Politik

US-Soldat verhinderte Massenmord Thalys-Retter fühlt sich nicht als Held

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Stone rettete 2015 etlichen Passagieren des Schnellzugs das Leben - diese Aufnahme entstand kurz danach.

(Foto: picture alliance / dpa)

In Frankreich werden der frühere US-Soldat Spencer Stone und zwei seiner Freunde als Helden gefeiert, weil sie 2015 ein Massaker in einem Schnellzug verhinderten. Jetzt sagt der Amerikaner beim Prozess in Paris aus.

In dem Pariser Prozess um den Anschlag auf einen Thalys-Hochgeschwindigkeitszug vor gut fünf Jahren hat ein früherer US-Soldat ausgesagt, der den Täter mit Freunden überwältigte. Spencer Stone schilderte dem Gericht am Donnerstagabend per Videokonferenz, wie er sich auf den Attentäter Ayoub El Khazzani gestürzt hatte, der mit einer Kalaschnikow bewaffnet war. "Fühlen Sie sich wie ein Held?" fragte ihn der Vorsitzende Richter. "Nicht wirklich", antwortete der Amerikaner. "Mein Ziel war vor allem zu überleben."

El Khazzani hatte im August 2015 im Thalys von Amsterdam nach Paris zwei Menschen mit einer Schusswaffe und einem Messer verletzt. Dem 31-Jährigen, der sich vor dem Anschlag der Dschihadistenmiliz Islamischer Staat in Syrien angeschlossen hatte, werden versuchter Mord und Mitgliedschaft in einer Terrororganisation vorgeworfen. Ihm droht lebenslange Haft. Bei dem Anschlag in dem Zug wurde damals nur deshalb Schlimmeres verhindert, weil drei Touristen aus den USA - darunter zwei Soldaten - den Attentäter überwältigen konnten. Einer von ihnen war Stone.

"Ich sagte mir: 'Nachher ist es zu spät, er wird alle töten'", erinnerte sich der 28-jährige Stone an den Vorfall. Als er auf El Khazzani zugerannt sei, habe er gehört, wie dieser mehrfach auf den Abzug seiner Kalaschnikow gedrückt habe, ein Schuss habe sich aber nicht gelöst. "Ich war überrascht, dass ich die Zeit hatte, zu ihm zu gelangen."

Clint Eastwood verfilmte die Geschichte

Er habe den Marokkaner dann in den Würgegriff genommen, dieser habe aber eine Pistole gezückt und sie ihm an den Kopf gehalten, es habe erneut metallisch geklickt. "Das war das zweite Mal, dass er versuchte, mich zu töten", betonte Stone. Ein zweiter US-Soldat entwaffnete El Khazzani dann, aber dieser zog ein Teppichmesser und verletzte Stone damit schwer am Daumen und im Nacken.

Mit Hilfe anderer Passagiere gelang es den Soldaten schließlich, den "rasenden" El Khazzani niederzuringen. "Wir haben sicher ein Massaker verhindert", sagte Stone. Den Angaben des Täters, er habe Skrupel gehabt und deshalb nicht geschossen, schenke er keinen Glauben. Dieser hatte gestanden, einen Anschlag auf die Passagiere des Thalys geplant zu haben. Seine Anwältin Sarah Mauger-Poliak betont, er bereue die Tat und habe sich in der Haft "entradikalisiert".

Stone wollte ursprünglich in Paris aussagen, wurde aber bei Ankunft mit gesundheitlichen Problemen in eine Klinik eingeliefert und kehrte kurz darauf in seine Heimat zurück. Er und seine beiden US-Freunde waren nach dem Anschlag in Frankreich als "Helden" gefeiert und in die Ehrenlegion aufgenommen worden. Der US-Regisseur Clint Eastwood verfilmte den Fall unter dem Titel "The 15:17 to Paris", darin spielen sich Stone und seine beiden Freunde selbst.

Quelle: ntv.de, vpe/AFP