Politik

Abschuss von US-Drohne Trump glaubt nicht an Absicht Irans

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Donald Trump geht von einem individuellen Fehler auf Seiten des Iran aus.

(Foto: REUTERS)

Wo befand sich die Drohne des US-Militärs, als sie heute Früh von iranischen Revolutionsgarden abgeschossen wurde? Während Teheran darauf pocht, dass die Amerikaner Grenzen überschritten hätten, beharrt die Gegenseite auf anderen Koordinaten. Präsident Trump versucht sich als Schlichter.

In der Golfregion wachsen die Spannungen nach dem Abschuss einer US-Drohne durch iranisches Militär. Allerdings zeigte sich US-Präsident Donald Trump bemüht, eine Eskalation zu vermeiden. "Ich denke, der Iran hat wahrscheinlich einen Fehler gemacht. Ich denke, es war ein General oder irgendjemand, der einen Fehler mit dem Abschuss der Drohne gemacht hat", sagte er vor Reportern. "Ich kann kaum glauben, dass das Absicht war."

"Wir hatten niemanden in der Drohne", so der US-Präsident weiter. Es hätte aber einen großen Unterschied gemacht, wenn ein Pilot abgeschossen worden wäre. Zuvor hatte er in einem Tweet das Land verantwortlich gemacht und nicht von einem individuellen Fehler gesprochen: "Iran hat einen sehr großen Fehler gemacht." Als Trump später nach einer möglichen Antwort der USA auf den Abschuss der Drohne gefragt wurde, sagte er im Oval Office des Weißen Hauses lediglich: "Sie werden sehen!"

Der Iran bekräftigte indes seine Verteidigungsbereitschaft und kündigte an, sich bei den Vereinten Nationen über den "aggressiven Drohneneinsatz" der USA zu beschweren. Unklar ist, wo der unbemannte Flugkörper abgeschossen wurde. US-Luftwaffengeneral Joseph Guastella sagte, die Drohne sei rund 34 Kilometer von der Küste Irans entfernt und damit in internationalem Luftraum gewesen.

Der iranische Außenminister Jawad Sarif veröffentlichte danach Koordinaten, die zwar noch vor der Küste des Irans liegen, aber schon in dessen Hoheitsgewässern. Dann wäre der Angriff ein Akt der Selbstverteidigung. Der Luftraum eines Landes erstreckt sich nach UN-Angaben über dessen Landmasse und gegebenenfalls über dessen Hoheitsgewässer, die bis zu zwölf nautische Meilen (22,2 Kilometer) vor die Küste reichen. Die Koordinaten, an denen die Drohne laut Sarif angegriffen wurde, liegen rund 15 Kilometer vor dem nächsten Punkt an der iranischen Küste.

Außenminister Sarif unterstellt USA Lügen

Auf einer Pentagon-Karte ist die Markierung für die Absturzstelle deutlich weiter von der iranischen Küste entfernt. Sarif schrieb auf Twitter, Wrackteile der Drohne seien ebenfalls in iranischen Hoheitsgewässern sichergestellt worden. Das Zentralkommando Centcom veröffentlichte ein Video, das den Abschuss der Drohne zeigen soll. Viel mehr als Rauch und ein scheinbar zu Boden fallender Punkt ist nicht zu erkennen. Sarif veröffentlichte eine Zeichnung, die den Flugweg der Drohne zeigen soll.

Die Revolutionsgarden, eine Eliteeinheit des Irans, teilten ihrerseits mit, sie hätten die US-Spionagedrohne abgeschossen, als sie in der südlichen Provinz Hormosgan in den iranischen Luftraum eingedrungen sei. "Der Abschuss der amerikanischen Drohne war eine klare Botschaft an Amerika", sagte der Kommandeur der Garden, Hossein Salami, dem Staatsfernsehen zufolge. Die Landesgrenzen seien für den Iran die roten Linien, und man werde auf jede Aggression scharf reagieren.

Das US-Militär wies die Darstellung zurück. Zu keinem Zeitpunkt sei der Luftraum Irans verletzt worden. Das Trümmerfeld des Flugkörpers liege in internationalen Gewässern in der Straße von Hormus, sagte ein hochrangiger Mitarbeiter der US-Regierung. Einheiten der US-Marine seien auf dem Weg zum Absturzort. Irans Außenminister Sarif warf den USA per Tweet vor, zu lügen. "Die USA bekämpfen den Iran mit Wirtschaftsterrorismus, führen verdeckte Einsätze gegen uns durch und nun dringen sie in unser Territorium ein. Wie streben keinen Krieg an, aber wir werden unseren Himmel, unser Land und unsere Gewässer mit aller Entschiedenheit verteidigen."

Inmitten der Spannungen reist der Nationale Sicherheitsberater von Trump, John Bolton, am Wochenende zu "regionalen Sicherheitsgesprächen" nach Israel. Bolton werde am Sonntag Gespräche mit dem israelischen Regierungschef Benjamin Netanjahu und seinen israelischen und russischen Kollegen, Meir Ben-Schabbat und Nikolai Patruschew, führen, wie sein Sprecher Garrett Marquis sagte. Auch ein Treffen mit dem Chef der israelischen Atomenergiebehörde, Seew Snir, stehe auf dem Programm.

Quelle: ntv.de, fzö/rts/dpa/AFP