Politik

Widerstand gegen neues Camp Tausende Migranten übernachten im Freien

Nach dem Brand im Flüchtlingslager Moria harren weiterhin Tausende Menschen im Freien aus. Viele weigern sich, in das neue Camp in Kara Tepe zu ziehen. Denn um das Lager machen negative Gerüchte die Runde.

Tausende Migranten haben auf Lesbos eine weitere Nacht im Freien verbracht. Mit dem ersten Tageslicht seien weitere Migranten ins provisorische Zeltlager von Kara Tepe eingezogen, teilte das Migrationsministerium mit. Alle würden auf Corona getestet. Bis Montagvormittag wurden insgesamt 550 Menschen in dem provisorischen Zeltlager aufgenommen. 14 von ihnen wurden bei einem Schnelltest als Corona-positiv diagnostiziert, hieß es aus Kreisen des Migrationsministeriums.

Viele Menschen zögern jedoch weiterhin, in das provisorische Camp zu gehen. Gerüchte machen die Runde, denen zufolge das Lager eine Art Gefängnis werden könnte, das niemand verlassen kann. Zudem hindern nach Augenzeugenberichten überwiegend aus Afghanistan stammende Migranten ihre Landsleute daran, ins Camp Kara Tepe zu gehen, wie es aus Regierungskreisen heißt.

Viele Migranten glauben, mit den Bildern vom Elend der Menschen, die weltweit gezeigt werden, könnten nun alle Migranten zum griechischen Festland und danach nach Westeuropa gebracht werden. Der stellvertretende Migrationsminister Giorgos Koumoutsakos hält dem allerdings entgegen: "Wer denkt, er könne zum Festland und dann nach Deutschland reisen, der soll es vergessen."

Die griechischen Sicherheitskräfte bereiten nach Informationen örtlicher Medien in den nächsten Tagen eine umfangreiche Aktion vor, um alle Migranten von den Straßen zu holen und ins Zeltlager zu bringen. Der griechische Minister für Bürgerschutz, Michalis Chrysochoidis, hatte bereits am Vortag die radikalen Migranten gewarnt: Wer Menschen daran hindere, ins Lager zu gehen, müsse mit harten Strafen rechnen, sagte er im Staatsfernsehen.

Quelle: ntv.de, can/dpa