Politik

Drei Finger gegen die Regierung Thailands Junta fürchtet "Tribute von Panem"

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Junge Frau bei einer Filmpremiere in Bangkok: Das Drei-Finger-Zeichen wird im Verlauf der "Tribute"-Reihe zum Symbol des Widerstands gegen die Regierung.

AP

Seit dem Putsch des Militärs im vergangenen Mai herrschen in Thailand strenge Verbote gegen politisches Engagement der Bürger. Die reagieren, indem sie sich ein Symbol der "Tribute"-Reihe zu eigen machen - und riskieren, für Kinobesuche verhaftet zu werden.

Die thailändische Militärregierung ist wegen des Films "Die Tribute von Panem" in Aufregung. Die seit einem Putsch im Mai machthabende Junta fürchtet, dass die im Film thematisierte Revolte eines unterdrückten Volkes auf die Bevölkerung Thailands inspirierend wirken könnte.

  So waren am Mittwoch in der Hauptstadt Bangkok fünf Studenten vorübergehend festgenommen worden, weil sie Premierminister Prayut Chan-O-Cha mit dem Drei-Finger-Zeichen begrüßt hatten, welches in dem Film der Gruß der Aufständischen ist. Am Donnerstag wurden dann aus ähnlichen Gründen erneut eine Studentin verhaftet. Sie habe in einem Kino in Bangkok drei Mal ein "Antiregierungszeichen" gemacht, als dort die dritte Folge der "Tribute" Premiere hatte, sagte ein Polizeisprecher.

Ein Verhör solle nun Klarheit bringen, ob die Frau wegen der Tat in ein "Militärlager zur Verhaltensanpassung" gebracht werde, sagte Polizeioberst Kittikorn Boonsom. Und er bestätigte die Festnahme von zwei weiteren jungen Männern vor einem anderen Kino der thailändischen Hauptstadt, in dem die "Tribute" anlaufen sollten. In mindestens zwei Lichtspieltheatern wurde die Aufführung abgesagt.

"In Thailand gibt es keine Freiheit mehr"

Das Drei-Finger-Zeichen kommt in "Die Tribute von Panem" als Gruß der Bewohner von Distrikt 12 vor und wird im Verlauf der Reihe zum Erkennungssymbol des Widerstandes gegen die willkürlich herrschende Regierung. Seit dem Militärputsch ist die Geste in Thailand zum Protestsymbol geworden, nachdem im Zuge des Umsturzes politische Ansammlungen von mehr als fünf Menschen durch die Armee verboten wurden. In Thailand hatte es zuvor monatelang Unruhen gegeben, die drohten, das stark touristisch geprägte Land in ernste wirtschaftliche Schwierigkeiten zu bringen.

Inzwischen reicht offenbar schon eine Kinokarte für die "Tribute" aus, um den Argwohn der Militärjunta auf sich zu ziehen. Der Student Ratthapol Supasopon hatte Freikarten verteilt, bevor er festgenommen wurde. "Es ist nur eine Aktivität, um den Film zu sehen", sagte er kurz zuvor.

"Wir werden die drei Finger nicht zeigen. Jeder hat Angst, etwas Falsches zu sagen oder zu tun. Heute gibt es in Thailand keine Freiheit mehr." Der andere Student, der verhaftet wurde, hatte den Roman "1984" von George Orwell bei sich, in dem ein allgegenwärtiger Unterdrückerstaat beschrieben wird.

Quelle: n-tv.de, bwe/AFP

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