Politik

Auf Twitter diskreditiert Troll-Armee soll Khashoggi attackiert haben

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Auch die Unternehmensberatung McKinsey soll - wenn auch unbeabsichtigt - Saudi-Arabien beim Kampf gegen Kritiker geholfen haben.

(Foto: AP)

Im Fall des offenbar getöteten Jamal Khashoggi liegt zwar noch Vieles im Dunkeln, aber es werden auch immer mehr Details bekannt. So wurde der Journalist vor seinem Tod wohl systematisch bei Twitter ausgespäht und angegriffen.

Saudi-Arabien soll es mit gezielten Online-Attacken bereits vor dessen Tod auf den regimekritischen Journalisten Jamal Khashoggi abgesehen haben. Das berichtet die "New York Times". Mithilfe einer Troll-Armee sollen Khashoggi und andere Kritiker der Regierung auf Twitter über einen längeren Zeitraum angegriffen worden sein. Aus Riad sorgten Trolle so dafür, dass Khashoggi und andere auf der Plattform diskreditiert werden, heißt es in dem Bericht.

Außerdem habe die Regierung in Riad einen Spion bei Twitter eingeschleust, um dort Accounts regimekritischer Staatsbürger auszuspähen, berichtet die Zeitung weiter. Twitter wollte sich dazu nicht äußern. Auch die saudi-arabische Botschaft in Washington wollte den Vorwurf nicht kommentieren, so das Blatt.

Saudische Geheimagenten sollen bereits 2010 eine Kampagne initiiert haben, um politische Dissidenten in sozialen Medien zu attackieren und zu diskreditieren. Die Idee dazu soll von Saud bin Abdullah al-Kahtani stammen, einem der engsten Berater des Kronprinzen Mohammed bin Salman. Al-Kahtani war von seinem Posten als Berater entlassen worden, nachdem Saudi-Arabien den mutmaßlichen Mord von Khashoggi eingeräumt hatte.

Nutzte Riad McKinsey, um Kritiker auszuspähen?

Aus dem Bericht geht auch hervor, dass die Unternehmensberatung McKinsey den Auftrag gehabt haben soll, für Saudi-Arabien in Internetforen die öffentliche Auffassung von wirtschaftlichen Sparmaßnahmen zu analysieren. In dem Bericht aus dem Jahr 2015 hatte McKinsey die Regierung in Riad darüber informiert, dass Sparmaßnahmen von der öffentlichen Meinung in der Summe eher negativ bewertet würden. Außerdem gab das Beratungsunternehmen die Namen dreier Twitter-Nutzer weiter, die in der Diskussion besonders scharfe Kritik an Riad geübt haben sollen.

Kurz nachdem der Bericht an die saudi-arabische Regierung übergeben wurde, sei einer der Kritiker verhaftet worden, berichtet die britische Zeitung "The Times". Ein weiterer Dissident erklärte, die Regierung habe zwei seiner Brüder verhaftet sowie sein Mobiltelefon gehackt. Der Twitter-Account des dritten Regimekritikers soll gesperrt worden sein.

Die Unternehmensberatung äußerte sich in einer Stellungnahme "entsetzt" darüber, dass ihr Bericht dazu beigetragen haben könnte, gegen Menschen vorzugehen. Das Unternehmen ermittle nun, wer Zugriff auf den Bericht hatte. In der Stellungnahme hieß es weiter, McKinsey würde in seiner Arbeit mit Regierungen niemals riskieren, einen Bericht anzufertigen, der Menschen aufgrund ihrer Meinungen kriminalisieren könnte.

Quelle: n-tv.de, psa

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