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Meiste Zuschauer aller Zeiten? Trump bietet wieder "alternative Fakten"

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Viele Menschen haben Trumps Rede gesehen - aber bei früheren Präsidenten waren es mehr.

(Foto: AP)

Kurz nach seiner Amtseinführung behauptete Trumps Sprecher, dass sie die bestbesuchte aller Zeiten war. Das war falsch. Nun geht es wieder um Zuschauer - bei Trumps Rede zur Lage der Nation. Und wieder liegt der Staatschef daneben.

Erneut nimmt es US-Präsident Donald Trump mit Zahlen nicht so genau. 45,6 Millionen Menschen hätten seine Rede zur Lage der Nation im Fernsehen gesehen, twitterte der Staatschef und behauptete, dies sei die größte Anzahl aller Zeiten gewesen.

Tatsächlich verfolgten 45,6 Millionen Menschen Trumps erste "State of the Union address", die er vor dem Kongress in Washington hielt. Diese Zahl habe auch der Mediendienst Nielsen mitgeteilt, der die Gesamtzahl der Fernsehzuschauer ermittelt, berichtete der US-Sender CNN.

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Allerdings war dies bei weitem nicht die höchste Zuschauerzahl aller Zeiten. Mehrere Reden früherer Präsidenten hätten mehr Menschen vor die Fernseher gelockt, meldete Nielsen. Demnach kam der Demokrat Bill Clinton 1994 auf 45,8 Millionen Zuschauer, 48 Millionen sahen die erste Rede von Trumps demokratischem Vorgänger Barack Obama 2010. Beim Republikaner George W. Bush saßen 2002 sogar 51,8 Millionen Menschen vor den Fernsehern - es war die erste Rede nach den Anschlägen auf das World Trade Center am 11. September 2001 und dem Beginn des Krieges in Afghanistan.

Nach Angaben von CNN erreichte selbst Trumps letztjährige Rede vor dem Kongress, die aber nicht offiziell eine "State of the Union address" war, fast 48 Millionen Zuschauer.

Unklar ist freilich, wie viele Menschen diesmal Trumps Rede per Livestream im Internet verfolgten. Dafür gibt es keine Zahlen. Aber da der Präsident in seinem Tweet selbst die Zahl von 45,6 Millionen nannte, bezog er sich offensichtlich nur auf die Fernsehzuschauer.

Fox News schlägt andere Sender

In seinem Tweet machte Trump aber noch auf eine weitere Zahl aufmerksam: Fox News habe zum ersten Mal alle anderen Sender geschlagen, schrieb er. 11,7 Millionen Menschen hätten den Sender eingeschaltet.

Damit hat Trump Recht. Er machte so durch die Blume für jenen Sender Werbung, den er bekanntlich selbst ausgiebig - und fast ausschließlich - konsumiert. Konkurrenz-Sender wie CNN oder MSNBC bezeichnete Trump in der Vergangenheit dagegen immer wieder als "Fake News".

Dieser Streit um die Wahrheit hatte bereits in den ersten Amtstagen Trumps für Aufsehen gesorgt. Damals hatte sein Sprecher Sean Spicer verkündet, die Amtseinführung des Republikaners hätten so viele Menschen besucht wie keine andere Inauguration zuvor. Bilder zeigten allerdings, dass die erste Amtseinführung von Obama 2009 besser besucht war.

In der Folge kam es zu einem Streit zwischen der Trump-Regierung und Medien, die die offizielle Deutung kritisierten. Trumps Beraterin Kellyanne Conway nannte daraufhin die Darstellung des Weißen Hauses "Alternative Fakten". Dieser Begriff wurde zum geflügelten Wort. Im Januar wurde er in Deutschland zum "Unwort des Jahres" erklärt.

Quelle: n-tv.de, mli

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