Politik

Hatte Praljak Hilfe von außen? Suizid mit Gift stellt Ermittler vor Rätsel

Der letzte Verhandlungstag des UN-Tribunals in Den Haag endet dramatisch. Der bosnisch-kroatische Kriegsverbrecher Praljak begeht im Gerichtssaal durch Einnahme eines Gifts Suizid - Reste davon weisen die Ermittler nach. Doch wie kam die Ampulle ins Gericht?

Nach dem Suizid des bosnisch-kroatischen Kriegsverbrechers Slobodoan Praljak vor dem UN-Tribunal haben die Ermittler Spuren von Gift entdeckt. Das bestätigte ein Sprecher der niederländischen Staatsanwaltschaft der Deutschen Presse-Agentur in Den Haag. "Es handelt sich um einen chemischen Stoff, der für Menschen tödlich sein kann." Welcher Stoff es war, sagte er nicht.

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In seiner Heimat gilt der verurteilte Kriegsverbrecher bis heute als Held.

(Foto: REUTERS)

Die niederländische Staatsanwaltschaft hatte zuvor Ermittlungen eingeleitet. Dabei sollen unter anderem die Fragen beantwortet werden, woran Praljak starb und ob er bei der Beschaffung des mutmaßlichen Gifts Hilfe von außen hatte, erklärte die Staatsanwaltschaft in Den Haag. Gerätselt wird derzeit, wie es dem zu 20 Jahren Haft Verurteilten gelingen konnte, das Fläschchen mit der Substanz trotz der strengen Sicherheitsauflagen in das Gericht zu schmuggeln. Auch ist unklar, wie Praljak womöglich in dem Den Haager UN-Haftzentrum die fragliche Flüssigkeit erhalten konnte.

Praljak hatte zunächst lautstark protestiert, als der Internationale Strafgerichtshof für das ehemalige Jugoslawien (ICTY) in dem Berufungsverfahren die Haftstrafe gegen ihn bestätigte. Dann zückte er ein braunes Fläschchen und trank es aus. Zunächst wurde das Verfahren fortgesetzt, doch dann rief der Anwalt Praljaks: "Mein Mandant sagt, er habe Gift genommen." Das Verfahren wurde unterbrochen, der 72-Jährige wurde ins Krankenhaus gebracht, wo er kurze Zeit später starb.

In der Heimat verehrt

Praljak war unter anderem für schuldig befunden worden, im November 1993 die Zerstörung der alten Brücke von Mostar aus osmanischer Zeit angeordnet zu haben. Dadurch sei der muslimischen Zivilbevölkerung "unverhältnismäßig großer Schaden" entstanden, hatten die Richter im ersten Prozess geurteilt. Die zerstörte Brücke von Mostar war zu einem Symbol des bosnisch-kroatischen Krieges geworden, die Stadt selbst war der Schauplatz der schwersten Gefechte, in deren Verlauf fast vier Fünftel des Ostens der Stadt zerstört wurden.

Trotz der ihm vorgeworfenen Verbrechen gilt Praljak für viele in seiner Heimat bis heute als Held. Kroatiens Regierungschef Andrej Plenkovic kondolierte der Familie des verurteilten Kriegsverbrechers. Zugleich kritisierte er die Arbeit des Gerichtshofs scharf. Am Mittwoch zeigte sich auch die Stadt Mostar einmal mehr gespalten: während auf der kroatischen Seite Hunderte Menschen Kerzen für den Toten anzündeten und beteten und die Flaggen auf halbmast waren, war der bosnische Osten der Stadt am Abend wie leergefegt.

Quelle: n-tv.de, jgu/AFP

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