Politik

Scharia in Afghanistan Taliban bestrafen 27 Menschen mit Stockhieben

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Das Taliban-Regime hat sich seit seiner Machtübernahme im August 2021 immer weiter radikalisiert.

(Foto: picture alliance/dpa/AP)

Im Zeichen des islamischen Rechts wandelt sich die Herrschaft der Taliban in Afghanistan zusehends in ein Schreckensregime. Einen Tag nach einer öffentlichen Hinrichtung werden 27 Menschen in einer Provinz des Landes wegen "Unzucht" mit Stockhieben bestraft. Auch neun Frauen sind darunter.

Einen Tag nach der öffentlichen Hinrichtung eines Mannes haben die radikalislamischen Taliban in Afghanistan 27 Menschen mit Stockhieben öffentlich bestraft. Unter den 27 "Kriminellen" seien auch neun Frauen, teilte der Oberste Gerichtshof mit. Sie erhielten in Tscharikar, der Hauptstadt der Provinz Parwan, jeweils zwischen 20 und 39 Stockhiebe.

Laut Gericht waren sie unter anderem wegen "Unzucht", falscher Zeugenaussage, Fälschung, Drogenhandels, "Ausschweifungen", Raubs und "illegaler Beziehungen" verurteilt worden. Mehr als 1000 Menschen sahen der Vollstreckung der Strafe in einem Stadion zu, wie ein Augenzeuge der Nachrichtenagentur AFP sagte.

Taliban-Sprecher Sabihullah Mudschahid wies Kritik an der Strafaktion zurück. Darin zeige sich ein Mangel an "Respekt für den Glauben, die Gesetze und die internen Angelegenheiten der Muslime". Jeder der "Kriminellen" habe seine "Verbrechen" vor Gericht gestanden und "war zufrieden mit seiner Strafe", teilte das Gericht weiter mit.

Hinrichtung nach Vergeltungsprinzip

Einen Tag zuvor hatten die Taliban erstmals seit ihrer Rückkehr an die Macht einen Menschen öffentlich hinrichten lassen. Der wegen Mordes verurteilte Mann wurde nach Angaben der Taliban vor mehreren hundert Menschen in der Provinz Farah vom Vater des Opfers erschossen. Die Hinrichtung sei nach dem im islamischen Recht zulässigen Vergeltungsprinzip erfolgt.

Mitte November hatte Taliban-Chef Hibatullah Achundsada die Richter des Landes zur vollen Umsetzung des islamischen Rechts und seines Strafenkatalogs aufgefordert - dazu gehören öffentliche Hinrichtungen, Steinigungen und Auspeitschungen sowie bei Dieben die Amputation von Gliedmaßen.

Die radikalislamischen Taliban hatten bei ihrer erneuten Machtübernahme im August vergangenen Jahres zunächst angekündigt, weniger hart vorgehen zu wollen als während ihrer ersten Herrschaft von 1996 bis 2001. Inzwischen aber wird die Miliz immer radikaler.

Quelle: ntv.de, mau/AFP

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