Präsident Donald Trump stoppte nach eigenen Angaben erst in letzter Minute einen Vergeltungsangriff. Seit Anfang Mai gab es zudem mehrere Angriffe auf Tanker in der Region, für die Washington den Iran verantwortlich machte. Teheran wies jede Verantwortung zurück.

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Quelle: n-tv.de, aeh/AFP/dpa

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