Politik

Afghanistan hofft auf Frieden Taliban lassen westliche Geiseln frei

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Die letzte Aufnahme von Timothy Weeks (l.) und Kevin King, die sich drei Jahre in der Hand der Taliban befanden.

(Foto: Youtube / Taliban video)

Nach mehr als drei Jahren in Geiselhaft werden zwei Professoren aus den USA und Australien von den afghanischen Taliban freigelassen. Im Gegenzug fliegt Kabul drei Kommandeure der islamistischen Terrorgruppe aus. Der Gefangenentausch gilt als Hoffnungsschimmer für Friedensgespräche.

Die afghanischen Taliban haben zwei westliche Geiseln als Teil eines Gefangenenaustauschs freigelassen. Das bestätigten die Familien des US-Staatsbürgers Kevin King und australische Regierungsvertreter in Erklärungen. King und der Australier Timothy Weeks waren im August 2016 vor der Amerikanischen Universität in Kabul entführt worden, wo sie als Professoren arbeiteten. Im Gegenzug wurden drei hochrangige Taliban-Mitglieder freigelassen. Der Gefangenenaustausch löste in Afghanistan Hoffnungen auf weitere Schritte im Friedensprozess aus.

King befinde sich nun bei Vertretern der US-Behörden und erhalte medizinische Versorgung, hieß es in der Mitteilung seiner Familie weiter. "Dies war eine lange und schmerzhafte Tortur für unsere gesamte Familie", wird die Schwester von Kevin King, Stephanie Miller, zitiert.

Auf der Facebook-Seite des australischen Premierministers Scott Morrisson hieß es, man sei "zutiefst erfreut und erleichtert" über die Freilassung von Weeks und King. Morrisson dankte den Regierungen der USA und Afghanistans für ihre unschätzbare Hilfe. Mindestens zwei Mal wurde in Kommando-Aktionen versucht, die beiden Professoren zu befreien. Beide Male sollen die Spezialkräfte die Geiseln knapp verpasst haben, weil sie nur kurz zuvor verlegt worden seien. 2017 hatte Weeks in einem Video die US-Regierung um Hilfe gebeten: "Wenn wir länger hier bleiben, werden wir getötet. Ich möchte hier nicht sterben."

Regierung bestätigt Hakkanis Freilassung

Es gibt keine offiziellen Informationen darüber, wie die Professoren freikamen. Nach Angaben afghanischer Regierungsbeamter, die namentlich nicht genannt werden wollten, wurde am Dienstag in drei Bezirken der südlichen Provinz Sabul für 48 Stunden eine Waffenruhe angeordnet. Ein Beamter sagte, die Professoren seien von "Amerikanern" aus dem Bezirk Nau Bahar abgeholt worden. Die Taliban bestätigten in einer Erklärung die Freilassung ihrer drei Mitglieder. Die Männer seien im Golfemirat Katar angekommen, sagte Taliban-Sprecher Sabiullah Mudschahid. In Doha betreiben die Taliban ein halboffizielles politisches Büro.

Unter den Freigelassenen ist Anas Hakkani, der jüngere Bruder des Anführers des Hakkani-Netzwerkes und Vize-Chefs der Taliban, Siradschuddin Hakkani. Er soll sich vor seiner Gefangennahme 2014 vor allem um die Finanzierung der Aktivitäten des Hakkani-Netzwerks gekümmert und Gelder aus den Golfstaaten besorgt haben. Das Hakkani-Netzwerk ist ein Flügel der Taliban, der für einige der grausamsten Anschläge in Afghanistan verantwortlich ist, darunter laut deutschen Sicherheitskreisen auch für den schweren Anschlag vor der deutschen Botschaft in Kabul im Mai 2017. Damals wurden mindestens 90 Menschen getötet.

Neben Hakkani sollten Hafis Abdul Raschid und Hadschi Mali Khan freigelassen werden. Raschid war Informationen der "New York Times" zufolge ein hochrangiger Taliban-Kommandeur, der Selbstmordattentäter ausgerüstet und ihre Ziele ausgewählt haben soll. Khan sei ein weiterer hochrangiger Befehlshaber. All diese Maßnahmen seien eine "gute Entwicklung im Bereich Vertrauensbildung" und Zeuge eines guten Willens, heißt es in der Taliban-Erklärung weiter. Sie würden den Friedensprozess unterstützen.

Hoffnung auf Frieden

Präsident Ghani hatte vergangene Woche erklärt, mit der - in Afghanistan auch scharf kritisierten - Freilassung der Taliban-Mitglieder wolle man auch den Weg für direkte Gespräche mit den Taliban ebnen, um Frieden und Stabilität in Afghanistan zu erreichen. Bisher hatten sich die Taliban geweigert, direkte Friedensgespräche mit der Regierung aufzunehmen, die sie als "Marionette" des Westens betrachten. Sie wollten dies erst tun, wenn sie sich mit den USA über einen Truppenabzug geeinigt haben.

US-Präsident Trump hatte im September kurz vor einer in Aussicht gestellten Einigung mit den Taliban mehr als ein Jahr laufende Gespräche mit den Islamisten für "tot" erklärt. Unmittelbarer Auslöser war ein Anschlag in Kabul, bei dem ein US-Soldat starb. Ende Oktober war der US-Sondergesandte für Afghanistan, Zalmay Khalilzad, erneut für mehrtägige Sondierungen in Afghanistan und Pakistan.

Beobachtern zufolge könnte der jetzige Gefangenenaustausch, der laut Taliban auch zehn afghanische Soldaten einschloss, ein Schritt zur Wiederaufnahme der USA-Taliban-Gespräche sein. Die Taliban hatten seit dem Abbruch der Gespräche mit den USA immer wieder Bereitschaft gezeigt, die Verhandlungen wieder aufzunehmen.

Quelle: ntv.de, lri/dpa