Politik

Taipeh sieht WarnsignaleTaiwan: China könnte Krieg im Nahen Osten ausnutzen

25.03.2026, 14:56 Uhr
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Im chinesischen Staatsfernsehen wird Ende Dezember über die Militärübung "Just Mission-2025" berichtet. (Foto: picture alliance / ASSOCIATED PRESS)

Die Streitkräfte der USA, des wichtigsten Verbündeten Taiwans, sind durch den Krieg im Nahen Osten gebunden. Die taiwanische Regierung fürchtet, dass dies Peking ermutigen könnte, seine eigenen Ziele verstärkt zu verfolgen. Dafür gebe es mehrere Anzeichen.

In Taiwan wächst die Sorge, dass China die durch den Iran-Krieg bedingte Ablenkung der USA ausnutzen könnte. Die Regierung in Taipeh warf der Volksrepublik vor, die Lage gezielt zu eskalieren, seit die USA Kräfte aus Ostasien verlegt haben. Als Beleg dafür wertet Taiwan die Wiederaufnahme von großangelegten chinesischen Lufteinsätzen nahe der Insel seit Mitte März. "Dies ist eine Gelegenheit für China, um Einfluss auszuüben", sagte ein hochrangiger Vertreter der taiwanischen Sicherheitsbehörden.

China versuche, Instabilität zu erzeugen, während die Präsenz der USA im Indopazifik in Richtung Naher Osten verlagert werde. Zudem warnt die Regierung vor einer "kognitiven Kriegsführung" Pekings. Chinesische Staatsmedien nutzten den Nahost-Konflikt, um Zweifel an der Wirksamkeit von US-Waffen zu säen, auf die Taiwan im Falle einer Invasion angewiesen wäre. So zitierte eine Webseite der staatlichen China Media Group einen Forscher mit der Aussage, Taiwans Radaranlagen würden bei einem Angriff "unmittelbar zerstört" werden.

Auch wird in KI-generierten Online-Videos behauptet, Taiwan stehe vor einer "verheerenden" Energiekrise. Gleichzeitig unterbreitet Peking Angebote wie etwa Energiesicherheit, sollte sich die Insel der Herrschaft der Kommunistischen Partei unterwerfen. Taiwans Regierung wies dies als Propaganda zurück. Ein Sprecher des US-Außenministeriums erklärte, die Fähigkeit des US-Militärs, auf gleichzeitige globale Bedrohungen zu reagieren, bleibe "gewaltig".

Nahost-Krieg gewährt China wertvolle Einblicke

Die USA bekennen sich demnach zu Frieden und Stabilität in der Taiwanstraße. Experten warnen jedoch, ein langer Krieg im Nahen Osten berge Risiken. Er könnte die US-Waffenbestände aufzehren, die Aufmerksamkeit vom asiatisch-pazifischen Raum ablenken und Chinas Präsident Xi Jinping in seiner Position gegenüber Taiwan stärken, sagte Chang Kuo-cheng, Professor für internationale Beziehungen an der Taipei Medical University. Zudem biete der Konflikt China eine Gelegenheit, US-Militäroperationen und Waffensysteme wie den F-35-Kampfjet zu beobachten.

Die kommunistische Führung betrachtet das demokratisch regierte Taiwan als Teil der Volksrepublik und droht regelmäßig mit einer Eroberung. Taiwans Verteidigungsminister Wellington Koo sagte dazu, Chinas Absicht, "uns mit Gewalt zu annektieren, hat schon immer bestanden". Man sei jedoch entschlossen, auf die eigene Landesverteidigung zu setzen, um die Souveränität zu schützen. Zur Stärkung der Verteidigungsfähigkeiten hat Taiwan zusätzliche Ausgaben in Höhe von 40 Milliarden US-Dollar vorgeschlagen.

Quelle: ntv.de, lar/rts

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