Bald Ex-Botschafter in IsraelSteffen Seibert verabschiedet sich auf Hebräisch in den Ruhestand

Nach Jahren als Regierungssprecher wagt Steffen Seibert 2022 den Schritt auf den Botschafterposten in Israel. Und seither passiert enorm im Land und an seinen Grenzen. Mit seinem Auftreten macht sich Seibert nicht nur Freunde. Zum Abschied in den Ruhestand gibt er sich versöhnlich.
Nach vier Jahren im Amt verabschiedet sich der deutsche Botschafter Steffen Seibert von Israel. Dienstag sei sein letzter Arbeitstag, danach gehe der 66-Jährige in den Ruhestand, bestätigte ein Sprecher. "Ein großer Teil meines Herzens wird hierbleiben", sagte Seibert in einer Videobotschaft auf X in fließendem Hebräisch. Bei einem Spaziergang auf dem zentralen Rothschild-Boulevard in der Küstenmetropole zählte er 25 Gründe auf, warum er Israel vermissen werde.
Dazu gehören israelische Lieder, Spezialitäten und Orte ebenso wie der Wiedehopf, Israels Nationalvogel. Außerdem nannte er das israelisch-palästinensische Forum von Menschen, die im Nahost-Konflikt Angehörige verloren haben.
Auch den israelischen Fernwanderweg, der von der libanesischen Grenze im Norden bis nach Eilat im Süden führt, hob Seibert hervor. Den Weg hatte er selbst auf vielen Etappen erwandert. Zudem würdigte er israelische Freiwillige, die Palästinenser im besetzten Westjordanland vor Siedlergewalt schützen.
Seibert kritisiert Gewalt israelischer Siedler
Seiberts Amtszeit fiel in eine besonders dramatische Zeit in Israel und verlief auch nicht ohne Kontroversen. Nachdem der Botschafter im März in einem X-Beitrag Siedlergewalt thematisiert hatte, warf ihm das israelische Außenministerium mangelnde Empathie für Israel vor. Das Auswärtige Amt stellte sich daraufhin demonstrativ hinter Seibert.
Bereits 2023 hatte Israel offiziell dagegen protestiert, dass Seibert als Zuschauer an einer Verhandlung des Obersten Gerichts über die umstrittene Justizreform teilgenommen hatte. Nach Medienberichten wurde dies in Israel als Einmischung in innere Angelegenheiten gewertet.
Nach dem Terrorangriff der islamistischen Hamas auf Israel am 7. Oktober 2023 setzte sich Seibert intensiv für die Freilassung der verschleppten Geiseln ein, unter denen sich auch deutsche Staatsbürger befanden. Zugleich äußerte er sich wiederholt besorgt über das Leid der palästinensischen Zivilbevölkerung im Gaza-Krieg, in dem Zehntausende Menschen getötet wurden.
Vor seinem Wechsel nach Israel war Seibert mehr als elf Jahre Regierungssprecher der damaligen Bundeskanzlerin Angela Merkel. Zuvor arbeitete er als Fernsehjournalist beim ZDF. Seine Nachfolge in Tel Aviv übernimmt der bisherige deutsche Botschafter in Moskau, Alexander Graf Lambsdorff.