Politik

Impfstoff als Druckmittel Taiwan wirft China Vakzin-Erpressung vor

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Benutzt China sein Vakzin als diplomatisches Druckmittel?

(Foto: picture alliance / NurPhoto)

Gleich an mehreren Fronten erhöht China den Druck auf Taiwan. Der Inselstaat wirft der Volksrepublik vor, seine Impfstoff-Dosen als diplomatisches Mittel einzusetzen. Gleichzeitig meldet Taipeh auch weitere militärische Aktivitäten in seinem Luftraum.

Taiwan hat die chinesische Regierung beschuldigt, seine Verbündeten mit einer aggressiven "Impfstoff-Diplomatie" unter Druck zu setzen. Peking umwerbe Paraguay mit dringend benötigten Impfstoff-Lieferungen, um zu erreichen, dass das südamerikanische Land die diplomatische Anerkennung Taiwans aufgebe, sagte der taiwanische Außenminister Joseph Wu.

Paraguay ist eines von nur 15 Ländern, die Taiwan offiziell als souveränen Staat anerkennen. "Chinas Impfstoff-Diplomatie lässt ihre Muskeln in vielen Teilen der Welt spielen, insbesondere in Mittel- und Südamerika", sagte Wu. China ist für viele ärmere Länder eine wichtige Quelle für Corona-Vakzine, da die im Westen hergestellten Impfstoffdosen vor allem von den wohlhabenden Ländern aufgekauft werden. Die Regierung in Peking bestreitet allerdings, ihre Impfstoffe als diplomatisches Druckmittel einzusetzen.

Zudem hat sich zuletzt auch der militärische Druck auf Taiwan erhöht. Die Regierung in Taipeh meldet am heutigen Mittwoch den Eintritt von chinesischen Kampfflugzeugen in seine Luftraumüberwachungszone. Insgesamt seien 15 Luftfahrzeuge in den Bereich eingedrungen, darunter zwölf Jets, teilte das Verteidigungsministerium mit.

Taiwan: "Werden uns bis zum letzten Tag verteidigen"

Zuvor hatte ein Regierungsvertreter das Parlament bereits darüber unterrichtet, dass jüngst chinesische Drohnen unweit der von Taiwan kontrollierten und von China beanspruchten Pratas Inseln im Südchinesischen Meer gesichtet worden seien. In den von Taiwan ausgewiesenen Luftraum seien sie nicht eingedrungen.

Sollte dies jedoch passieren, könnte Taiwan - wenn nötig - das Feuer eröffnen, so der Leiter des Rates für Maritime Angelegenheiten, Lee Chung-wei. Zu Beginn der Woche teilte die Volksrepublik mit, dass eine Flugzeugträger-Gruppe vor Taiwan Routine-Übungen abhalte. Wo sich die Kriegsschiffe derzeit genau aufhalten, ist nicht bekannt. Die USA, die Taiwans Regierung unter anderem militärisch unterstützen, haben einen Flugzeugträger-Verband in das Südchinesische Meer entsandt.

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Taiwans Außenminister Joseph Wu sagte, sein Land sei bereit, Krieg zu führen, wenn es dies müsse. "Und wenn wir uns bis zum letzten Tag verteidigen müssen, werden wir uns bis zum letzten Tag verteidigen." Taiwans Verteidigungsministerium wiederum kündigte ein achttägiges, computergestütztes Manöver an, bei dem noch in diesem Monat ein Angriff Chinas simuliert werden soll.

Peking betrachtet Taiwan, das sich 1949 von China losgesagt hatte, als abtrünnige Provinz, die wieder mit dem Festland vereinigt werden soll - notfalls mit Gewalt. Seit der Wahl der Unabhängigkeitsverfechterin Tsai Ing-wen zur taiwanischen Präsidentin im Jahr 2016 hat Peking den diplomatischen, wirtschaftlichen und militärischen Druck noch erhöht. Seitdem warb Peking sieben von Taiwans offiziellen Verbündeten ab. Unter anderem sagten sich Panama, El Salvador und die Dominikanische Republik von Taipeh los und nahmen stattdessen Beziehungen zu China auf.

Quelle: ntv.de, ses/rts/AFP

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