Politik

Dalai Lama appelliert an Myanmar Südostasien streitet über Bootsflüchtlinge

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Beim Flüchtlingsgipfel in Bangkok weist der Vertreter Myanmars jede Verantwortung für die Minderheit der Rohingya von sich.

(Foto: dpa)

Obwohl Tausende Muslime aus Myanmar fliehen, hält sich die Regierung nicht für zuständig. Die Nachbarn versuchen, Druck auf das buddhistische Land auszuüben. Aus dem fernen Nepal meldet sich sogar der Dalai Lama. Haben seine Worte mehr Gewicht?

Myanmar hat sich beim Flüchtlingsgipfel der südostasiatischen Staaten in Thailand gegen die Vorwürfe der Vereinten Nationen zur Wehr gesetzt. "Was die Frage der illegalen Einwanderung von Bootsflüchtlingen betrifft, darf man mein Land nicht herausgreifen", sagte Myanmars Delegationsleiter Htin Lynn. Er reagierte damit auf die Forderung des Flüchtlingshilfswerks UNHCR, eine der Grundursachen der Flüchtlingskrise anzugehen und der muslimischen Minderheit der Rohingya die Staatsbürgerschaft zu verleihen.

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Der Dalai Lama ist Buddhist, tritt aber anders als seine Glaubensgenossen in Myanmar für die muslimischen Rohingya ein.

(Foto: REUTERS)

UNHCR-Vizedirektor Volker Turk hatte Myanmar zu Beginn des Treffens von 17 Staaten und mehreren internationalen Organisationen aufgerufen, "die volle Verantwortung für all seine Einwohner zu übernehmen". Letztendlich müsse es das Ziel sein, die Staatenlosigkeit der Rohingya zu beenden.

Die Internationale Organisation für Migration (IOM) stuft die Flüchtlingskrise in Südostasien als Teil der weltweit größten irregulären Migrationswelle der Menschheitsgeschichte ein.Rund 3000 Migranten sind seit Anfang Mai in Malaysia und Indonesien an Land gekommen, Tausende befinden sich vermutlich noch auf hoher See in Not. In Malaysia wurden zudem Massengräber von Flüchtlingen entdeckt, wahrscheinlich überwiegend Rohingya aus Myanmar.

Malaysia und Indonesien erklärten sich unter internationalem Druck zur vorübergehenden Aufnahme von Flüchtlingen bereit, nachdem sie deren Boote zunächst abgewiesen hatten. Auch Myanmar signalisierte Bereitschaft zu humanitärer Hilfe.

Angeblich illegale Einwanderer

Die Rohingya sind als Muslime im mehrheitlich buddhistischen Myanmar systematischer Diskriminierung ausgesetzt. Die Regierung bezeichnet sie als illegale Migranten aus dem benachbarten Bangladesch und lehnt bislang jede Verantwortung für die Volksgruppe ab.

Auch das Oberhaupt der Tibeter, der Dalai Lama, schaltete sich in die Debatte ein. Der Buddhist sagte der australischen Zeitung "The Australian", er finde die Situation der Rohingya "sehr traurig". "Ich hoffe, dass Aung San Suu Kyi als Nobelpreisträgerin etwas tun kann", fügte der Dalai Lama hinzu. Er ist selbst Träger des Friedensnobelpreises. Myanmars Oppositionsführerin Suu Kyi hat sich bisher aber noch nicht dazu geäußert. Ein Grund könnte sein, dass sie vor der Parlamentswahl im November keine Wähler verschrecken will.

Thailands Außenminister Tanasak Patimpragorn hatte bei der Eröffnung der Konferenz gemahnt, dass die Krise nur über internationale Zusammenarbeit gelöst werden könne. Man müsse aber auch die Ursachen für die Flucht der Migranten ansprechen. Auf der Konferenz mit Vertretern aus 17 Ländern soll ein Regelwerk zur Lösung des Flüchtlingsproblems geschaffen werden. Der Begriff "Rohingya" wurde auf der Konferenz möglichst vermieden. Einige Delegierte sprachen von "boat people". Auch Türk, der Rechte der Volksgruppe direkt ansprach, sprach lieber von Flüchtlingen.

Quelle: ntv.de, nsc/AFP/dpa