Politik

Bitte nicht über Themen reden Trump jammert sich zu TV-Duell mit Biden

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"Niemand mag mich": Trump bei seinem Wahlkampfauftritt in Erie, im Bundesstaat Pennsylvania.

(Foto: AP)

Es ist nicht mehr lange hin bis zur US-Präsidentschaftswahl. Vor dem abschließenden Fernsehduell beschwert sich Trumps Team bitterlich: Die Organisatoren seien gegen sie. Über viele Themen wollen sie nicht reden. Doch Trump braucht die Aufmerksamkeit.

Als es bei den Demokraten noch darum ging, wer am 3. November der Herausforderer von US-Präsident Donald Trump sein sollte, war der Zweifel an der Standfestigkeit von Joe Biden groß. Wer könnte bei den TV-Duellen gegen ihn besser bestehen? Bernie Sanders? Elizabeth Warren? Pete Buttigieg? Schließlich wirkte Biden manchmal seltsam abwesend und hatte immer mal wieder Aussetzer. Gegen einen so fernseherfahrenen Trump, so die Sorge, sähe Biden im wahrsten Sinne des Wortes alt aus. Die Demokraten würden ihre Siegchance schmälern.

Das Gegenteil ist geschehen. Nachdem Trump sich Ende September beim ersten TV-Duell überaus aggressiv verhalten hatte und sowohl Biden als auch dem Moderator wiederholt über den Mund gefahren war, sind die Umfragewerte des Präsidenten deutlich schlechter geworden. Kurze Zeit später wurde auch seine Covid-Erkrankung bekannt, auch dies hatte womöglich einen Effekt. Biden liegt rund 10 Prozentpunkte vor Trump. Was die Demokraten besorgt: Auch nach Hillary Clintons erster Fernsehdebatte 2016 gegen Trump war ihr Vorsprung auf Trump von 2 auf 6 Punkte angewachsen. Das Ende ist bekannt.

Nun steht das ursprünglich dritte und finale TV-Duell vor der Wahl an: Am Donnerstagabend Ortszeit - Freitagfrüh von 3 Uhr bis 4.30 Uhr deutscher Zeit - treten die Konkurrenten in Nashville im Bundesstaat Tennessee auf dieselbe Bühne. Die Organisatoren haben vorab die Regeln geändert, vor allem, um Trump einigermaßen unter Kontrolle zu bekommen. In eineinhalb Stunden sollen sechs Themen jeweils eine Viertelstunde lang diskutiert werden. Zu Beginn jedes Blocks erhalten beide Kandidaten jeweils zwei Minuten, um ihre Position darzulegen. Währenddessen wird das Mikrofon des anderen ausgeschaltet.

Trumps Wahlkampfteam nennt diese Änderung "parteiisch". Nach ein paar Tagen der Beschwerden und des Zweifels hat es aber angekündigt, dass der Präsident trotzdem teilnehmen wird. Zugleich jammerte Trump am Dienstagabend bei einem Wahlkampfauftritt im wichtigen Bundesstaat Pennsylvania, "niemand will mich". "Wären wir nicht von der Pest getroffen worden", hätte er den Wahlkampfauftritt nicht nötig gehabt: "Wir hatten schon gewonnen." Trump kann auf die Aufmerksamkeit des letzten TV-Duells trotz aller Kritik offenbar nicht verzichten. Denn die Debatten werden überall im Land gesehen.

Unliebsame Themen

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Trumps Rivale, der Demokrat Joe Biden, schlägt ruhigere Töne an.

(Foto: AP)

Trump wird sich etwas ausgedacht haben, um die Einschränkung zu umgehen. Brav in seiner Ecke stehen bleiben, das klingt nicht nach dem Showman. Er könnte einfach laut genug sprechen, oder zu Biden herüberlaufen (wie er es in einer Debatte mit Clinton tat), oder sonst etwas, um Aufmerksamkeit der Regie, der Moderatorin Kristen Welker von NBC News und die des Publikums zu bekommen. Wer sollte ihn daran hindern? Wenn es trotzdem einigermaßen geregelt ablaufen sollte, wollen die Kandidaten über folgende Themen diskutieren: die Corona-Krise, Familien, Rassismus, Klimawandel, Nationale Sicherheit und Führung.

Doch Trump will gar nicht über diese Themen reden, wie sich sein Wahlkampfmanager Bill Stepien beschwerte, sondern wie zuvor vereinbart einfach nur über Außenpolitik. Schließlich sei alles andere schon in der ersten Debatte ausführlich diskutiert worden, die Trump "gegen Moderator Chris Wallace und Joe Biden gewann", schrieb er in einem zweiseitigen Brief an die unabhängigen Organisatoren. Das stimmt nicht, die beiden redeten Ende September zwar unter anderem über Corona und Gewalt auf den Straßen, aber nicht über den Rest. Stepien bat darum, die Entscheidung zu überdenken, doch sie steht. Der Rest des Briefes bestand aus einer Serie von Vorwürfen gegen die Organisatoren, sie handelten parteiisch und im Sinne von Bidens Wahlkampfteam.

Außenpolitik, da könnte Trump tatsächlich etwas besser aussehen als bei den anderen Themen, aber womöglich ist vor allem eines im Interesse des Präsidenten: Jeglichen auch noch so kleinen Anlass dafür zu verwenden, auf die E-Mails von Bidens Sohn Hunter hinzuweisen. Sie belegen aus seiner Sicht, dass sein Konkurrent korrupt ist. Worin diese Korruption genau bestehen soll, ist allerdings unklar. Doch diese Taktik hatte schon 2016 Erfolg: Mit einer Enthüllung auf den letzten Metern noch das Ruder herumreißen und den Sieg einfahren. Damals ging es um die E-Mails von Hillary Clinton. Sogar das FBI hatte sich kurz vor dem Wahltermin eingeschaltet.

Mitnichten abgekoppelt

Sowohl der damalige Wahlkampf als auch der aktuelle zeigen, dass die Meinungen über Trump nicht völlig von dessen Verhalten abgekoppelt sind, wie er seit Jahren behauptet. Womöglich war es auch diese erneute Erkenntnis, die das Wahlkampfteam des Präsidenten dazu veranlasste, die zweite von drei geplanten TV-Duellen in ein anderes Format zu überführen, bei dem Biden gar nicht anwesend war. Aber auch bei Fragen der Gäste war Trump eben Trump; neue Wechselwähler - von denen es ohnehin nur wenige gibt - dürfte er damit nicht überzeugt haben.

Trump ist ein Experte darin, das Medium Fernsehen für sich zu nutzen. Aber offenbar gibt es viele registrierte Wähler, die nicht mit seinem Diskussionsstil mit politischen Gegnern einverstanden sind. Anders lassen sich die parallelen Entwicklungen bei den Umfrageresultaten kaum deuten. Nur eine Minderheit der US-Amerikaner verfolgt das politische Tagesgeschäft im Detail: Maximal jeder Fünfte, stellte eine Studie Anfang des Jahres fest. Der Rest interessiert sich nur einigermaßen oder gar nicht für das, worum und wie tagein, tagaus gestritten wird.

*Datenschutz

Das erste Duell gegen Biden, woraufhin Trump wie schon 2016 einen Einbruch seiner Umfragewerte erlebte, sahen 73 Millionen US-Amerikaner - und das nur im Fernsehen. Über Laptops, Handys und andere Plattformen gibt es keine belastbaren Zahlen. Das Fernsehen verliert in den USA als Nachrichtenquelle langsam, aber sicher an Bedeutung: Im August 2018 sagten weniger als 50 Prozent der Befragten zu Pew Research, sie würden sich häufig durchs TV informieren. Social Media (20 Prozent) und Websites (33) lagen zusammen darüber. Es ist also gut möglich, dass noch einige Millionen Menschen mehr die erste Debatte gesehen haben.

All das legt nahe: Für die Wähler ist wichtiger als angenommen, wie die Präsidentschaftskandidaten sich bei den Debatten verhalten und über welche Themen gesprochen wird. Warum würde Trumps Wahlkampfteam sonst bestimmte Themen plötzlich aussparen wollen? Bei den TV-Duellen schalten sich Dutzende Millionen mehr ein als ins politische Tagesgeschäft. In der kommenden Nacht wird den Wählern noch einmal vor Augen geführt werden, für wen sie da eigentlich abstimmen wollen. Und wer die Alternative ist.

Quelle: ntv.de