Politik

Islamistenpaar aus Oberursel Terrorverdächtige darf U-Haft verlassen

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In der Wohnung fanden die Ermittler unter anderem eine mit Nageln gefüllte Rohrbombe.

(Foto: picture alliance / dpa)

Die mutmaßliche Islamistin, die gemeinsam mit ihrem Ehemann einen Terroranschlag in Frankfurt geplant haben soll, ist wieder auf freiem Fuß. Der Haftrichter sieht keinen dringenden Tatverdacht mehr. Der Verteidiger der Frau ist trotzdem empört.

Mehr als zwei Monate nach der Festnahme eines mutmaßlich islamistischen Ehepaares aus dem hessischen Oberursel ist die Frau aus der Untersuchungshaft entlassen worden. Das Amtsgericht Frankfurt am Main hob bei einem Haftprüfungstermin den Haftbefehl gegen die 35-Jährige auf, wie ein Gerichtssprecher sagte. Der Haftrichter habe keinen dringenden Tatverdacht mehr gesehen. Insbesondere sah er es nicht als erwiesen an, dass verdächtige Chemikalien wirklich zur Herstellung eines Sprengsatzes gedacht gewesen waren und nicht zur Beseitigung von Schimmel, wie das Paar behauptet.

Die Ermittlungen werden aber trotzdem fortgesetzt, der Verdacht gegen das Paar ist nicht ausgeräumt. Der ebenfalls 35-jährige Ehemann sitzt zudem weiter in Untersuchungshaft. Gegen das Ehepaar wird wegen des Verdachts der Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Gewalttat und der Vorbereitung eines Explosions- oder Strahlungsverbrechens ermittelt.

Die beiden waren Ende April festgenommen worden. Die Ermittler fanden bei dem Paar eine mit Nägeln gefüllte "funktionsfähige Rohrbombe", Munition, Waffenteile, ein Übungsgeschoss für eine Panzerfaust und Chemikalien. Zudem wurden 24.000 Euro in bar sichergestellt. Der festgenommene Mann hatte den Ermittlern zufolge Kontakt zur radikalislamischen Salafistenszene. Dort galt er bisland jedoch eher als Randfigur. Deshalb wird spekuliert, dass die Eheleute nicht selbst einen Anschlag planten, sondern als Logistiker für Terroristen Material beschaffen und zusammenbauen sollten.

"Schande für die Justiz"

Die Polizei war dem Paar auf die Spur gekommen, weil es Ende März unter Angabe falscher Personalien in einem Baumarkt Wasserstoffperoxid gekauft hatte, ein möglicher Baustein für einen Sprengkörper. Eine aufmerksame Verkäuferin hatte daraufhin die Polizei alamiert. Als mögliches Anschlagsziel des Paares war das traditionelle Frankfurter Radrennen vermutet worden, das jedes Jahr am 1. Mai stattfindet. Daraufhin wurde das Rennen in diesem Jahr aus Sicherheitsgründen abgesagt.

Der Verteidiger der nun aus der U-Haft entlassenen Frau übte scharfe Kritik an der Justiz. "Spiegel online" sagte er: "Meine Mandantin hätte niemals festgenommen werden dürfen." Sie habe "keinerlei Kenntnis" von der Bombe gehabt, das habe sie auch immer wieder betont. Es sei "eine Schande für die Justiz", dass sie so lange gebraucht habe, zu dieser Erkenntnis zu gelangen.

Quelle: ntv.de, lou/AFP

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