Politik

Demos gegen Corona-Politik Tausende protestieren in Rom und Zagreb

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Einige der Demonstranten halten Corona für eine Lüge und fordern die Aufhebung der bestehenden Maßnahmen.

(Foto: picture alliance/dpa)

Zahlreiche Menschen demonstrieren in Kroatien und Italien gegen die Corona-Schutzmaßnahmen - ohne Mundschutz und ohne Abstand. Einige von ihnen knüpfen damit explizit an die Proteste in Berlin vor einer Woche an.

In Rom und Zagreb sind tausende Menschen gegen die Corona-Politik der italienischen und der kroatischen Regierung auf die Straße gegangen. In Zagreb nahmen mehrere tausend Menschen an einer Protestaktion unter dem Motto "Festival der Freiheit" teil. "Covid ist eine Lüge, wir sind nicht alle Covidioten" und "Nimm die Maske ab, schalte den Fernseher aus und genieße das Leben" stand auf Plakaten. Unter den Teilnehmern der Kundgebung war auch ein bekannter Popsänger, der als Impfgegner bekannt ist.

Aufgerufen zu der Kundgebung hatte die Initiative "Rechte und Freiheiten". Unter den Rednern und prominenten Teilnehmern waren vor allem Politiker und Publizisten vom rechten Rand des politischen Spektrums sowie Impfgegner und Verschwörungstheoretiker, die vor dem Ausbau des neuen 5G-Mobilfunknetzes warnen. Kroatien ist von der Pandemie relativ stark betroffen.

Kroatiens Gesundheitsminister Vili Beros erklärte, er könne den "nicht-wissenschaftlichen Ansatz" der Demonstranten nicht unterstützen. Alle Corona-Maßnahmen seine vorübergehend und hätten nur ein Ziel: "Die Gesundheit und das Leben der Kroaten zu schützen. Das haben wir geschafft".

Ein ähnliches Stimmungsbild wie in Zagreb zeigte sich auch bei den Demonstranten in Rom. Bei dem Protest auf einem Platz in der Innenstadt sprachen unter anderem Impfgegner, ein ultrarechter Politiker der Partei Forza Nuova und Elternvertreter. Sie kritisierten eine angebliche "Gesundheits-Diktatur". Schutzmaßnahmen wie die Maskenpflicht etwa in Schulen nannten sie "kriminell". Die Kinder müssten davor und vor Impfungen bewahrt werden.

Italiener beziehen sich auf Demos in Berlin

Die italienischen Demonstranten knüpften auf Plakaten an die Proteste vor einer Woche in Berlin an.

Die italienischen Demonstranten knüpften auf Plakaten an die Proteste vor einer Woche in Berlin an.

(Foto: picture alliance/dpa)

Die Polizei sprach vor Ort von geschätzt rund 2000 Menschen, darunter waren auch Schaulustige. Die Demonstranten knüpften auf Plakaten und in Reden ausdrücklich an die Proteste vor einer Woche in Berlin an. "Italien ist mit Berlin", stand auf einem Transparent. Auf einem Banner war zu lesen: "Noi siamo il popolo" (Wir sind das Volk), außerdem dass man gegen "big pharma" sei, also gegen Pharma-Riesen.

Kurz vor der Demonstration hatte Italiens Regierungschef Giuseppe Conte die Gegner von Anti-Corona-Maßnahmen zur Faktentreue aufgefordert: "Wir wollen mit einer laufenden Pandemie fertig werden. Heute gibt es in Rom eine Demonstration von Menschen, die glauben, dass sie nicht existiert. Ihnen antworten wir mit Zahlen", sagte Conte laut der Nachrichtenagentur Ansa auf einer Podiumsdiskussion in Rom. Außenminister Luigi Di Maio mahnte in einer Rede in Foggia in Apulien: "Ich fordere die Corona-Leugner auf, zumindest Respekt zu zeigen für die Familien der Toten."

Italien war das erste Land in Europa, das schwer von der Corona-Pandemie getroffen wurde. Bislang wurden dort fast 276.000 Infektionen und mehr als 35.500 Todesopfer verzeichnet. Seit dem Sommer breitet sich das Coronavirus wieder deutlich stärker in Italien aus. Einen erneuten Lockdown für das gesamte Land hat Regierungschef Giuseppe Conte aber ausgeschlossen.

Infektionen durch Tourismus gestiegen

Kroatien war zu Beginn dagegen vergleichsweise wenig von der Corona-Pandemie betroffen. Obwohl es keine strikten Beschränkungen gab, stieg die Zahl der täglichen Neuinfektionen monatelang nie über hundert. Seit Kroatien seine Grenzen für Touristen geöffnet hat, sind die Infektionszahlen aber stark angestiegen.

Am Samstag wurden 311 neue Ansteckungen mit dem Virus Sars-CoV-2 registriert, das die Lungenkrankheit Covid-19 auslösen kann. Die Zahl der aktiv Erkrankten in dem rund 4,2 Millionen Einwohner zählenden Land betrug am selben Tag 2771. 285 Patienten befanden sich in Behandlung in Krankenhäusern, 19 von ihnen an Beatmungsgeräten. Das Land an der Adria ist ein bei Deutschen beliebtes Urlaubsziel. Die Bundesregierung hat für drei Verwaltungsbezirke an der Adriaküste - Zadar, Sibenik-Knin und Split-Dalmatien - eine Reisewarnung ausgesprochen.

Quelle: ntv.de, hek/AFP/dpa

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