Politik

Kein "Handel" für Häftlinge Trudeau lehnt Chinas Geiseldiplomatie ab

132775093.jpg

Will nicht zulassen, dass China das kanadische Justizsystem beeinflusst: Premier Trudeau.

(Foto: picture alliance/dpa)

Die chinesische Huawei-Finanzchefin sitzt in Kanada Haft, in China werden zwei Kanadier wegen Spionage angeklagt. Die Fälle sorgen für große Spannung zwischen den Ländern. Einen Handelsvorschlag aus Peking lehnt Ottawa nun ab - sonst sei "künftig kein Kanadier mehr sicher", so Premier Trudeau.

Im Fall zweier in China wegen Spionagevorwürfen angeklagter Kanadier hat Premierminister Justin Trudeau einen von der Regierung in Peking vorgeschlagenen möglichen Handel abgelehnt. Ein solcher Handel würde Millionen Kanadier in Gefahr bringen, sagte Trudeau bei einer Pressekonferenz.

Die "zufällige Festnahme von Kanadiern, um die Funktionen unseres Justizsystems zu beeinflussen" könne er nicht zulassen, sagte Trudeau weiter. "Wenn die chinesische Regierung von diesem Handel und dieser Interaktion mitnimmt, dass es eine effektive Art und Weise ist, Einfluss über Kanadier und die kanadische Regierung zu bekommen, dann wird künftig kein Kanadier mehr sicher sein."

Der chinesische Außenministeriumssprecher Zhao Lijian hatte zuvor gesagt, dass die in China angeklagten Kanadier Michael Kovrig und Michael Spavor davon profitieren würden, wenn die Finanzchefin des chinesischen Telekom-Riesen Huawei, Meng Wanzhou, freigelassen und nach China zurückgeschickt werde. Die geplante Auslieferung Mengs in die USA zu stoppen, wäre rechtmäßig und "hilfreich, um das Problem der beiden kanadischen Bürger zu lösen", sagte der Sprecher.

Kanadier wegen Spionage angeklagt

Der ehemalige Diplomat Kovrig und der Geschäftsmann Spavor waren im Dezember 2018 in China festgenommen und inhaftiert worden - nur wenige Tage nach der Festnahme Mengs im kanadischen Vancouver. Nach monatelanger Einzelhaft, während der ihnen Zugang zu ihren Anwälten und Familienangehörigen verweigert worden war, wurden die beiden am vergangenen Freitag wegen Spionagevorwürfen angeklagt.

Mehr zum Thema

Die in Kanada festgehaltene Meng Wanzhou hatte zuvor im Rechtsstreit um ihre Auslieferung in die USA Ende Mai eine empfindliche Niederlage erlitten. Ihr Antrag auf eine Einstellung des Verfahrens wurde abgelehnt. Diplomaten und Kritiker hatten Vergeltung vermutet und China "Geiseldiplomatie" vorgeworfen. China hat derartige Vorwürfe stets abgewiesen.

Die Huawei-Finanzchefin und Tochter des Unternehmensgründers Ren Zhengfei war im Dezember 2018 auf Betreiben der US-Behörden in Vancouver festgenommen worden. Die US-Regierung wirft ihr Bankbetrug im Zusammenhang mit der Umgehung der Sanktionen gegen den Iran vor.

Quelle: ntv.de, lri/dpa

ntv.de Dienste
Software
Social Networks
Newsletter
Ich möchte gerne Nachrichten und redaktionelle Artikel von der n-tv Nachrichtenfernsehen GmbH per E-Mail erhalten.
Nicht mehr anzeigen