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Trotz Angriffs auf Tripolis Trump lobt libyschen General Haftar

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Die Truppen von General Chalifa Haftar greifen seit Anfang April die Hauptstadt Tripolis an.

(Foto: imago/ITAR-TASS)

Libyen wird seit Wochen von heftigen Kämpfen erschüttert. Während General Haftar mit seinen Truppen auf die Hauptstadt Tripolis zumarschiert, erhält er offenkundige Unterstützung aus den USA. Präsident Trump hebt in einem Telefonat die "wichtige Rolle" des Befehlshabers hervor.

US-Präsident Donald Trump hat nach US-Angaben mit dem libyschen General Chalifa Haftar telefoniert, der derzeit mit einer Offensive gegen die international anerkannte Regierung vorgeht. Trump habe dabei die wichtige Rolle Haftars im Kampf gegen Terror und bei der Sicherung der libyschen Ölvorkommen betont, teilte das Weiße Haus mit.

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Beide hätten auch über eine "gemeinsame Vision" für Libyens Übergang zu einem stabilen, demokratischen politischen System geredet. Das Telefonat sei bereits am Montag geführt worden. Warum die US-Regierung dies erst am Freitag mitteilte, blieb offen.

Haftar will mit seinen Kämpfern, die den Namen Libysche Nationalarmee (LNA) tragen, die Regierung von Ministerpräsident Fajis al-Sarradsch stürzen. Der General wird nach Angaben von EU-Diplomaten von Russland, Ägypten, den Vereinigten Arabischen Emiraten und Saudi-Arabien unterstützt. Libyens Einheitsregierung hatte zuletzt auch Frankreich vorgeworfen, Haftar zu unterstützen - Paris hatte dies jedoch zurückgewiesen.

Mit der LNA hat Haftar aus dem Osten des Landes heraus einen Vormarsch auf die von der offiziellen Regierung kontrollierte Hauptstadt Tripolis vorangetrieben. Beide Konfliktparteien meldeten zuletzt Kämpfe südlich von Tripolis. Ein Sprecher der Haftar-treuen Truppen sagte, diese hätten in der Nacht zum Freitag einen Angriff auf Gharian abgewehrt. Der Ort liegt rund 90 Kilometer südlich von Tripolis und gilt als strategisches Einfallstor zur Hauptstadt.

Bereits mehr als 200 Todesopfer

Die Zahl der Opfer bei den Gefechten steigt immer weiter in die Höhe. Die Weltgesundheitsorganisation WHO meldete zuletzt mindestens 213 Tote und mehr als 1000 Verletzte seit dem Ausbruch der Zusammenstöße vor rund zwei Wochen.

Die Bundesregierung und die EU forderten ein Ende der Kämpfe. Ein UN-Friedensplan für das zerrissene nordafrikanische Land ist durch den Vormarsch Haftars in Gefahr. Die von den UN unterstützte Sarradsch-Regierung erließ ihrerseits einen Haftbefehl gegen Hafter. Dieser begründe sich hauptsächlich mit den Bombenangriffen auf den Flughafen Mitiga und Wohngebiete, teilte die Militärstaatsanwaltschaft in Tripolis mit.

Der Experte Jalel Harchaoui vom Clingendael Institut für internationale Beziehungen in Den Haag sagte, Trumps Telefonat sei als Unterstützung für Haftar zu verstehen. Das wiederum schaffe ein Umfeld, welches eine militärische Intervention ausländischer Staaten, etwa von Ägypten, wahrscheinlicher mache. Ein Grund für Trumps Anruf sei, dass sich Haftars Armee als weniger stark erwiesen habe als von diesem selbst erklärt.

Quelle: n-tv.de, kst/rts/dpa/AFP

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