Politik

Kommentar in chinesischer Zeitung "Trump benimmt sich nicht wie ein Präsident"

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Der künftige US-Präsident Trump habe "keine Ahnung, wie man eine Supermacht führt", schreibt eine staatliche Zeitung in China. Man wisse nicht, ob Trump psychologische Kriegsführung betreibe oder einfach unprofessionell sei.

Eine staatliche chinesische Zeitung hat sich über den künftigen US-Präsidenten Donald Trump lustig gemacht. Zugleich kündigte die "Global Times" an, dass China einen harten Kurs entsprechend beantworten werde. Die Zeitung wird von dem Parteiorgan der chinesischen KP herausgegeben. Ansichten, die von ihr vertreten werden, haben damit offiziösen Charakter.

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"Trump benimmt sich nicht wie ein Präsident, der in einem Monat Herr des Weißen Hauses sein wird", schreibt die "Global Times" in einem Kommentar. "Er hat keine Ahnung, wie man eine Supermacht führt."

Anlass für den Kommentar, der namentlich nicht gekennzeichnet ist und damit die Position der Zeitung insgesamt darstellen soll, ist der Streit um eine amerikanische Unterwasserdrohne, die in der vergangenen Woche in internationalen Gewässern von der chinesischen Marine beschlagnahmt wurde. Die USA hatten die Drohne, die zu Forschungszwecken eingesetzt worden sei, zurückgefordert. China kündigte an, sie zurückzugeben.

"China wird keine Zurückhaltung üben"

In dieser Auseinandersetzung habe selbst das US-Militär nicht den Begriff "stehlen" benutzt, um zu beschreiben, was die chinesische Marine gemacht habe, schreibt die "Global Times". Trump hatte zu dem Vorfall getwittert, China habe die Drohne "gestohlen", und dies einen "beispiellosen Vorgang" genannt. Dabei hatte er sich zunächst vertippt und nicht "unprecedented" (beispiellos) geschrieben, sondern "unpresidented", ein Wort, das es nicht gibt, das man aber mit "unpräsidentet" oder auch "unpräsidial" übersetzen könnte.

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In einem weiteren Tweet erklärte Trump: "Wir sollten China sagen, dass wir die Drohne, die sie gestohlen haben, nicht wiederhaben wollen. Sollen sie sie doch behalten!" Diese Bemerkung habe die Sorge ausgelöst, so die chinesische Staatszeitung, dass Trump die chinesisch-amerikanischen Beziehungen "wie ein Kinderspiel behandeln wird".

Man wisse nicht, ob Trump psychologische Kriegsführung betreibe oder einfach unprofessionell sei, heißt es in dem Kommentar weiter. Aber er habe die Ein-China-Politik infrage gestellt und verachte die Prinzipien, die beide Länder etabliert hätten, um mit Krisen umzugehen. Mit Ein-China-Politik ist gemeint, dass China den Inselstaat Taiwan als Bestandteil des chinesischen Territoriums betrachtet, nicht als eigenständigen Staat. Staaten, die diplomatische Beziehungen zur Volksrepublik unterhalten wollen, müssen dieses Prinzip anerkennen. Nach seinem Wahlsieg hatte Trump mit der taiwanischen Präsidentin telefoniert und damit aus chinesischer Sicht signalisiert, dass er die Ein-China-Politik nicht respektiert.

Wenn er die Volksrepublik als Präsident weiter so behandele "wie in seinen Tweets, dann wird China keine Zurückhaltung üben", so die "Global Times" weiter. "Die chinesische Regierung sollte vollständig darauf vorbereitet sein, dass Trump eine unnachgiebige Haltung zeigt. Wir sollten Trump zeigen, was die Ein-China-Politik ist und welche Grundlagen der chinesisch-amerikanischen Beziehungen er nicht anrühren solle. Tut er es doch, wird er dieselben Verluste erleiden, die er China zufügen will."

Der britische "Guardian" zitiert den amerikanischen China-Experten Bill Bishop mit den Worten, in Washington herrsche Verzweiflung darüber, wie Trump die chinesisch-amerikanischen Beziehungen behandele. "Das ist unpräsidiales Verhalten", witzelte Bishop. "Es wäre lustig, wenn es nicht um so viel gehen würde."

Quelle: ntv.de, hvo