Nach Drohung gegen DeutschlandTrump bringt US-Truppenabzug aus weiteren Staaten ins Spiel

Statt mit neuen Zöllen droht der US-Präsident inzwischen lieber mit Truppenabzug, wenn Regierungen bei ihm in Ungnade fallen. Dabei nimmt er nicht nur Deutschland ins Visier.
Einen Tag nach seiner Drohung eines teilweisen US-Truppenabzugs aus Deutschland legt Präsident Donald Trump nach. Auf die Frage, ob er sich einen solchen Schritt auch in Italien und Spanien vorstellen könne, sagte er: "Ja, wahrscheinlich. Wahrscheinlich werde ich das." Italien habe sich nicht als Hilfe für die Vereinigten Staaten erwiesen, sagte Trump weiter.
Über Spanien, mit dem der Republikaner seit geraumer Zeit im Clinch liegt, sagte der Präsident: "Furchtbar, absolut furchtbar". Die USA waren sowohl in Spanien als auch in Italien auf Widerstand bei der Nutzung von Militärstützpunkten für den Iran-Krieg gestoßen.
Am Mittwoch hatte Trump knapp auf Truth Social angekündigt, einen US-Truppenabzug aus Deutschland überprüfen zu lassen. Eine Entscheidung solle in Kürze folgen. Kurz vor der Drohung war Trump Bundeskanzler Friedrich Merz verbal angegangen. Der CDU-Politiker ist allerdings nicht der einzige Europäer, mit dem der Republikaner neuerdings nicht kann: Zuletzt krachte es nach Trumps Kritik am Papst auch zwischen ihm und der italienischen Ministerpräsidentin Giorgia Meloni.
Truppenabzug wäre teuer
Aktuell sind nach Angaben des US-Militärs von Mitte April rund 86.000 Soldaten in Europa stationiert - davon rund 39.000 in Deutschland. Die Zahl verändert sich regelmäßig, auch wegen Rotationen und Übungen.
Die Stützpunkte sind nicht nur für Deutschland von großem Wert, sondern auch für die USA selbst. Zu den militärisch bedeutsamsten gehört die Ramstein Air Base in Rheinland-Pfalz, die für die USA als zentrale Luftdrehscheibe für Europa und den Nahen Osten dient. Das größte US-Militärkrankenhaus im Ausland befindet sich im rheinland-pfälzischen Landstuhl, der größte US-Truppenübungsplatz außerhalb der USA liegt nahe Grafenwöhr in Bayern.
Der Verteidigungsexperte Nico Lange rät folglich zur Gelassenheit angesichts der Drohungen Trumps. Der reagiere mit einem "typischen New‑York‑Reflex" auf missliebige Äußerungen des Bundeskanzlers: "Er will sofort zurückschlagen", schreibt Lange auf X. Dass er ernst macht, hält der Politikberater für unwahrscheinlich, auch weil eine Truppenverlagerung sehr viel Geld verschlingen würde: "Schon 2020 hatte Trump einmal angekündigt, 11.900 U.S.-Soldaten aus Deutschland abzuziehen. Dazu kam es nicht – auch weil der Kongress die nötigen Mittel nicht bereitstellte und ein Abzug enorme Investitionen an anderen Orten erfordert hätte", schreibt Lange.