Politik

Unüberbrückbare Differenzen Trump feuert Sicherheitsberater Bolton

Rund anderthalb Jahre holt sich US-Präsident Trump Ratschläge in Sicherheitsfragen bei John Bolton ein. Damit ist nun überraschend Schluss. Der Staatschef schmeißt den außenpolitischen Hardliner raus - wegen nicht zu überwindender Meinungsverschiedenheiten.

US-Präsident Donald Trump hat überraschend seinen Nationalen Sicherheitsberater John Bolton entlassen. Trump schrieb auf Twitter, er habe Bolton am Montagabend zum Rücktritt aufgefordert. Dieser habe am nächsten Morgen seinen Rückzug erklärt. Trump begründete den Schritt mit inhaltlichen Meinungsverschiedenheiten. "Ich war mit vielen seiner Vorschläge nicht einverstanden, wie auch andere in der Administration, und deshalb habe ich ihn gebeten zurückzutreten." Er dankte Bolton für seine Arbeit.

Trump ernannte Charles Kupperman zum kommissarischen Nationalen Sicherheitsberater. Ein Regierungssprecher bestätigte, dass Kupperman die Geschäfte vorübergehend übernehmen werde. Seit Anfang des Jahres war Kupperman Boltons Stellvertreter im Weißen Haus. Trump hatte angekündigt, in der kommenden Woche werde er einen Nachfolger benennen.

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Erst am Morgen hatte das Weiße Haus einen Presseauftritt Boltons gemeinsam mit Außenminister Mike Pompeo und Finanzminister Steven Mnuchin für die Mittagszeit angekündigt. Bolton meldete sich auf Twitter selbst zu Wort und widersprach Trumps Darstellung offen. "Ich habe gestern Abend meinen Rücktritt angeboten und Präsident Trump sagte: 'Lass uns morgen darüber sprechen'." Bolton war seit April 2018 Nationaler Sicherheitsberater Trumps. Er folgte auf General H.R. McMaster.

Bolton gilt als außenpolitischer Hardliner und als Befürworter eines Regimewechsels im Iran. US-Medien hatten berichtet, Differenzen zwischen Trump und Bolton habe es auch beim Thema Afghanistan gegeben. Bolton sei gegen ein von Trump für vergangenen Sonntag geplantes Geheimtreffen mit Taliban-Vertretern in Camp David gewesen, dem Landsitz des US-Präsidenten. "Sie hatten unterschiedliche Meinungen zu Verhandlungen mit Nordkorea, zum Umgang mit dem Iran und zuletzt einen handfesten Streit über Trumps in letzter Minute abgesagten Treffen mit den Taliban in Camp David", fasst n-tv Reporter Peter Kleim die Situation zusammen.

Personalie wurde mehrfach hinterfragt

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Trump hatte das Treffen mit Hinweis auf einen Taliban-Anschlag am vergangenen Donnerstag in Kabul abgesagt, bei dem zwölf Menschen getötet worden waren, darunter ein US-Soldat. Die USA verhandeln seit Monaten mit den Taliban über ein Abkommen, das den Weg zu einem Abzug der US-Truppen und zu Frieden in dem Land bereiten soll.

In den vergangenen Monaten war Trump mehrfach mit Nachfragen konfrontiert gewesen, ob er mit Boltons Arbeit zufrieden sei. Er hatte Bolton bis dato stets verteidigt und etwa gesagt, er wisse um dessen Rolle als Hardliner, habe aber auch andere Berater, die einen weniger harten Kurs verfolgten.

Als Reaktion auf die Personalie gaben im Tagesverlauf die Ölpreise nach. Boltons Entlassung wird als Indiz dafür gesehen, dass Trump nicht auf eine militärische Auseinandersetzung mit Iran aus ist und möglicherweise sogar Verhandlungen anstrebt, nachdem sich die USA 2018 aus dem Atomabkommen mit Teheran zurückgezogen hatten. Die gestiegene Wahrscheinlichkeit von derartigen Gesprächen reduziert den Risikoaufschlag auf den Ölpreisen. Dieser hatte sich in den vergangenen Monaten aufgebaut, nachdem Zwischenfälle wie die Beschlagnahme von Tankschiffen oder Drohnenabschüsse die Spannungen verschärft hatten.

Quelle: n-tv.de, fzö/AFP/dpa/DJ