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Beauftragter schlägt Alarm Täglich werden Hunderte Kinder missbraucht

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Der Missbrauchsskandal in Lügde hat sich zu einem Behörden- und Polizeiskandal ausgeweitet.

(Foto: picture alliance/dpa)

Aus Nordrheinwestfalen werden immer neue, schockierende Details zum Missbrauchsskandal in Lügde bekannt. Laut dem zuständigen Beauftragten der Bundesregierung ist der Fall symptomatisch für die dramatische Situation in Deutschland. Die Beamten in vielen Behörden seien überfordert.

Anlässlich des systematischen Kindesmissbrauchs im westfälischen Lügde zieht der Bundesregierung für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs, Johannes-Wilhelm Rörig, eine niederschmetternde Bilanz für den Kinderschutz in Deutschland. In Deutschland werden täglich Hunderte Kinder und Minderjährige vergewaltigt oder sexuell missbraucht, schätzt Rörig. "Der sexuelle Missbrauch gehört leider zum Grundrisiko einer Kindheit in Deutschland", sagte er dem Nachrichtenportal "t-online.de". Seit den Beratungen des "Runden Tisches" vor etwa neun Jahren habe sich daran nichts geändert. "Es ist leider kein erkennbarer Rückgang sexueller Gewalt gegen Minderjährige zu verzeichnen".

Auf dem Campingplatz sollen über Jahre mindestens 31 Kinder im Alter zwischen 4 und 13 Jahren missbraucht und dabei gefilmt worden sein. Wie das Polizeipräsidium Bielefeld mitteilte, handelt es sich dabei um 27 Mädchen und 4 Jungen. Drei Verdächtige sitzen bereits in Untersuchungshaft.

Der Fall ist mittlerweile auch zu einem Polizei- und Behördenskandal geworden, weil sich unter anderem herausstellte, dass Beweismittel verschwanden. Entsprechende Vorwürfe gegen den inzwischen verhafteten Hauptverdächtige waren Polizei und Jugendamt seit 17 Jahren mehrfach gemeldet worden, ohne dass Ermittlungen eingeleitet worden waren.

Um Kindesmissbrauch wirkungsvoll zu bekämpfen, fordert Rörig neue Strukturen und eine bessere Ausbildung der zuständigen Mitarbeiter in allen Behörden. "Zur bestmöglichen Kooperation und ressortübergreifenden Koordination sollten Missbrauchsbeauftragte in allen Bundesländern eingerichtet werden", sagte "t-online.de". Rörig kritisierte zudem die schlechte Personalausstattung und mangelhafte Ausbildung vieler Beamter. Ganz grundsätzlich sei es so, "dass Beamte nicht ausreichend qualifiziert und fortgebildet sind im speziellen Feld der sexuellen Gewalt gegen Minderjährige", sagte Rörig zu t-online.de. "Wir brauchen deshalb Kompetenzzentren bei den Polizeibehörden der Länder."

Rörig schlug auch eine andere Struktur der Gerichte vor: "Wichtig wären Schwerpunktgerichte auch für Jugendschutzverfahren, wie wir sie zum Beispiel für Wirtschaftsstrafsachen haben. Durch eine solche Konzentration könnte der Rechtsstaat viel konsequenter gegen Straftäter vorgehen."

Zudem müssten mehr Stellen geschaffen werden: "Der Mangel an qualifizierten Mitarbeitern ist tatsächlich bundesweit ein Riesen-Problem", sagte Rörig. "Es fehlt oft eine ausreichende und qualifizierte Personalausstattung." Mit Blick auf die Ermittlungen in Lügde sagte er weiter, er könne nicht nachvollziehen, "dass ein Anwärter damit betraut wurde, hochsensibles elektronischen Beweismaterialien zu untersuchen."

Quelle: n-tv.de, mbo

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