Über 275.000 Dollar gesammeltTrumps Mittelfinger beschert suspendiertem Ford-Mitarbeiter Geldsegen

Bei einer Fabrikbesichtigung holt US-Präsident Trump die Affäre um den verurteilten Sexualstraftäter Epstein wieder ein. Ein Mitarbeiter beschimpft den Republikaner, der wiederum sichtlich erbost und vulgär reagiert. Der Zwischenrufer fürchtet nun den Verlust seines Jobs.
Die obszöne Geste des US-Präsidenten Donald Trump auf Zwischenrufe beim Rundgang durch eine Fabrik des Autobauers Ford in Detroit hat einem Arbeiter über eine Spendenaktion offenbar einen hohen Geldbetrag eingebracht. Unter dem Titel "TJ Sabula is a patriot!!" sind auf der Crowdfunding-Plattform gofundme mit Stand 17.10 Uhr bereits über 277.128 US-Dollar (umgerechnet 237.786 Euro) eingegangen. Demnach ist das mit 250.000 US-Dollar (umgerechnet 214.510 Euro) bezifferte Spendenziel inzwischen übertroffen worden. - mit Tendenz nach oben.
Zuvor hatte Trump einem Arbeiter in der Ford-Fabrik in Dearborn, südwestlich Detroit, den Mittelfinger gezeigt, wie am Dienstag in einer online verbreiteten Aufnahme zu sehen war. Trump ist in der Aufnahme auf einem erhöhten Gang mit Blick auf die Fabrik zu sehen. Nach mehreren Zwischenrufen aus der Werkshalle scheint er auf den mutmaßlichen Störer zu zeigen. Der Gesichtsausdruck des Präsidenten wirkt finster, er formuliert offenbar einige deutliche Worte, bevor er in Richtung des Zwischenrufers seinen Mittelfinger hebt.
Nachdem zur Identität des Arbeiters anfangs offiziell keine Angaben gemacht wurden, heißt es auf der Crowdfunding-Plattform: "Bitte helfen Sie uns, Spenden für den Patrioten TJ Sabula zu sammeln! TJ wurde von seinem Job bei der Ford Automotive Company suspendiert, weil er Präsident Donald J. Trump zu Recht als Beschützer von Pädophilen bezeichnet hat! Lasst uns TJ unterstützen und ihm helfen, einige Rechnungen zu bezahlen (und DJT zwingen, die Trump/Epstein-Akten freizugeben). LFG!!".
Trumps Kommunikationsdirektor Steven Cheung rechtfertigte die Geste des US-Präsidenten. "Ein Verrückter schrie in einem Wutanfall wild Schimpfwörter, und der Präsident reagierte angemessen und unmissverständlich", erklärte Cheung. Einem Bericht des Magazins "TMZ" zufolge beleidigte der Arbeiter in der Fabrikhalle Trump als "Pädophilen-Beschützer" - offensichtlich in Anspielung auf den verstorbenen Sexualstraftäter Jeffrey Epstein.
Zwischenrufer sorgt sich um seinen Job
Befragt von der "Washington Post", bestätigte der mutmaßliche Zwischenrufer, dass sich seine Beschimpfung auf Trumps Agieren im Skandal um den Sexualstraftäter Jeffrey Epstein bezogen habe. Er spüre wegen des Ausrufs "definitiv keine Reue", sagte der 40-Jährige der Zeitung. Er mache sich allerdings Sorgen um die Zukunft seines Jobs und fürchte auch "politische Vergeltung", weil er Trump "vor seinen Freunden blamiert" habe. Eigenen Angaben zufolge wurde er infolge des Vorfalls von seiner Arbeit im Werk wegen laufender Ermittlungen freigestellt.
Der Fall Epstein belastet Trump seit Monaten. Die oppositionellen Demokraten beschuldigen den US-Präsidenten, sich mit der verzögerten Freigabe von Akten zu dem Fall selbst schützen zu wollen. Dem bis in höchste Kreise vernetzten Finanzberater und Millionär Epstein wurde vorgeworfen, in der Vergangenheit mehr als tausend Mädchen und Frauen missbraucht und teils Prominenten zugeführt zu haben.
Trump bestreitet engere Beziehungen zu Epstein, bisher veröffentlichte Fotos und Dokumente legen aber das Gegenteil nahe. Ein persönliches Fehlverhalten konnte dem Präsidenten nicht nachgewiesen werden. Trump hatte sich monatelang gegen die Freigabe der Dokumente gesperrt und nannte die Epstein-Affäre einen "Schwindel".