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"Nicht offensiv religiös" Täter war "stiller Einzelgänger"

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Ermittler in der Wohnung des Attentäters.

(Foto: AFP)

Seit dem Morgen durchsuchen Ermittler die Wohnung von Mohamed Lahouaiej Bouhlel. Der Mann, der versucht hat, möglichst viele Menschen zu töten, passt bisher nicht in das Muster eines islamistischen Attentäters.

Wer war der Mann, der in Nizza mit einem Lkw gezielt in eine Menschenmenge raste? Offenbar handelte es sich um einen 31-jährigen Mann aus Nizza. Der Name des Mannes wurde bisher noch nicht offiziell bekannt gegeben. Laut "Nice Matin" heißt er Mohamed Lahouaiej Bouhlel. Auf diesen Namen sei jedenfalls der Ausweis ausgestellt gewesen, der in dem Lkw gefunden wurde. Bouhlel wurde in Tunesien geboren, lebte aber schon lange in Frankreich.

Nachbarn haben den 31-Jährigen als stillen Einzelgänger beschrieben. Der Mann habe nie gegrüßt, wenn man sich im Treppenhaus des vierstöckigen Gebäudes in Osten von Nizza getroffen habe, sagten Nachbarn. Ein Nachbar sagte, der 31-Jährige sei nicht offensiv religiös aufgetreten, er habe häufig Shorts getragen. Nachbarin Alexia, die in der selben Etage wohnt, wechselte nur ein einziges Mal ein paar Worte mit dem Mann - als er versehentlich den falschen Stromzähler abgestellt hatte. Eine Mieterin des Erdgeschosses sagte, der 31-Jährige sei "ein gut aussehender Mann" gewesen, der ihr aber ein Dorn im Auge war, weil er ihre Töchter "zu sehr angesehen" habe.

Ermittler durchsuchten die Wohnung des Attentäters. Die Straße wurde abgesperrt, Polizisten durchsuchten offenbar einen in der Nähe abgestellten weißen Kleinlastwagen, Spürhunde waren im Einsatz.

Er hatte sowohl die tunesische als auch die französische Staatsbürgerschaft. Inzwischen berichtete die Zeitung "Paris Match", es sei noch ein weiterer Ausweis gefunden worden. Ob sich der Attentäter eine falsche Identität zugelegt hatte, andere Erklärungen in Frage kommen oder tatsächlich ein bisher noch unbekannter Helfer involviert ist, ist unklar.

Hintermänner möglich

Den Lkw hatte er bereits vor ein paar Tagen im Südosten von Frankreich für die Tat gemietet. "Er war der Polizei wegen Gewalttaten und Waffengebrauch bekannt, hatte aber keine direkten Verbindungen mit Terrorismus", zitiert der britische "Telegraph" eine Polizeiquelle. Demnach stand der Mann nicht auf einer Gefährderliste der Geheimdienste.

Einem Sprecher des Innenministeriums zufolge hatte er im Lkw Feuerwaffenattrappen und eine nicht funktionierende Handgranate. Zunächst war nicht klar gewesen, ob es sich um echte Waffen oder Attrappen handelte. Außerdem seien ein Mobiltelefon und eine Kreditkarte gefunden worden. Nach Angaben von Augenzeugen fuhr er auf dem Boulevard ein Zick-Zack-Muster, um so viele Menschen wie möglich zu töten. Der Nachrichtenagentur AFP sagte eine nicht genauer bezeichnete Polizeiquelle: "Es ist eindeutig, dass er versuchte, maximale Verluste zu erreichen." Außerdem schoss er aus seinem Autofenster in die Menge.

Im Fernsehsender BFMTV berichtet ein Augenzeuge, er habe zuerst gedacht, dass der Lkw-Fahrer die Kontrolle über sein Fahrzeug verloren habe. "Er hat genau vor mir angehalten, nachdem er viele Leute überfahren hatte. Ich habe einen anderen Mann auf der Straße gesehen, wir haben gemeinsam versucht, mit dem Fahrer zu sprechen, damit er aufhört." Dann habe der Täter eine Waffe gezogen und auf Polizisten geschossen. "Sie haben ihn getötet und sein Kopf hing aus dem Fenster."

Nach Angaben von Christian Estrosi, dem Regionalpräsidenten und früheren Bürgermeister von Nizza, haben Überwachungskameras aufgezeichnet, wie der Angreifer weit weg vom Meer, "in den Hügeln von Nizza", den Laster bestieg. Weitere Kameras zeichneten seinen Weg bis zur Promenade auf. Estrosi zeigte sich überzeugt, dass der Mann Komplizen gehabt haben müsse. Innenminister Bernard Cazeneuve sagt, die Behörden arbeiteten daran, zu klären, ob er Helfer hatte. Bisher gibt es kein Bekennerschreiben.

Quelle: n-tv.de, sba/bdk/AFP

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