Politik

Nur eines von vielen Problemen Steve Bannon hilft Boris Johnson

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Boris Johnson ist der "Mr. Teflon" der britischen Politik.

(Foto: REUTERS)

Unter den Tory-Mitgliedern ist Boris Johnson noch immer der Favorit. Allerdings erscheinen gerade mehrere Berichte über den britischen Ex-Außenminister, die ihm schaden könnten - oder ihm schaden würden, wenn er ein normaler Politiker wäre.

In die Finalrunde hat der ehemalige Außenminister Boris Johnson es geschafft: Bis Ende Juli entscheiden die 160.000 Mitglieder der Tories per Briefwahl, ob Johnson oder der amtierende Außenminister Jeremy Hunt Parteichef und damit auch britischer Premierminister wird.

Bisher ist Johnson der Favorit. Umfragen für die "Mail on Sunday" zeigen allerdings, dass er an Ansehen verloren hat. Während er am vergangenen Donnerstag unter allen Wählern noch acht Punkte vor Hunt führte, lag er am Samstag drei Punkte zurück. Die Wähler der Konservativen bevorzugen zwar weiterhin Johnson, aber auch unter ihnen büßte er Stimmen ein. Hier schrumpfte sein Vorsprung von 27 auf 11 Punkte. Solche Umfragen könnten auch die Tory-Mitglieder beeinflussen.

Aktuellere Umfragen gibt es derzeit nicht, aber der Ansehensverlust könnte noch zugenommen haben: Am Wochenende meldete der "Oberserver", der frühere Wahlkampfchef von US-Präsident Donald Trump, Steve Bannon, habe Johnson beraten. Die Zeitung beruft sich auf bisher unveröffentlichte Videoaufnahmen für einen Dokumentarfilm über Bannon.

In dem ein Jahr alten Mitschnitt spricht Bannon darüber, dass er sich in intensivem Austausch mit Johnson befinde. Dabei sei es um dessen Abschiedsrede als Außenminister sowie um dessen erste Kolumne für den "Daily Telegraph" gegangen - seit seinem Rücktritt schreibt Johnson wieder regelmäßig für das Blatt, für das er Anfang der 1990er als Journalist aus Brüssel berichtet hatte.

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Bei einem gemeinsamen Auftritt in Birmingham vor zwei Tagen präsentierten Jeremy Hunt und Boris Johnson sich noch einträchtig.

(Foto: imago images / i Images)

Johnson selbst scheint zu glauben, dass es ihm schadet, wenn Kontakte zu Bannon bekannt werden. Damit könnte er recht haben: Seit seinem Rauswurf aus dem Weißen Haus 2017 versucht dieser, eine europäische Allianz von Rechtsradikalen aufzubauen. Natürlich habe er Bannon ein paar Mal getroffen, als er selbst Außenminister und der andere Trumps Stabschef gewesen sei, sagte Johnson vor einem Jahr. Aber die Unterstellung, es habe eine Verbindung zwischen ihnen gegeben, sei "ein linker Wahn".

Das Video legt dagegen nahe, dass die Verbindung intensiver war als von Johnson eingeräumt. Ein Sprecher des ehemaligen Außenministers sagte dem "Observer" dennoch, die Vorstellung, Johnson habe Rat von Bannon eingeholt, sei "lächerlich und fast eine Verschwörung".

Die Sache mit der Freundin

Der Bannon-Kontakt ist nicht die einzige Geschichte, die Johnson derzeit schaden könnte. Am Freitag berichtete der "Guardian", ein Nachbar der Freundin des Politikers habe die Polizei alarmiert, weil er in dessen Wohnung einen heftigen Streit gehört habe. Johnsons Weigerung, öffentlich zu dem Vorfall Stellung zu nehmen, war noch in den britischen Sonntagszeitungen ein Thema. Jeremy Hunt warf seinem Mitbewerber dieses Schweigen vor: Johnson müsse jetzt zeigen, dass er schwierige Fragen beantworten könne, sagte er.

Genau dies will Johnson vermeiden. Mit öffentlichen Auftritten, die er nicht selbst kontrollieren kann, hält er sich zurück. Auch die Teilnahme an einer für den morgigen Dienstag geplanten TV-Debatte mit Hunt lehnte er ab. Hunt sagte dazu in einem Interview an (den nicht anwesenden) Johnson gerichtet: "Sei kein Feigling, Boris".

Die eindeutige Position, die Hunt mit Blick auf den Brexit bei Johnson vermisst, bezieht sich nicht auf die Frage, welchen Austritt er bevorzugt. Die ist klar: In seiner aktuellen Kolumne für den "Daily Telegraph" verkündet Johnson, Großbritannien werde bis zum 31. Oktober auf jeden Fall die Europäische Union verlassen - bis zu diesem Termin läuft die aktuelle Brexit-Frist, die noch Premierministerin Theresa May vereinbart hatte.

Hunt, ebenfalls ein Brexit-Befürworter, bezweifelt, dass Johnson seine Versprechen wahr machen kann. Tatsächlich kündigten mehrere Tory-Abgeordnete an, sie würden ihrer eigenen Regierung das Misstrauen aussprechen, um einen No-Deal-Brexit zu verhindern.

Kontakte zu Steve Bannon, Probleme mit der Freundin, eine unklare Brexit-Strategie - auch wenn Johnsons Umfragewerte fallen, ist er längst nicht aus dem Rennen. Er gilt als "Mr. Teflon". Der "Observer" weist darauf hin, dass Bannon einmal auf diese Parallele zwischen Trump und Johnson hingewiesen hat: "Wenn man sich einige der Skandale rund um Trump ansieht - den Sexismus und den Rassismus. Nichts davon bleibt haften. Man kann ihm nichts anhaben."

Quelle: n-tv.de

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