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Vergeltung für Terrorangriffe Trump nutzt 9/11-Gedenken für Kampfansage

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Genau 18 Jahre nach den 9/11-Anschlägen hält US-Präsident Trump eine Rede vor dem Pentagon.

(Foto: REUTERS)

In Brüssel, New York und Washington gedenkt man den Anschlägen vom 11. September 2001. Trump droht dabei den Terroristen mit verheerender Vergeltung - wie jetzt gerade gegen die Taliban. Noch vor einigen Tagen war der US-Präsident bereit, Vertreter der Miliz im Camp David zu empfangen.

Mit Andachten und Schweigeminuten haben viele Menschen in den USA der fast 3000 Todesopfer bei den Terroranschlägen vom 11. September 2001 gedacht. US-Präsident Donald Trump und First Lady Melania Trump legten im Weißen Haus eine Schweigeminute ein, anschließend nahmen sie im Pentagon an einer Gedenkveranstaltung teil. Trump drohte dabei potenziellen künftigen Angreifern mit verheerender Vergeltung. "Wir streben keinen Konflikt an. Aber wenn irgendwer es wagt, unser Land anzugreifen, werden wir darauf mit dem gesamten Ausmaß amerikanischer Macht und dem eisernen Willen des amerikanischen Geistes antworten."

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Trump verwies darauf, dass er nach einem tödlichen Anschlag in Kabul für den vergangenen Sonntag in Camp David geplante Verhandlungen mit Taliban-Vertretern abgesagt hatte. Unter den Toten in Kabul war auch ein US-Soldat. Die USA verhandeln seit Monaten mit den Taliban über ein Abkommen, das den Weg für einen Abzug der US-Truppen und für Frieden in Afghanistan bereiten soll. Trump hatte die Verhandlungen nach der Absage der für Sonntag geplanten Gespräche für "tot" erklärt. Trump sagte nun: "In den vergangenen vier Tagen haben wir unseren Feind härter angegriffen, als sie je angegriffen wurden. Und das wird andauern. Und wenn sie aus irgendeinem Grund in unser Land zurückkehren, werden wir dorthin gehen, wo sie sind, und Kräfte einsetzen, wie sie die Vereinigten Staaten nie zuvor eingesetzt haben."

Das ursprüngliche Vorhaben, kurz vor dem Jahrestag der Terroranschläge mit den Taliban in den USA zu verhandeln, brachte Trump harsche Kritik ein. Auch innerhalb der republikanischen Partei gab es Ablehnung. "Der Jahrestag für den 11. September steht an, ich möchte derweil nicht sehen, dass diese Terroristen jemals einen Fuß auf den Boden der Vereinigten Staaten setzen. Punkt", sagte der republikanische Kongressabgeordnete aus Florida, Michael Waltz, dem Sender CNN. Seine größte Sorge sei, dass die Taliban dies zum Erfolg erklären würde. "Die Taliban haben absolut keinen Friedenswillen gezeigt. (...) Sie haben ihre Angriffe sogar verstärkt."

Auch die Nato gedenkt den Anschlägen

Am früheren World Trade Center in New York, wo damals die Zwillingstürme einstürzten und heute unter anderem eine Gedenkstätte steht, wurden zum Jahrestag die Namen der Opfer vorgelesen und Schweigeminuten eingehalten. Schon in der Nacht zuvor waren zwei blaue Lichtstrahlen in den Himmel projiziert worden - genau dort, wo die Türme standen.

Auch bei der Nato in Brüssel gab es eine Gedenkzeremonie. Generalsekretär Jens Stoltenberg erinnerte daran, dass nach dem Terrorangriff zum ersten und bislang einzigen Mal in der Bündnisgeschichte der Artikel 5 aktiviert wurde, nach dem ein bewaffneter Angriff auf ein Nato-Mitglied als Angriff gegen alle Mitglieder gewertet wird. Dies führte dazu, dass Deutschland und zahlreiche andere Nato-Staaten sich am Krieg gegen die Taliban und die Terrororganisation Al-Kaida in Afghanistan beteiligten. "Einer für alle und alle für einen", sagte Stoltenberg. "Am 11. September haben Terroristen die Zwillingstürme zerstört, aber sie werden niemals unsere Lebensweise und unsere freien und offenen Gesellschaften zerstören."

Islamistische Terroristen hatten am 11. September 2001 vier Flugzeuge gekapert. Um 8.46 Uhr steuerten sie das erste, American-Airlines-Flug 11, in den Nordturm des World Trade Centers in New York. Ein weiteres krachte kurze Zeit später in den Südturm. American-Airlines-Flug 77 lenkten die Entführer in den südwestlichen Teil des US-Verteidigungsministeriums in Washington. Eine vierte Maschine stürzte in Pennsylvania ab, nachdem die Menschen an Bord Widerstand gegen die Terroristen leisteten. Insgesamt kamen dabei fast 3000 Menschen ums Leben. Der Drahtzieher vom 11. September, Osama bin Laden, wurde schließlich 2011 bei einem US-Militäreinsatz getötet.

Kein Ereignis in der jüngeren Geschichte hat die USA und seine Gesellschaft mehr geprägt als jener verhängnisvolle Dienstag vor 18 Jahren, als das Terrornetzwerk Al-Kaida noch vergleichsweise unbekannt war. Nach dem 11. September wurde die Terrorabwehr grundlegend ausgebaut, der staatliche Apparat massiv verändert. In der Folge veränderten sich die USA deutlich, viele beschreiben in Zeiten der noch immer anhaltenden Terrorangst eine wachsende Paranoia zulasten früherer Leichtigkeit.

Bringt Demografiewandel andere Einstellungen?

Neue Behörden und Einheiten wurden gegründet, Bürgerrechte etwa durch den "Patriot Act" zum Teil empfindlich beschnitten, das hochumstrittene Gefangenenlager in Guantanamo auf Kuba eingerichtet. Im Land sind manche Veränderungen gut sichtbar, etwa die Kontrollen an den Flughäfen oder die Polizeipräsenz auf den Straßen. Vieles aber geschieht im Verborgenen, wie die ausgeweitete Überwachung und die intensive Kontrolle von Daten.

Die USA zogen nach den Anschlägen auch in den "Krieg gegen den Terror". Zuerst in Afghanistan, wo der Militäreinsatz bis heute anhält. 2003 folgte der Krieg im Irak, dessen Auswirkungen letztendlich auch die Gründung der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) begünstigten. Immer wieder drohte der IS in den vergangenen Jahren auch den USA mit Angriffen. Koordinierte Attacken wie die vom 11. September - oder in den vergangenen Jahren in Europa - haben vermutlich auch die umfassenden Sicherheitsmaßnahmen in den USA vereitelt. Trotzdem aber kam es vor allem 2015 und 2016 zu tödlichen Angriffen von Einzeltätern in den Vereinigten Staaten.

18 Jahre nach den Anschlägen hat sich auch die Demografie der US-Gesellschaft verändert: Mittlerweile gibt es Millionen Kinder und Jugendliche, die zum Zeitpunkt von 9/11 noch nicht geboren waren und die Anschläge nur aus Erzählungen kennen. Das World Trade Center und das Viertel drumherum sind neu und anders wieder aufgebaut worden, die Gegend boomt heute. Aber die Erinnerung bleibt wach in New York - auch weil nach wie vor immer noch Menschen, die damals vor Ort waren, vor allem Rettungskräfte, an Folgeerkrankungen durch Schadstoffe in der Luft sterben. Im Juli unterzeichnete US-Präsident Trump nach jahrelangem Ringen ein Gesetz, das den Ersthelfern der Anschläge lebenslange medizinische Versorgung zusichert.

Quelle: n-tv.de, agr/dpa/AFP

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