Politik
Telefon-Verbot in Afghanistan: In weiten Teilen des Landes fügen sich die Mobilfunkanbieter den Drohungen der Taliban.
Telefon-Verbot in Afghanistan: In weiten Teilen des Landes fügen sich die Mobilfunkanbieter den Drohungen der Taliban.(Foto: REUTERS)
Montag, 12. März 2018

Machtbeweis in Afghanistan: Taliban verhängen Handy-Sperre

Wie sicher ist die Lage in Afghanistan? Die Taliban legen in weiten Teilen des Landes Nacht für Nacht das Mobilfunknetz lahm. Die militanten Islamisten fürchten offenbar die elektronische Übermacht ihrer Gegner - sie zeigen zudem ihren enormen Einfluss.

In einer beispiellosen Machtdemonstration offenbaren die radikalislamischen Taliban, über wie viel Einfluss sie in Afghanistan mittlerweile wieder verfügen. Wegen eines nächtlichen Mobilfunkverbots sind mindestens fünf afghanische Provinzen ab 18.00 Uhr teilweise oder vollständig nicht mehr erreichbar. Das bestätigte ein Sprecher des Ministeriums für Kommunikation, Khan Saman Amarchel.

Video

Betroffen sind demnach die nordafghanischen Provinzen Kundus und Baghlan, wo bis vor einigen Jahren noch die Bundeswehr stationiert war, außerdem die ostafghanischen Provinzen Urusgan und Gasni sowie Helmand im Süden. Die Taliban hätten Mobilfunkanbietern damit gedroht, dass sie ihre Sendemasten zerstören würden, sollten sie die Dienste nicht freiwillig über Nacht abstellen, sagte Amarchel.

Hintergrund ist offenbar, dass die Aufständischen vermeiden wollen, über ihre Handysignaturen während der Nachtruhe aufgespürt zu werden. Ob die Maßnahme der Taliban die gefürchteten Drohnenschläge aus der Luft tatsächlich verhindern kann, ist noch unklar. In Kundus ist demnach fast die gesamte Provinz von der nächtlichen Mobilfunksperre betroffen, inklusive Teilen der Provinzhauptstadt. Dasselbe gilt für Urusgan. Auch in Gasni, Baghlan und Helmand könne man in Bezirken unter Talibankontrolle des Nachts nicht mehr telefonieren, sagte Amarchel.

Der Geltungsbereich der nächtlichen Handy-Sperre zeigt zunächst nur, in welchen Teilen des Landes die Taliban herrschen: Insgesamt stehen offiziellen Angaben zufolge mittlerweile mindestens 13,4 Prozent des Landes wieder vollständig unter der Kontrolle der Islamisten. Weitere 30 Prozent des Landes gelten nach Darstellung der afghanischen Regierung derzeit als "umkämpft". In der verbleibenden Hälfte des afghanischen Territoriums ist die Lage nicht viel sicherer. Selbst in der Hauptstadt Kabul kommt es immer wieder zu blutigen Anschlägen und teils sogar kurzen Gefechten.

Sim-Karte als Todesurteil

Die Drohungen der Taliban gegen Mobilfunkanbieter zeigt Wirkung: In einem Bericht des Instituts für Kriegs- und Friedensberichterstattung (IWPR) heißt es, dass sich alle vier großen privaten Anbieter des Landes - Etisalat, Roschan, AWCC und MTN - an die erzwungene Abmachung hielten. Nur der staatliche Provider Salam widersetze sich in manchen Gegenden noch.

Für Kunden des Mobilfunk-Anbieters bedeutet das unter Umständen Lebensgefahr. IWPR zitiert einen Informanten aus Baghlan, der sagt, die Taliban hätten gedroht, jeden zu töten, der mit einer Salam-Karte erwischt werde.

Datenschutz

Quelle: n-tv.de