Politik

Ein Faden führt nach Moskau Trump, die Pornodarstellerin und der Anwalt

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Eine Million Dollar soll die Pornodarstellerin Stephanie Clifford jedes Mal zahlen, wenn sie ihr Schweigen bricht.

(Foto: picture alliance / Uncredited/CB)

Donald Trump lädt die Pornodarstellerin Stormy Daniels in sein Hotelzimmer ein, lässt sich auf den Po schlagen und hat Sex mit ihr - sagt sie. Seinen Teil des Deals lässt er platzen. Dann wird Daniels bedroht. Trumps Anwalt will, dass sie schweigt.

Stephanie Clifford alias Stormy Daniels, um sie dreht sich an diesem Wochenende in US-Medien viel - so viel, dass sich US-Präsident Donald Trump schon bei Freunden darüber beschwert haben soll. Aber es ist mehr als nur Aufmerksamkeitsneid. Die Details und die juristischen Folgen könnten politische Auswirkungen für Trump haben.

Seit fast 20 Jahren ist Stormy Daniels in der Pornoindustrie als Schauspielerin und Regisseurin tätig. Grund für den medialen Trubel um sie ist ein Interview im TV-Format "60 Minutes", Anfang des Monats aufgezeichnet und nun ausgestrahlt. Darin erzählt die 39-Jährige, sie habe im Jahr 2006 eine Affäre mit Trump gehabt - was dieser bestreitet. Clifford war zu dieser Zeit eine der gefragtesten Darstellerinnen der Pornobranche. Trump war bereits eineinhalb Jahre mit Melania verheiratet, seine Frau gebar kurz zuvor den gemeinsamen Sohn Barron.

Clifford tritt vor die Kameras, obwohl sie eine Schweigevereinbarung unterschrieben hatte und dafür 130.000 US-Dollar erhielt. Trumps Anwälte haben sie auf 20 Millionen Dollar verklagt, weil sie diese Vereinbarung gebrochen haben soll. Doch Clifford wehrt sich juristisch und sagt ihrerseits, die Abmachung sei nicht gültig, weil Trump nicht selber unterschrieben habe. Nun sitzt sie also hier beim bekannten Fernsehmoderator Anderson Cooper, der vor wenigen Tagen bereits mit dem Model Karen McDougal über deren Affäre mit Trump gesprochen hatte, und erzählt Details.

Die Frage bei einem solchen Interview ist auch: Was bezweckt Clifford damit, dass sie an die Öffentlichkeit geht? Was ist ihr Motiv? Sie selbst sagt, sie wolle die Lügen entkräften, die über sie kursieren würden. Zudem verdient sie mit der Enthüllung Geld. Sie kann es gebrauchen, falls die Gerichte gegen sie entscheiden. Laut ihrer Aussage muss sie jedes Mal eine Million Dollar zahlen, wenn sie ihr Schweigen bricht. Das macht sie nun erneut – und beginnt mit einer verstörenden Szene am Rande eines Promi-Golfturniers in Lake Tahoe. Zwei weitere Frauen, auch McDougal, sagen, sie hätten am Rande dieses Turniers Sex mit Trump gehabt.

"Du erinnerst mich an meine Tochter"

Trump hatte Clifford zu einem Abendessen auf sein Hotelzimmer eingeladen und zeigte ihr als Erstes ein Magazin, auf dessen Cover er zu sehen war. Sie fragte Trump: "Klappt das normalerweise? Jemand sollte dir damit den Hintern versohlen." Daraufhin sei der Unternehmer aufgestanden, habe seine Hose ein Stück heruntergelassen und Clifford habe ihm mit dem Magazin ein paar Klapse gegeben. "Von diesem Moment an war er eine komplett andere Person." Es sei angenehm geworden und Trump habe gesagt: "Wow, du bist besonders. Du erinnerst mich an meine Tochter. Du bist klug und schön. Ich mag dich."

In diesem Moment habe der damalige TV-Moderator von "Celebrity Apprentice" damit gelockt, sie in die Fernsehshow zu holen – auch, um sie ins Bett zu bekommen, meint Clifford. Danach sei sie ins Bad gegangen, das nur durch das Schlafzimmer zu erreichen war. Als sie wieder herauskam, saß der damals 60-Jährige auf dem Bettrand. Obwohl sie Trump körperlich nicht attraktiv fand, habe sie mit ihm geschlafen – im Einverständnis und ohne Kondom. Trump habe sich danach begeistert gezeigt und gesagt, er hoffe, sie wiederzusehen. "Ich sah es als Tauschgeschäft", sagt Clifford. Ihre Bekanntschaft sei kein Geheimnis gewesen – er habe sie nie gebeten, darüber zu schweigen und wenn er sie anrief, habe sie ihn trotz weiterer Anwesender auf Lautsprecher gestellt.

Im Juli 2007 habe Trump sie angerufen und nach Los Angeles eingeladen, um mit ihr über den möglichen Auftritt bei "Celebrity Apprentice" zu sprechen. Als sie ankam, lief "Shark Week", eine Sendung über Haie, im Fernsehen. "Er ließ mich eine komplette Doku über Hai-Angriffe gucken", klagt Clifford. Vier Stunden lang sei sie dort gewesen. Trump habe Sex mit ihr gewollt. "Er setzte sich neben mich, fasste meine Haare und eines meiner Beine an und sagte, wie toll es das letzte Mal gewesen sei." Diesmal lehnte Clifford jedoch ab und fragte ihn nach ihrer Teilnahme an der Show. Trump habe sie vertröstet. Einen Monat später habe er sie angerufen und gesagt, es habe nicht geklappt. Sie sahen sich nie wieder.

"Das ist ein hübsches kleines Mädchen"

Jahre später, im Mai 2011, verkaufte Clifford die Geschichte an ein Magazin, was dieses CBS zufolge aber nie veröffentlichte, weil Trumps Anwalt mit einer Klage drohte. Ein paar Wochen danach, sagt die Pornodarstellerin nun, sei auf einem Parkplatz in Las Vegas ein Mann auf sie zugekommen und habe ihr im Beisein ihrer kleinen Tochter gesagt, sie solle die ganze Geschichte vergessen und Trump in Ruhe lassen. "Das ist ein hübsches kleines Mädchen. Es wäre eine Schande, wenn ihrer Mutter etwas passieren würde", habe er gedroht.

Clifford zufolge ging sie aus Angst nicht zur Polizei. Deshalb unterschrieb sie elf Tage vor der Präsidentschaftswahl 2016 auch die Schweigevereinbarung für die 130.000 Dollar, obwohl sie viel mehr hätte bekommen können, falls sie die Geschichte verkauft hätte. Und im Januar 2018, als das "Wall Street Journal" schrieb, dass Clifford das Geld von Trumps Anwalt Michael Cohen erhalten hatte, sei ihr erneut gedroht worden, diesmal mit den Worten: "Sie können dein Leben auf viele Weisen zur Hölle machen." Aus Angst habe sie diesmal die Unterzeichnung der Vereinbarung dementiert.

Doch die Zahlung ist real und ein ehemaliger Vorsitzender der Wahlkommission sagte dem Fernsehsender CBS, sie gelte seiner Ansicht nach als illegale Wahlkampfspende Cohens für Trump. Ab 3500 Dollar müssen solche Summen deklariert werden – wurde sie aber nicht. Deshalb befasst sich jetzt sowohl das Justizministerium als auch die Wahlkommission mit dem Fall. Cohen will die 130.000 Dollar aus eigener Tasche bezahlt haben, Trump habe damit nichts zu tun. Cliffords Anwalt Michael Avenatti sagt hingegen, Cohen habe den Deal auch über eine E-Mail-Adresse von Trumps Wahlkampfteam ausgehandelt. Das von Clifford unterzeichnete Dokument sei zudem per Kurier in den Trump Tower in New York geschickt worden.

Als "kulturhistorischen Moment" bezeichnete ein Journalist der "Washington Post" kurz vor der Ausstrahlung des Interviews die Situation: "Eine Pornodarstellerin wird als glaubhafter wahrgenommen als der Präsident der Vereinigten Staaten." Das juristische Gezerre um angebliche Affären und gezahlte Schweigegelder könnte für den Präsidenten weitreichende Folgen haben. Auch Cohen wird vom Chefermittler der Russland-Affäre, Robert Mueller, unter die Lupe genommen. Warum? Weil der Anwalt in ein Projekt von Trump in Moskau involviert war. Mueller könnte Cohen nun also mit der Geschichte um Clifford unter Druck setzen, ihm Informationen über eine mögliche Wahlbeeinflussung Russlands zu geben. Spätestens dann wird es für Trump möglicherweise gefährlich.

Quelle: n-tv.de

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