Politik
Deutsche Tornados versorgen die Koalitionspartner regelmäßig mit Bildern, die zur Planung von Angriffen verwendet werden.
Deutsche Tornados versorgen die Koalitionspartner regelmäßig mit Bildern, die zur Planung von Angriffen verwendet werden.(Foto: dpa)
Mittwoch, 29. März 2017

Anti-IS-Bündnis tötet Zivilisten: Tornados liefern Bilder vor fatalem Angriff

Die Zahl ziviler Opfer bei Luftangriffen, die eigentlich IS-Kämpfern gelten, steigt zuletzt dramatisch an. Für eines dieser Bombardements in Syrien sollen auch Fotos deutscher Aufklärungsflugzeuge verwendet worden sein.

Bilder deutscher Aufklärungsflugzeuge aus Syrien haben einem Bericht zufolge mit zur Vorbereitung für einen Luftangriff mit zahlreichen zivilen Todesopfern gedient. Laut "Süddeutscher Zeitung", NDR und WDR fotografierten Tornados der Bundeswehr am 19. März 2017 einen Gebäudekomplex im Ort al-Mansoura nahe der IS-Hochburg Rakka. Am folgenden Tag bombardierte die internationale Anti-IS-Koalition ebendieses Gebäude und tötete syrischen Aktivisten zufolge bis zu 33 unschuldige Zivilisten.

Der Luftangriff stellte sich demnach als fataler Fehlschlag heraus. Anstatt wie angenommen um eine Stellung der IS-Terroristen habe es sich bei dem Gebäudekomplex um eine ehemalige Schule gehandelt, in der Flüchtlinge untergebracht waren. Dem Bericht zufolge informierte das Verteidiungsministerium die Mitglieder des Verteidigungsausschusses des Bundestags in einer geheimen Sitzung über den Vorfall.

Inwieweit die Bilder der Bundeswehr eine Rolle bei der Bombardierung spielten, blieb zunächst unklar. Laut Verteidigungsministerium vergeht zwischen Anfertigung solcher Bilder und einem Angriff stets einige Zeit. Dabei werden dann durch die Koalition zusätzliche Quellen herangezogen, etwa Drohnen oder menschliche Quellen, um zu entscheiden, ob das Ziel attackiert werden kann. Zu dem konkreten Sachverhalt wollte sich das Verteidigungsministerium nicht äußern.

Mehr Opfer unter Trump

Die im türkischen Incirlik stationierten deutschen Tornado-Jets machen hochauflösende Bilder von IS-Stellungen zur Identifizierung von Angriffszielen. Selbst fliegt die Bundeswehr keine Luftangriffe in Syrien oder dem Irak.

In den vergangenen Wochen hatte es mehrere Berichte über verheerende Luftangriffe mit insgesamt Hunderten getöteten Zivilisten in Syrien und dem Irak gegeben. Die Internetseite Airwars.org, ein Projekt von Journalisten, wirft den USA vor, die Zahl der zivilen Opfer bei Angriffen des Bündnisses sei in den vergangenen Monaten stark gestiegen. Unter US-Präsident Donald Trump habe sich diese Entwicklung noch weiter beschleunigt.

Quelle: n-tv.de