Politik

Wer ist Delcy Rodríguez?Trump setzt auf "Feindin des US-Imperiums"

05.01.2026, 13:34 Uhr
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Delcy Rodríguez legt in Venezuela eine rasante politische Karriere hin: Über Jahrzehnte leitet sie unterschiedliche Ministerien, wird schließlich Vizepräsidentin. Ausgerechnet die bekennende US-Gegnerin genießt nun Trumps Gunst.

Sie war in Venezuela jahrelang die mächtige Frau im Hintergrund - nun steht Delcy Rodríguez plötzlich im internationalen Rampenlicht: Mit der Festnahme von Nicolás Maduro durch die USA wird die bisherige Vizepräsidentin und "rechte Hand" Maduros die erste Präsidentin des öl- und konfliktreichen südamerikanischen Landes. Sie übernimmt geschäftsführend und unter Gnaden von US-Präsident Donald Trump.

Doch wer ist die 56-Jährige, auf die Trump völlig überraschend und unter Ausbootung von Friedensnobelpreisträgerin Maria Corina Machado und der gesamten konservativen Opposition setzt?

Die Entscheidung Trumps ist deshalb überraschend, weil die Juristin und erfahrene Diplomatin als eine der loyalsten Figuren des linksautoritären Machtzentrums galt. Als Außenministerin (2014-2017) und später als Vizepräsidentin prägte sie den konfrontativen Kurs gegen die USA. Immer wieder beschimpfte sie das US-"Imperium" aufs Übelste.

Eine steile Karriere

Delcy Eloína Rodríguez Gómez, wie sie mit vollem Namen heißt, wurde am 18. Mai 1969 in Caracas geboren. Sie kommt aus einer politisch engagierten Familie. Ihr Vater Jorge Antonio Rodríguez war in den 1960er Jahren marxistischer Guerillakämpfer. 1976 starb er während der demokratischen Präsidentschaft von Carlos Andrés Pérez unter umstrittenen Umständen in Polizeigewahrsam, nachdem er in Zusammenhang mit der Entführung eines hochrangigen US-Managers festgenommen worden war.

Sein Tod macht ihn zu einem Märtyrer der linken Bewegung in Venezuela - und prägte auch die politische Laufbahn seiner Kinder. Delcy Rodríguez absolvierte zunächst ein Jurastudium. In die Politik ging sie 2003, etwa vier Jahre nach der Wahl des Ex-Putschisten Hugo Chávez zum Präsidenten. Unter Chávez und später unter Maduro stieg Rodríguez kontinuierlich auf.

Bald hatte sie auch Schlüsselpositionen inne: Sie leitete die Ministerien für Wirtschaft, Finanzen und Außenhandel sowie für Kommunikation und Information, war Außenministerin und Geheimdienst-Chefin. 2017 übernahm sie die Präsidentschaft der umstrittenen verfassungsgebenden Versammlung, die außerhalb des damals von der Opposition dominierten Parlaments agierte.

"In den letzten Jahren hat Delcy Rodríguez enorm viel Macht angehäuft, teilweise sogar mehr als Maduro", sagte die venezolanische Journalistin Virginia Linares, die seit Jahren in Spanien lebt und Dozentin der Universidad Complutense in Madrid (UCM) ist, dem spanischen TV-Sender RTVE.

Im Gegensatz zu Maduro und anderen chavistischen Spitzenpolitikern, wie etwa dem ebenfalls sehr einflussreichen Innenminister Diosdado Cabello, steht Delcy Rodríguez nicht auf der Fahndungsliste der US-Drogenbehörde DEA. Auch ihr Bruder Jorge, Präsident der Nationalversammlung, wird nicht "gesucht".

Wieso ist sie Trumps Auserwählte?

Dennoch: Wieso wird Rodríguez von Trump vor Machado bevorzugt? Und auch vor Edmundo González Urrutia? Der Ex-Diplomat hatte bei der von Betrugsvorwürfen überschatteten Präsidentenwahl vor eineinhalb Jahren nach Einschätzung der Opposition und internationalen Beobachtern eigentlich gegen Maduro gewonnen.

Trump sagte dazu, Machado genieße unter den Venezolanern nicht genug Respekt und Unterstützung. Und US-Außenminister Marco Rubio betonte, große Teile der Opposition seien nicht mehr im Land präsent. Doch vielleicht dient ein Bericht vom Oktober der gewöhnlich gut informierten US-Zeitung "Miami Herald" - die auch als Sprachrohr der kubanischen und venezolanischen Opposition in Florida gilt - zum besseren Verständnis: Damals schrieb das Blatt, die Vizepräsidentin und ihr Bruder hätten Washington im Zuge der zunehmenden Spannungen einen Vorschlag für eine Übergangsregierung ohne Maduro unterbreitet, um die politische Stabilität des Landes zu sichern.

Rodríguez bezeichnete den Bericht damals als falsch und warf der Zeitung vor, "Lügen und Aasfutter" zu verbreiten. Kurz nach der Festnahme Maduros sagte sie noch: "Wir werden niemals wieder Sklaven sein, niemals wieder Kolonie irgendeines Imperiums." Zuletzt signalisierte sie aber Verhandlungsbereitschaft.

Im Licht der jüngsten Ereignisse gewinnt der Bericht einiges an Glaubwürdigkeit. Jedoch ist fraglich, ob die neue, weniger charismatische Präsidentin in der Lage sein wird, ihr Land im Ausnahmezustand zu führen, intern glaubwürdig aufzutreten, die Bevölkerung, das Militär und vor allem die Bürgermilizen unter Kontrolle zu halten, während sie den Anweisungen aus Washington nachkommt. Andernfalls könnte Venezuela in ein Machtvakuum und gar in einen Bürgerkrieg stürzen, wie nicht wenige Beobachter im In- und Ausland fürchten.

Quelle: ntv.de, mba/dpa

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