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Nachfolgerin von Nicola Beer Teuteberg liegt noch vor Lindner

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Linda Teuteberg ist neue FDP-Generalsekretärin - Christian Lindner bleibt Parteivorsitzender.

(Foto: picture alliance/dpa)

Die neue Generalsekretärin Linda Teuteberg erhält beim FDP-Parteitag ein Ergebnis, das deutlich über dem von Christian Lindner liegt. Ein Signal Richtung Frauen und Osten soll die Wahl nicht sein. Strategisch passt sie dennoch gut ins Konzept.

Die Brandenburger Bundestagsabgeordnete Linda Teuteberg ist zur neuen Generalsekretärin der FDP gewählt worden. Die 38-Jährige erhielt auf dem Parteitag der Liberalen in Berlin 92,8 Prozent der Stimmen.

Ihre Bewerbungsrede war immer wieder von starkem Applaus unterbrochen worden - vielleicht von stärkerem Beifall, als die durchaus gute, aber nicht mitreißende Rede rechtfertigte. Teuteberg wurde offenbar nicht nur gewählt, weil FDP-Chef Christian Lindner sie vorgeschlagen hatte, sondern weil viele Delegierte von ihr überzeugt waren.

Teuteberg sagte in ihrer Rede, als sie vor rund zwanzig Jahren in die FDP eingetreten sei, sei das "damals im Osten Brandenburgs keine Massenbewegung" gewesen. "Aber es war eine der besten Entscheidungen meines Lebens." Sie habe sich oft dafür rechtfertigen müssen, in der FDP zu sein, "und wahrscheinlich haben einige hier im Saal ganz ähnliche Erfahrungen gemacht", auch in westdeutschen Regionen.

Für Feminismus und Heimat

Lindner, der kurz zuvor mit knapp 87 Prozent als Parteivorsitzender wiedergewählt worden war, hatte in seiner Rede betont, bei dieser Personalie gehe es nicht um Region oder Geschlecht. Als migrationspolitische Sprecherin habe Teuteberg gezeigt, dass die FDP auch bei diesem Thema eine Position der Mitte habe. Trotzdem dürfte die Wahl einer Frau aus dem Osten der FDP auch strategisch gut ins Konzept passen: Im Herbst stehen in Brandenburg, Thüringen und Sachsen drei Landtagswahlen an.

Beim Parteitag selbst ist auch der geringe Frauenanteil von kaum mehr als 21 Prozent in der FDP ein Thema. Konzepte wie Quoten oder Quoren, die in anderen Parteien üblich sind, stoßen bei den Liberalen auch unter Frauen auf Abwehr. In der Debatte sind jetzt Zielvereinbarungen, "um Frauen sichtbarer zu machen", wie Lindner sagte.

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Amtsvorgängerin Nicola Beer wird bei der Europawahl als Spitzenkandidatin der FDP antreten.

(Foto: picture alliance/dpa)

Dass sie eine Frau sei und aus dem Osten der Republik komme, sei "eine selbstverständliche Realität", sagte Teuteberg. Sie warb dafür, Begriffe wie "Feminismus" und "Heimat" liberal und weltoffen zu besetzen und nicht den politischen Gegnern zu überlassen. Ohne dies ausdrücklich so zu sagen, warb sie erkennbar für "FDP pur". Es gebe Ratgeber, die der FDP sagten, sie solle mehr werden wie die Grünen, die in den Umfragen so gut dastünden, oder wie die CDU, die praktisch immer regiere. Früher sei der FDP auch die SPD als Vorbild empfohlen worden, das habe jedoch nachgelassen. "Aber alle diese Ratgeber haben das Wesen des politischen Liberalismus nicht verstanden."

Mit einem indirekten Seitenhieb auf Bundeskanzlerin Angela Merkel sagte Teuteberg, Deutschland brauche keine asymmetrische Demobilisierung. "Wir brauchen eine Mobilisierung für unsere freiheitliche Verfassung, für unseren liberalen Lebensentwurf."

40 Prozent bei Stefan Raab

Teuteberg wandte sich deutlich gegen den Vorstoß der Linkspartei, einen Untersuchungsausschuss zur Treuhandanstalt einzurichten. Zugleich sagte sie, der Strukturwandel im Osten sei eher ein "Strukturschock" gewesen. Dennoch habe der Osten eigene Stärken. "Und die sollten wir zum Thema machen und stärken."

Ein bisschen Pathos gab es in ihrer Rede auch: Teuteberg erinnerte an den Liberalen Arno Esch, der 1949 in der Sowjetischen Besatzungszone verhaftet und zwei Jahre später in Moskau hingerichtet wurde. Esch habe gesagt: "Wir wissen, dass der Liberalismus ein Grundpfeiler der Zukunft sein kann, wenn wir es wollen, und dass er es sein wird, weil wir es wollen."

Teuteberg ist seit 2017 Mitglied des Bundestags. Von 2009 bis 2014 saß sie im brandenburgischen Landtag, seit 2011 gehört sie dem Bundesvorstand an. Ihre Heimatzeitung, die "Märkische Allgemeine" erinnerte kürzlich daran, dass Teuteberg als Landtagsabgeordnete durchaus umstritten war, bei einem Auftritt in der Talksow "Absolute Mehrheit" von Stefan Raab 2013 jedoch die Zuschauer klar überzeugte: Mit 40 Prozent Zustimmung schnitt sie damals am besten ab. Dieses Ergebnis hat sie beim Parteitag in Berlin noch deutlich getoppt.

Quelle: n-tv.de

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