Politik

Assad nimmt Nordost-Aleppo ein Syriens Widerstand gerät ins Wanken

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Assad-treue Soldaten in einem von den Rebellen zurückeroberten Viertel.

(Foto: dpa)

Große Teile Aleppos kann die syrische Armee von den Rebellen zurückerobern. Nun wollen Assads Truppen auch den Rest der größten Stadt des Landes zurück. Die Folgen für den weiteren Verlauf des Konflikts wären erheblich.

Bereits wenige Monate nachdem der syrische Machthaber Baschar Al-Assad im Frühling 2011 die Proteste gegen ihn niederschießen ließ und damit einen Bürgerkrieg in dem Land auslöste, sah es danach aus, als habe der Widerstand eine reelle Chance, den Diktator zu stürzen. Innerhalb kurzer Zeit konnten die Rebellen, allen voran die Freie Syrische Armee, große Teile des Landes unter ihre Kontrolle bringen. Im Norden bekämpften kurdische Gruppen Assad, im Osten riefen die Extremisten des sogenannten Islamischen Staates ihr Kalifat aus. Wenig deutete darauf hin, dass es in Syrien eine Zukunft für einen Präsidenten Assad geben könne. Doch das Blatt hat sich gewendet.

Die Meldung, dass Soldaten der syrischen Armee in Aleppo die Stadtteile Al-Sachur und Al-Haidarija unter ihre Kontrolle bringen konnten, könnte nun den Wendepunkt in dem erbitterten Krieg darstellen, der inzwischen mehr als 300.000 Menschen das Leben gekostet hat. Denn in der einst stolzen Handelsmetropole und wirtschaftlichem Zentrum des Landes liegen die Frontlinien aller in dem Konflikt kämpfenden Parteien nahe beieinander.

In den vergangenen Monaten war es der syrischen Armee gelungen, einen Belagerungsring um Ost-Aleppo zu schließen. Ost-Aleppo selbst ist seit 2012 in der Hand der Rebellen. Daran schließt sich, ebenfalls im Nordosten ein Gebiet an, das syrische Kurden kontrollieren. Nur rund 15 Kilometer östlich des Stadtzentrums schließlich beginnt das Herrschaftsgebiet des IS, welches wiederum wenige Kilometer weiter durch die Operation "Euphrates Shield" der türkischen Armee und ihrer Verbündeten unter Druck gerät.

Fällt Aleppo, wankt der Widerstand

Diese Konstellation verlieh dem Kampf um die Stadt bereits in der Vergangenheit den Namen "Die Mutter aller Schlachten". Wer Aleppo für sich gewinnt, gewinnt den Krieg, so ließe sich das auch verstehen. Und in der Tat ist die Lage für den Widerstand in dem Land so schlecht wie seit dem Beginn des Bürgerkrieges nicht mehr. So kommentiert auch die oppositionsnahe Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte in London den Erfolg der syrischen Armee.

In Aleppo haben die Rebellen durch den Schlag der Armee riesige Gebiete ihres bisherigen Einflussbereichs verloren. Von den kurdischen Truppen im Nordosten der Stadt heißt es, sie hätten eine Übereinkunft mit der syrischen Armee getroffen. Gehen Assads Truppen weiter mit ähnlicher Entschlossenheit vor, ist auch die vollständige Rückeroberung Aleppos in greifbarer Nähe.

Die regierungsnahe syrische Zeitung "Al-Watan" berichtet, die Soldaten kämen bei ihrer Offensive schnell voran. Sie wollten nun als nächsten Schritt die verbleibenden Rebellengebiete erobern und in "Sicherheitsbezirke" unterteilen, um sie leichter kontrollieren zu können. Die Rebellen könnten sich dann ergeben oder ein Angebot der Regierung zur "nationalen Aussöhnung" annehmen. Derzeit deutet nichts darauf hin, dass die Rebellen der syrischen Armee, die Dank russischer Unterstützung immer mehr Kräfte mobilisieren kann, in Aleppo irgendetwas entgegensetzen könnte.

Fällt Aleppo, verliert auch der syrische Widerstand entscheidend an Bedeutung. Nachdem auch die Großstadt Homs im September von der syrischen Armee zurückerobert wurde, bliebe den Rebellen als größeres Territorial praktisch nur noch die Provinz Idlib im Nordwesten des Landes. Dass vereinzelte von Rebellen kontrollierte Gebiete, die isoliert an mehreren Orten des Landes liegen, allein durch den symbolischen Wert einer Niederlage in Aleppo entscheidend geschwächt würden, steht außer Frage.

Baschar Al-Assad, danach sieht es derzeit aus, hält Wort und ist dabei, das Land wieder unter seine Kontrolle zu bringen. Nach Jahren des Bürgerkriegs würde sich damit derselbe Präsident an der Spitze des Staates behaupten, der den Krieg durch seinen Schießbefehl auf Demonstranten vor über fünf Jahren erst auslöste.

Quelle: ntv.de

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