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Ex-Machthaber soll vor Gericht Sudan will Al-Baschir an Den Haag ausliefern

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Omar al-Baschir war fast 30 Jahre im Amt.

(Foto: picture alliance/dpa)

Fast drei Jahrzehnte regiert Omar al-Baschir den Sudan mit harter Hand. Dann wird er vom Militär gestürzt. Wegen Kriegsverbrechen will ihn die Übergangsregierung nun nach Den Haag überführen. Vor dem Internationalen Strafgerichtshof soll ihm der Prozess gemacht werden.

Die Übergangsregierung im Sudan will nach eigenen Angaben den wegen Kriegsverbrechen gesuchten ehemaligen Staatschef Omar al-Baschir an den Internationalen Strafgerichtshof (ICC) in Den Haag ausliefern. "Diejenigen, die von dem Gericht beschuldigt werden, müssen dorthin gehen", sagte Mohamed al-Taischay, ein Mitglied des im Sudan derzeit regierenden Souveränen Rats. Eine Sprecherin vom ICC konnte die geplante Auslieferung noch nicht bestätigen.

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Dem im April 2019 gestürzten Al-Baschir werden Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit in der sudanesischen Krisenregion Darfur zur Last gelegt. Der Internationale Strafgerichtshof erließ deshalb 2009 Haftbefehl gegen Al-Baschir. Im Jahr 2010 folgte ein Haftbefehl wegen Völkermordes in der Provinz, wo nach UN-Angaben beim Vorgehen der Armee und verbündeter Milizen gegen Rebellengruppen seit 2003 mehr als 300.000 Menschen getötet wurden. Mehr als zwei Millionen Menschen wurden vertrieben.

Der 76-jährige Al-Baschir wurde bereits in Sudans Hauptstadt Khartum unter anderem wegen Korruption zu zwei Jahren Arrest verurteilt, zudem wird ihm in einem separaten Prozess Anstachelung zur Gewalt gegen Demonstranten und Mittäterschaft bei der Tötung Protestierender vorgeworfen.

Im Sudan hatten im Dezember 2018 Demonstrationen gegen den fast 30 Jahre lang autoritär regierenden Staatschef Al-Baschir begonnen. Im April 2019 wurde er schließlich gestürzt. Vorübergehend übernahm die Armee die Regierungsgeschäfte. Nach monatelangen und teils blutigen Massenprotesten wurde schließlich der sogenannte Souveräne Rat gebildet, der eine gut dreijährige Übergangsphase zur Demokratie in dem nordafrikanischen Staat leiten soll. Derzeit führt die Übergangsregierung Friedensgespräche mit etlichen Rebellengruppen in dem Land.

Quelle: ntv.de, jpe/AFP/dpa