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IS erobert größtes Ölfeld zurück Türkei greift Kurdenstellungen in Syrien an

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Verbündete für die USA, Terroristen für die Türkei: YPG-Kämpfer in Syrien

(Foto: picture alliance / dpa)

Mit ihrem Gipfel wollen die deutsche Kanzlerin und die Präsidenten Russlands, Frankreichs und der Türkei den Friedensprozess neu starten. Am Tag danach bietet sich ein anderes Bild: Die türkische Luftwaffe greift an und auch der IS meldet sich zurück.

Einen Tag nach einem Gipfel zum Friedensprozess für Syrien hat die Türkei Stellungen der kurdischen YPG-Miliz im Norden des Bürgerkriegslandes beschossen. Wie die staatliche Nachrichtenagentur Anadolu meldete, hätten türkische Streitkräfte auf "von der Terrororganisation errichtete Barrikaden und Stellungen" in der Region Zor Magar gefeuert. Unterdessen brachte im Osten Syriens der Islamische Staat größere Gebiete einschließlich eines wichtigen Ölfeldes unter seine Kontrolle.

Die türkischen Streitkräfte hätten mit ihren Angriffen auf die YPG "Terroraktivitäten unterbinden" wollen, berichtete Anadolu. Die Stellungen hätten östlich des Euphrat-Flusses gelegen. Bisher unterhält die Türkei nur westlich des Euphrats Besatzungszonen, hat aber angekündigt, ihre Aktivitäten auch weiter nach Osten ausdehnen zu wollen.

Die Türkei sieht in den mit den USA verbündeten kurdischen Milizen in Nord-Syrien Terroristen. Die YPG steht der verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK nahe, die in der Türkei und Europa als Terrororganisation eingestuft ist. In Nord-Syrien kämpft die YPG gegen die Terrormiliz Islamischer Staat (IS). Der Nachrichtenagentur DHA zufolge liegt die beschossene Gegend nahe der türkischen Grenzprovinz Urfa.

SDF ziehen sich zurück

Beim Gipfel in Istanbul hatte der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan am Samstag gesagt, dass sein Land weder an seinen Grenzen noch in Syrien Terrororganisationen dulden werde. Das Treffen Erdogans mit Bundeskanzlerin Angela Merkel, Frankreichs Staatschef Emmanuel Macron und dem russischen Präsidenten Wladimir Putin hatte mit einem Beschluss für eine Wiederbelebung des Friedensprozesses geendet. Dabei hatten sich die beteiligten Länder auch verpflichtet sich für die Einhaltung einer dauerhaften Waffenruhe einzusetzen.

Unterdessen hat die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) im Osten Syriens größere Gebiete zurückerobert. Darunter sei auch eines der größten Ölfelder des Landes, hieß es aus Kreisen der Opposition in der Provinz Dair as-Saur. Die Islamisten hätten am Morgen die Kontrolle über das Gebiet gewonnen, nachdem sich die Kämpfer der Syrischen Demokratischen Kräfte (SDF) zurückgezogen hätten. Der IS hatte das Gebiet östlich des Flusses Euphrat vor einem Jahr an die oppositionellen Kämpfer verloren.

Seit Tagen liefern sich der IS und die von Kurden geführten SDF heftige Kämpfe im Osten Syriens. Nach Angaben der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte starben seit Freitag mindestens 68 SDF-Kämpfer bei dem schwersten Angriff der Islamisten seit Monaten. Der IS hatte sich nach den Verlusten in einige Wüstengebiete an der Grenze zwischen Syrien und dem Irak zurückgezogen.

Quelle: ntv.de, mbo/dpa/rts