Politik

Corona-Talk bei Markus Lanz Streeck: Im Frühjahr "beginnt die harte Arbeit"

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Das Gesundheitssystem müsse krisenfest gemacht werden, so der Virologe Hendrik Streek.

(Foto: picture alliance / Geisler-Fotopress)

Am heutigen Freitag wollen die Ministerpräsidenten der Länder mit Bundeskanzler Olaf Scholz neue Maßnahmen zum Kampf gegen Covid-19 beraten. Dabei soll es auch um die Verkürzung der Quarantäne-Zeiten gehen. Und so war Corona auch das Hauptthema bei Markus Lanz im ZDF.

Heute lernen wir zwei neue Wörter, die uns in den nächsten Wochen immer wieder begegnen werden - das eine schon am heutigen Freitag. Dabei handelt es sich um den CT-Wert. Der wird neben verschiedenen anderen Werten bei einem PCR-Test gemessen. Normalerweise zeigt der Test, ob man Corona-Viren im Atemraum hat oder nicht. Er zeigt aber nicht an, wie viele Viren vorhanden sind.

Nun kann es aber sein, dass man so wenig Viren hat, dass man niemanden mehr anstecken kann. Das kann man mit dem CT-Wert messen. Bei einem Wert von ungefähr 30 gehen die Wissenschaftler davon aus, dass jemand mit einem Coronavirus niemanden mehr anstecken kann. Die Ministerpräsidentenkonferenz will nun beschließen, dass eine Corona-Quarantäne auch mit einem positiven Testergebnis beendet werden kann, wenn der CT-Wert über 30 liegt. So könnten sich für Patienten mit Boosterimpfung die Quarantänezeiten möglicherweise halbieren. So ähnlich hat es Virologe Hendrik Streeck am Donnerstagabend auch bei Markus Lanz im ZDF erklärt.

Das zweite Wort ist noch einfacher zu verstehen: Endemie. Zurzeit stecken wir im Fall Corona in einer Pandemie, das Virus wütet überall auf der Welt. Bei einer Endemie gibt es das Virus immer noch, aber nur in bestimmten Teilen der Welt. Von einer Endemie spricht man auch, wenn bei einer Erkrankung wie Covid-19 die Infektionswellen immer weiter abflachen, sich also immer weniger Menschen anstecken. Und darauf hoffen Wissenschaftler wie Hendrik Streeck in diesem Jahr.

"Nicht gleich die ganze Klasse in Quarantäne"

Interessant könnten die heutigen Vorschläge bei der MPK für Schülerinnen und Schüler werden. Die Kultusministerkonferenz habe sich am Mittwoch einstimmig für die Beibehaltung von Präsenzunterricht in den Schulen entschieden, sagt die schleswig-holsteinische Bildungsministerin Karin Prien von der CDU bei Lanz. Auch hier müssten sich die Quarantäneregeln ändern, meint Streeck. So müsse bei einem infizierten Schüler nicht gleich die ganze Klasse zu Hause bleiben, meint er. Laut einer Studie infizieren sich Kinder nicht so häufig wie Erwachsene mit der Omikron-Variante. Zudem werde in den Schulen jeden zweiten Tag getestet, in Berlin sogar täglich. Zusätzlich müssten die Schüler Masken tragen, die Klassenräume würden häufig gelüftet. Streeck spricht sich besonders für Lüften und Durchzug in den Klassenräumen aus. Was die häufig beschworenen Luftfilter brächten, sei selbst bei Aerosolforschern umstritten.

"Krankenhäuser müssen sich umstellen"

Omikron verbreite sich schnell, sei aber weniger gefährlich, fasst Streeck die aktuellen Forschungen zusammen. "Deutschland hat das Glück, dass wir dieser Welle voraus sind. Wir haben rechtzeitig Maßnahmen getroffen, und es wird deswegen bei uns nicht so einen hohen Anstieg geben wie in anderen Ländern", ist Streeck sicher. In England sei die Zahl der Patienten, die in Krankenhäusern behandelt werden müssen, um 30 Prozent gesunken, in Dänemark gar um 50 Prozent. Außerdem gebe es deutlich weniger Patienten auf den Intensivstationen.

Was das bedeutet? "Wir müssen uns darauf vorbereiten, dass die Intensivstationen vielleicht nicht mehr unser Nadelöhr sind, und wir müssen uns darauf vorbereiten, dass wir auf den normalen Stationen einen Patientenanstieg sehen werden." Damit kämen auf diese Stationen neue Aufgaben zu, denn dort müssten vermehrt Isolationsbetten und Einzelzimmer bereitgestellt werden. "Das sind alles gute Nachrichten", so der Wissenschaftler. Dennoch müssten wir uns auf die neue Variante einstellen, vor allem die kritischen Infrastrukturen.

Den Vorschlag von Gesundheitsministerium und Robert-Koch-Institut für die Ministerpräsidentenkonferenz zu den verkürzten Quarantänezeiten findet Streeck gut. Das träfe besonders für die Menschen zu, die in der kritischen Infrastruktur arbeiten und sich nach fünf Tagen freitesten könnten, um wieder zu arbeiten, wenn sie fit seien. Gleichzeitig lobt er, dass auch der CT-Wert in die Untersuchungen einbezogen werden soll.

"Übergang von Pandemie zu Endemie schleichend"

Ein besonderes Problem sieht Streeck darin, dass es keine Pläne gibt, wie wir von der Pandemie zur Endemie kämen. Es sei nicht einmal klar, wann wir von einer endemischen Lage reden könnten. "Es wird ein schleichender Übergang sein", sagt er. "Wir werden im Frühjahr einen Abfall der Infektionszahlen haben, und dann beginnt die harte Arbeit." Dann müsse das Gesundheitssystem krisenfest gemacht werden, aber vor allem müsse man in eine erneute Impfkampagne gehen. Streeck hofft, dass es dann auch einen Impfstoff gibt, der vor der Omikron-Variante schützt.

Allerdings spricht sich Streeck gegen eine Impfpflicht aus. Die sei nur dann sinnvoll, wenn man dadurch ein Virus ausrotten könne. Das sei bei Corona jedoch nicht möglich. Sein Vorschlag: "Wir sollten eher bei älteren Menschen und Risikopatienten im Herbst und Winter mit einer Impfkampagne für Auffrischungsimpfungen werben."

Quelle: ntv.de

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