Politik

US-Soldaten überwältigen Angreifer Reisende verhindern Terroranschlag in Zug

Im Schnellzug zwischen Amsterdam und Paris lädt ein Mann auf der Toilette eine schwere Waffe. Zwei mitreisende US-Soldaten bemerken dies und greifen beherzt ein. Sie verhindern möglicherweise ein furchtbares Drama. Zu dem Angreifer lag eine Geheimakte vor.

Ein schwer bewaffneter Mann hat in einem Schnellzug von Amsterdam nach Paris das Feuer eröffnet und zwei Fahrgäste verletzt. Einer von ihnen ist Amerikaner. Dieser und ein weiterer US-Bürger haben dazu beigetragen, den Täter zu überwältigen. Die auf Terrorismus spezialisierte Staatsanwaltschaft aus Paris übernahm die Ermittlungen, wie die Behörde mitteilte. Zu dem Mann lag demnach eine Geheimdienstakte vor, er soll marokkanischer Abstammung sein.

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Der Mann hatte mehrere Schusswaffen und Magazine bei sich.

(Foto: REUTERS)

Die Regionalzeitung "La Voix du Nord" berichtete unter Berufung auf die Staatsanwaltschaft, zwei Männer hätten an Bord des Zugs gehört, wie der Mann eine schwere Waffe in einer Toilette geladen habe und seien daraufhin eingeschritten. Einer sei von einem Schuss getroffen worden, der andere mit einer Stichwaffe verletzt worden. Ein dritter Passagier verletzte sich leicht. Keiner der beiden schwebe in Lebensgefahr, teilte die Präfektur von Pas-de-Calais mit. Die beiden Amerikaner seien Soldaten in Zivilkleidung gewesen. Nachdem der Bewaffnete von ihnen überwältigt wurde, fuhr der Zug ins nordfranzösische Arras, wo die Polizei den Schützen festnahm.

Belgiens Premier spricht von Terroranschlag

Der eigentliche Vorfall ereignete sich laut französischem Präsidialamt noch auf belgischem Staatsgebiet. Frankreichs Präsident François Hollande telefonierte demnach mit Belgiens Premierminister Charles Michel. Die beiden vereinbarten, bei der Aufklärung der Tat eng zusammenzuarbeiten. Michel stufte am Abend die Attacke als Terroranschlag ein. "Ich verurteile den Terrorangriff im Thalys und drücke meine Anteilnahme für die Opfer aus." Hollande versprach: "Es wird alles getan, um Licht in dieses Drama zu bringen." Der Vorfall ereignete sich gegen 18.00 Uhr in einem Thalys-Zug.

Zum Motiv des Mannes gab es zunächst keine Angaben. In seinem Gepäck seien mehrere Schusswaffen entdeckt worden, verlautete aus Ermittlerkreisen. Die Terrorspezialisten der Pariser Staatsanwaltschaft übernahmen die Ermittlungen "angesichts der benutzten Waffe, den Umständen der Tat und des Kontextes", hieß es in einer Erklärung. Örtlichen Medienberichten zufolge handelte es sich bei der Waffe um eine Kalaschnikow.

Dank den Rettern

Frankreichs Premier Manuel Valls bedankte sich am Abend bei den beiden US-Soldaten. "Dank denen, die eingegriffen haben", teilte Valls mit. Innenminister Bernard Cazeneuve bezeichnete die Attacke als "barbarische Gewalt". Auch er dankte den Männern und sagte, ohne deren kühlen Kopf hätte es vielleicht ein "furchtbares Drama" gegeben.

Der US-Sender CNN veröffentlichte inzwischen ein Handyvideo aus dem Inneren des Zuges. Die Amateuraufnahmen zeigen die mutmaßlichen Attentäter, nachdem die Soldaten sie überwältigt haben.

Seit den islamistischen Anschlägen auf die Redaktion der Satire-Zeitschrift "Charlie Hebdo" und einen jüdischen Supermarkt im Januar hat Frankreich die Sicherheitsvorkehrungen erhöht. Die Attentäter töteten damals 17 Menschen. Im Juni köpfte ein mutmaßlicher Islamist seinen Chef und versuchte anschließend, eine Gasfabrik in die Luft zu sprengen. Im Juli hatte ein Überfall auf ein Einkaufszentrum bei Paris das Land in Schrecken versetzt. Hinweise auf einen extremistischen Hintergrund gab es damals aber nicht.

Quelle: ntv.de, ppo/AFP

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