Politik

Silberberger bei n-tv Frühstart "Staat muss mehr gegen Fake News tun"

Fake News und Verschwörungstheorien sind eine Gefahr für die Demokratie. Und seit diese seichter und über das Internet schneller verbreitet werden, steigt die Zahl derer, die dafür empfänglich sind. Der Verein Goldener Aluhut warnt eindringlich vor den Folgen.

Die Organisation Goldener Aluhut fordert im Kampf gegen Verschwörungstheorien mehr staatliches Engagement. Fake News und Verschwörungstheorien sind "ein Problem in unserer Gesellschaft", sagt Gründerin und Geschäftsführerin Giulia Silberberger beim n-tv Frühstart. Sie sei unsicher, "ob die Politik das Problem als solches erkannt hat". Nötig seien unter anderem mehr Bildungsangebote und auch lokale Anlaufstellen wie bei der Sektenberatung. "Dafür muss die Politik Gelder bereitstellen" und nicht wie derzeit kürzen.

Während die Zahl der Verschwörungstheoretiker früher konstant gewesen sei, steige sie derzeit. Denn die Theorien "werden immer breitgefächerter und sie werden immer seichter", sagt sie weiter. Zudem trage das Internet zu deren Verbreitung bei. "Ganz viele seichte Verschwörungstheoretiker kommen gerade auf und das ist eine ganz große Gefahr."

Als Gründe für die gestiegene Verbreitung und Empfänglichkeit nannte Silberberger unter anderem Enttäuschung über das bestehende System und die Politik sowie die Medien. Menschen, die sich "nicht gut vertreten oder gut informiert" fühlten, suchten dann im Internet nach "alternativen Fakten". Dabei spielten auch eine fehlende Medienkompetenz und schlicht der Wunsch, an etwas zu glauben, eine Rolle. Komme all dies zusammen, seien die Betroffenen "leichte Opfer für die Verschwörungsideologen".

Gefahr der Radikalisierung

Dabei warnte Silberberger vor einem "Kreislauf der Verschwörungsideologien". So würden Theorien durch Unter-Theorien gestützt und so das System letztlich immer weiter ausgeschmückt und ausgearbeitet. Obendrein bestehe die Gefahr einer Radikalisierung Einzelner.

Silberberger warnte davor, im Kampf gegen Verschwörungstheorien mit Verboten zu arbeiten. Dies treibe die Anhänger eher noch tiefer in ihre Gruppierungen. Vielmehr plädierte sie für eine inhaltliche Auseinandersetzung. Der Ausstieg aus der Szene könne dann mitunter ein langer Prozess sein, der sogar therapeutisch Hilfe benötige.

Als gängige Theorien der Verschwörungsanhänger nennt Silberberger etwa die Behauptung, die Kriege im Nahen Osten dienten dazu, Flüchtlinge nach Europa zu treiben und so das politische System zu destabilisieren, aber auch die Annahme einer "jüdischen Weltverschwörung" sowie die Behauptung, Deutschland sei kein souveränes Land.

Ende Oktober vergibt der Verein den Goldenen-Aluhut-Award unter anderem an die AfD. Grund sei, dass die Partei ihren Wahlkampf mit Verschwörungstheorien bestreite - etwa mit der Behauptung einer geplanten "Umvolkung" Deutschlands.

Quelle: n-tv.de, jwu

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