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Freitag, 02. März 2018

"Er zählt schrecklich viel": Tajani wechselt bei Wahlsieg nach Italien

Antonio Tajani wäre nach Martin Schulz der nächste EU-Parlamentspräsident, der den Sprung in seine nationale Regierung sucht. Anders als der SPD-Politiker überspringt er aber den anstrengenden Wahlkampf und geht nur im Erfolgsfall.

EU-Parlamentspräsident Antonio Tajani wäre bei einem Wahlsieg der Konservativen am kommenden Sonntag in Italien bereit, den Posten des Ministerpräsidenten zu übernehmen. Zuvor hatte Ex-Regierungschef Berlusconi sich für Tajani als Regierungschef ausgesprochen, sollte sein Mitte-Rechts-Bündnis die Parlamentswahl gewinnen. Tajani dankte Berlusconi auf Twitter für dessen "Geste der Hochachtung" und schrieb: "Ich habe ihm heute Abend meine Bereitschaft erklärt, Italien zu dienen."

In Umfragen liegt das Bündnis aus Berlusconis Forza Italia, der rechtspopulistischen Lega Nord und der nationalkonservativen Fratelli d'Italia mit 35 bis 37 Prozent der Stimmen derzeit vorne. Innerhalb der Allianz gilt, dass diejenige Partei den Ministerpräsidenten stellt, die am besten abschneidet. Jeder könne verstehen, dass Tajani ein exzellenter Kandidat sei, erklärte Berlusconi, der als verurteilter Steuerhinterzieher selbst bis 2019 kein öffentliches Amt bekleiden darf. Italien zähle derzeit nicht viel in Europa und in der Welt. Tajani aber zähle "schrecklich viel, denn er ist der Präsident einer europäischen Institution, die direkt von den Bürgern Europas gewählt wurde".

Der EU-Parlamentspräsident ist einer der ältesten Weggefährten Berlusconis. Gemeinsam hatten sie 1994 mit drei weiteren Politikern die Forza Italia gegründet. In den vergangenen Wochen besuchte Tajani wiederholt Italien, um vor der Parlamentswahl für die Forza Italia zu werben. "Jetzt treffen unsere Mitbürger und der Staatspräsident alle weiteren Entscheidungen", schrieb Tajani auf Twitter.

Der 64-Jährige gilt als Politiker, der den Konsens sucht. Seit 1994 sitzt Tajani als Abgeordneter im EU-Parlament, bevor er 2008 in die EU-Kommission wechselte. 2014 schließlich kehrte er ins EU-Parlament zurück, dessen Präsident er im Januar 2017 nach dem Rückzug von Martin Schulz wurde. In Brüssel rechneten viele damit, dass Tajani zugunsten des Ministerpräsidentenpostens sein Amt im EU-Parlament niederlegt, sollte es zu einer Mitte-Rechts-Regierung in Italien kommen.

Quelle: n-tv.de