Politik

Trotz Abkommen mit USA Taliban greifen wieder massiv an

35cc20f9c8caea5d8af82e781eb16420.jpg

Explosion einer Landmine in der Provinz Kandahar (Archivbild).

(Foto: imago images / Xinhua)

Gerade erst haben Taliban und USA ein historisches Abkommen unterzeichnet, das Frieden für Afghanistan bringen soll. Doch nun gibt es schon wieder Kämpfe. Das hat mit einem Streit über einen Gefangenenaustausch zu tun.

Die Taliban haben in Afghanistan Dutzende Militärstützpunkte der afghanischen Sicherheitskräfte angegriffen. Innerhalb eines Tages habe es mehr als 30 Angriffe in fast der Hälfte der 34 Provinzen gegeben, erklärte ein Sprecher des afghanischen Innenministeriums bei Twitter. Sechs Zivilisten kamen demnach dabei ums Leben, 14 weitere wurden verwundet. Auf gegnerischer Seite seien acht Menschen getötet und 15 weitere verletzt worden.

Gerade erst hatte die radikalmilitante Miliz mit den USA ein historisches Abkommen geschlossen, das eigentlich Friedensverhandlungen mit der afghanischen Regierung in Kabul vorsieht. Am Montag hatten die Taliban dann, nur zwei Tage nach der Unterzeichnung der Vereinbarung, die Teil-Waffenruhe mit den afghanischen Streitkräften bereits wieder aufgekündigt.

Laut dem Abkommen sollen die Regierung in Kabul und die Taliban am 10. März direkte Gespräche aufnehmen. Diese innerafghanischen Gespräche stehen nun aber wegen eines Streits um einen Gefangenenaustausch auf der Kippe. Vorgesehen ist, dass die Taliban bis zu 1000 Gefangene freilassen. Im Gegenzug soll die afghanische Regierung rund 5000 Taliban auf freien Fuß setzen. Präsident Ashraf Ghani hat sich jedoch geweigert, dem vor Beginn der Gespräche nachzukommen.

Gefangenen-Frage steht Verhandlungen im Weg

Vergangene Woche schickte die afghanische Regierung eine Delegation nach Katar, um "erste Kontakte" mit den Taliban aufzunehmen. Ein Sprecher der Miliz erklärte jedoch, die Taliban würden sich nur mit den Regierungsvertretern treffen, wenn diese zu Gesprächen über eine Freilassung der Gefangenen bereit seien.

Die Vereinbarung zwischen den USA und den Taliban sieht vor, dass die USA über die kommenden Monate ihre Truppenstärke in Afghanistan zunächst reduzieren; binnen 14 Monaten sollen dann alle US-Soldaten und ihre Nato-Verbündeten abziehen. Im Gegenzug sollen die Taliban dafür garantieren, dass sie das Terrornetzwerk Al-Kaida und die Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) bekämpfen sowie Friedensverhandlungen mit der afghanischen Regierung in Kabul beginnen.

Während die Befürworter in dem Abkommen einen entscheidenden ersten Schritt in Richtung Frieden sehen, befürchten viele Afghanen, dass es auf eine Kapitulation der USA hinausläuft, die letztlich die Rückkehr der Aufständischen an die Macht ermöglicht. Es war ein Wahlversprechen von US-Präsident Donald Trump gewesen, den Konflikt in Afghanistan zu beenden. 18 Jahre kämpfen US-Soldaten schon in dem Konflikt, länger als in jedem anderen Krieg.

Quelle: ntv.de, vpe/AFP