Politik
In Tunesien begann Anfang 2011 der "Arabische Frühling". In Tunesien erfüllte sich die Hoffnung auf ein besseres Leben sogar zum Teil.
In Tunesien begann Anfang 2011 der "Arabische Frühling". In Tunesien erfüllte sich die Hoffnung auf ein besseres Leben sogar zum Teil.(Foto: picture alliance / dpa)
Dienstag, 09. Juni 2015

Nach südafrikanischem Vorbild: Tunesien arbeitet Vergangenheit auf

Bis zur Jasminrevolution 2011 leidet Tunesien jahrzehntelang unter autoritären Herrschern. Die "Kommission für Wahrheit und Würde" startet jetzt das Projekt der Aufarbeitung. Helfen soll ein vor gut 20 Jahren erprobtes Modell.

Mehr als vier Jahre nach der Jasminrevolution arbeiten die Tunesier die Menschenrechtsverstöße während der Zeit der Diktaturen in dem nordafrikanischen Land öffentlich auf. Die Präsidentin der Kommission für Wahrheit und Würde, Sihem Ben Sedrine, kündigte in Tunis an, dass die Anhörungen in den kommenden Wochen beginnen werden. Bislang habe das Gremium mehr als 13.000 Fälle gesammelt.

Die im Zuge der Demokratisierung Tunesiens gebildete Wahrheitskommission gibt es seit genau einem Jahr. Anhand von Interviews und Archivmaterial werden Verbrechen von 1955 an untersucht. Das war ein Jahr vor der Unabhängigkeit Tunesiens von Frankreich. Es geht um Menschenrechtsverstöße, die zunächst unter den Kolonialherrschern verübt wurden, später von den Apparaten des Staatsgründers Habib Bourguiba und dessen Nachfolgers Zine el Abidine Ben Ali. Letzterer wurde im Januar 2011 gestürzt.

Ziele sind eine Entschädigung der Opfer und der Start eines Versöhnungsprozesses. Das bekannteste Beispiel für einen solchen Prozess stammt aus Südafrika, wo in den 90er Jahren eine "Wahrheits- und Versöhnungskommission" die Verbrechen zu Zeiten der Apartheid aufarbeitete. In Deutschland arbeitet die Stasi-Unterlagenbehörde DDR-Unrecht auf.

Quelle: n-tv.de