Politik

Änderung im Ehe-Gesetz Tunesierinnen dürfen Nicht-Muslime heiraten

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Präsident Essesbi gratulierte den Tunesierinnen.

(Foto: picture alliance / Mohamed Messa)

Bisher ist es in Tunesien wiefolgt: Männer dürfen Nicht-Muslima heiraten, Frauen und Nicht-Muslime haben dagegen keine Chance auf die Ehe. Das ändert sich jetzt.

Tunesien hat ein Gesetz verabschiedet, wonach Frauen von nun an auch Nicht-Muslime heiraten dürfen. In einer öffentlichen Bekanntmachung zu der Gesetzesänderung gratulierte Präsident Beji Caid Essesbi den Tunesierinnen zu ihrer neuerlangten "Freiheit der Partnerwahl".

Bisher konnte ein andersgläubiger Mann eine tunesische Frau nur dann heiraten, wenn er zum Islam konvertiert. Die Behörden verlangten vor der Eheschließung ein entsprechendes Zertifikat als Beweis. Das neue Gesetz tritt noch heute in Kraft, betroffene Paare können ihre Ehe ab sofort bei den Behörden eintragen lassen. Damit ist Tunesien das erste Land in der arabischen Welt, in dem sich Frauen außerhalb der offiziellen Staatsreligion verheiraten dürfen. Männern ist dies schon seit längerem erlaubt.

Über 99 Prozent der tunesischen Bevölkerung ist muslimisch. Das Land gilt als progressiv in Bezug auf Frauenrechte und verfügte über eine aktive Menschenrechtlerszene. So ist auch das jetzt verabschiedete Gesetz Teil einer Bewegung, welche die Rechte von Frauen stärken möchte. Zuletzt hatte das tunesische Parlament im Juli ein Gesetz verabschiedet, wonach Vergewaltiger einer Strafe nicht mehr entkommen können, wenn sie ihr Opfer nach der Tat heiraten.

Ehe-Verbot verstößt gegen Verfassung

Präsident Essebsi hatte in den vergangenen Monaten auf die Abschaffung des Heirat-Verbotes gepocht. Das 1973 per Dekret beschlossene Verbot verstößt außerdem gegen die seit 2014 geltende Verfassung Tunesiens.

Berichten von Amnesty International zufolge hat sich die rechtliche Situation von Frauen in Tunesien seit der Revolution 2010 deutlich verbessert. Trotzdem bestehen weiterhin diskriminierende Gesetze, insbesondere in Bezug auf Erbschaften werden Söhne bevorzugt. Der Tunesische Verein Demokratischer Frauen schätzt zudem, dass fast 70 Prozent der Tunesierinnen schon einmal Opfer von Missbrauch wurden.

Quelle: n-tv.de, lou

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