Politik

Notlage im Süden von Texas Tausende Haitianer kampieren unter Brücke

a10064d56c73a2fc80c6c5a1394b3cb4.jpg

Haitianer passieren den Grenzfluss Rio Grande über einen Damm.

(Foto: AP)

Im Süden der USA spielt sich eine akute Migrationskrise ab. Tausende Menschen, offenbar überwiegend aus Haiti, kampieren in einer Stadt in Texas. Der Bürgermeister von Del Rio sendet einen eindringlichen Hilferuf nach Washington.

Angesichts von Tausenden Migranten, die in der US-Grenzstadt Del Rio unter einer Brücke kampieren, hat der dortige Bürgermeister Bruno Lozano dringend Hilfe des Bundes angefordert. Lozano veröffentlichte ein Video auf Twitter, in dem er mahnte, die Lage stelle große Gesundheits- und Sicherheitsrisiken dar. Das Coronavirus könne sich in der Menschenmenge schnell ausbreiten, ebenso wie andere Krankheiten. Außerdem bestehe Gefahr, dass es zu einer Massenpanik komme oder sich Terroristen unter den Migranten ins Land schmuggeln könnten.

"Wir brauchen schnelles Handeln der Regierung", forderte er. Seinen Angaben nach versammelten sich bis Donnerstagabend (Ortszeit) mindestens 10.500 Migranten unter der Brücke, die die USA und Mexiko verbindet und über den Fluss Rio Grande führt. Am Donnerstagmorgen seien es noch 8200 Menschen gewesen. Lozano sagte, die Migranten stammten überwiegend aus Haiti, kämen illegal ins Land und warteten darauf, von der US-Grenzschutzbehörde aufgegriffen zu werden. Diese sei jedoch überfordert angesichts des großen Andrangs. In Haiti hatte es kürzlich ein schweres Erdbeben gegeben. Das Land zählt zu den ärmsten Ländern überhaupt.

Die 36.000-Einwohner-Stadt Del Rio liegt im US-Bundesstaat Texas, direkt an der Grenze zu Mexiko. Lozano ist ein Demokrat, wie US-Präsident Joe Biden. Der Bürgermeister kritisierte jedoch schon vor Monaten, es sei völlig unzureichend, wie die Bundesregierung mit der Situation an der Südgrenze der USA umgehe. In den vergangenen Monaten ist die Zahl aufgegriffener Migranten an der US-Südgrenze zu Mexiko rasant gestiegen. Im Juli hatte die Grenzpolizei CBP nach eigenen Angaben rund 213.000 Menschen beim Versuch der illegalen Einreise aus Mexiko aufgegriffen - so viele wie seit gut 20 Jahren nicht mehr in einem Monat. Im August waren es laut CBP mehr als 208.000 Menschen gewesen.

Angesichts der Lage in Del Rio geriet Präsident Biden unter Beschuss - sowohl von Seiten der oppositionellen Republikaner als auch seiner Demokraten. Die Republikaner warfen Biden vor, mit seiner Entscheidung, Haitianern nach der Ermordung von Präsident Jovenel Moise Ende Juli einen Verbleib in den USA auch ohne gültiges Visum zu erlauben, weitere Migranten zur Reise in die USA zu motivieren. "10.503 illegale Ausländer befinden sich unter dieser Brücke, weil Joe Biden die politische Entscheidung traf, Abschiebeflüge nach Haiti zu stoppen", erklärte der republikanische Senator Ted Cruz.

Die demokratische Abgeordnete Ilhan Omar rief den Präsidenten dagegen auf, mehr zu unternehmen, um den Migranten zu helfen. "Lasst uns diesen Leuten helfen, die hier gestrandet sind, und schnell handeln, bevor diese herzzerreißende Situation unkontrollierbar wird."

Quelle: ntv.de, vpe/dpa/AFP

ntv.de Dienste
Software
Newsletter
Ich möchte gerne Nachrichten und redaktionelle Artikel von der n-tv Nachrichtenfernsehen GmbH per E-Mail erhalten.