Politik
John Kelly muss sich nun einige Fragen gefallen lassen.
John Kelly muss sich nun einige Fragen gefallen lassen.(Foto: dpa)
Freitag, 09. Februar 2018

Missbrauchsvorwürfe gegen Porter: Trumps Stabschef gerät unter Druck

Eigentlich sollte er endlich für Ordnung im Weißen Haus sorgen. Nun stiftet er selber Unruhe: Stabschef John Kelly soll von den Gewaltvorwürfen gegen Mitarbeiter Rob Porter gewusst haben und zu lax damit umgegangen sein.

Nach dem Rücktritt eines engen Mitarbeiters von US-Präsident Donald Trump wegen Anschuldigungen der häuslichen Gewalt steht der Stabschef im Weißen Haus, John Kelly, unter wachsendem Druck. Kelly wird von US-Medien und auch aus den Reihen der Opposition verdächtigt, die Vorwürfe gegen seinen Mitarbeiter Rob Porter nicht ernst genug genommen und diesen zu nachsichtig behandelt zu haben.

Porter wird von seinen beiden früheren Ehefrauen beschuldigt, sie misshandelt zu haben. Er hatte deshalb am Mittwoch seinen Rücktritt erklärt. Wenn Kelly diese Vorwürfe zu vertuschen versucht habe, dann "muss er zur Rechenschaft gezogen werden", sagte Senator John Tester von den oppositionellen Demokraten am Donnerstag dem TV-Sender CNN. Sollte Trumps Stabschef "keinen wirklich guten Grund" für sein Vorgehen anführen können, sei er "auch weg".

Das Weiße Haus räumte Versäumnisse beim Umgang mit dem Skandal um Porter ein, der als Stabssekretär dafür zuständig war, die Papierflut im Weißen Haus zu sichten und dem Präsidenten Dokumente zuzuleiten. "Viele von uns hätten es besser machen können", sagte Trump-Sprecher Raj Shah. Er betonte jedoch, dass der Präsident weiterhin "Vertrauen" zu Kelly habe.

Ex-Frauen waren befragt worden

Laut dem Online-Magazin "The Intercept" hatte die Bundespolizei FBI bei dem Sicherheitscheck vor Porters Amtsantritt auch dessen beide Ex-Frauen befragt, die dabei die Misshandlungsvorwürfe erhoben. In "The Intercept" und anderen Medien wurden Fotos von Porters erster Ehefrau veröffentlicht, auf denen sie mit einem blauen Auge zu sehen ist. Sie sagte, Porter habe ihr diese Verletzung zugefügt.

Kelly verteidigte allerdings noch wenige Stunden vor Porters Rücktrittserklärung seinen Mitarbeiter als Mann von "wahrer Integrität und Ehre". Wenig später schob er dann eine zweite Erklärung nach, in der er sich "schockiert" über die Vorwürfe gegen Porter zeigte. Es gebe "keinen Platz für häusliche Gewalt in unserer Gesellschaft".

Präsidentensprecher Shah wollte auf Fragen von Journalisten, wann Kelly erstmals von den Anschuldigungen gegen seinen Mitarbeiter erfahren habe, nicht im Detail eingehen. Der Stabschef sei sich "dieser Vorwürfe gestern voll bewusst geworden", sagte Shah am Donnerstag. Nähere Angaben darüber, "wer was gewusst haben könnte", werde er nicht machen.

Trump hatte Kelly im Sommer ins Weiße Haus geholt. Der Ex-General, der bis dahin Heimatschutzminister war, sollte die Machtkämpfe und Turbulenzen in der Regierungszentrale beenden und für Disziplin sorgen, was ihm zumindest ein Stück weit auch zu gelingen schien. In den vergangenen Monaten wurde Kelly aber dann selbst wiederholt zum Gegenstand von Kontroversen.

Quelle: n-tv.de